sprossel,
sprüssel,
subst. ,
mit dem vorigen eng verwandt, mhd. sprüʒʒel,
stock, leitersprosse. Lexer
mhd. handwb. 2, 1122,
vgl. ahd. spruʒil,
repagulum (
holz zum zusperren?). Graff 6, 401.
auch nhd. begegnet sprüssel,
daneben mit angleichung an sprosse, sprosz: sprossel, sprössel.
das wort lebt heute hd. nur in mundarten. entsprechungen bieten das nd. und in der bedeutung '
sommersprosse'
das ndl. das geschlecht wechselt. vgl. sprieszel, sprissel
oben. 11)
bair. sprüszel,
m. spröszling Schm.
2 2, 706,
ebenso nd. spratel
brem. wb. 4, 976, sprôtel,
f. Schambach 206
b.
übertragen: adolescens ein jüngling, junger aufgeschossener mensch, sprüssel ungefähr von 12 jahren bis auf das 21. Heupoldius
dict. (1620) 14; den jüngling heist sie (
die welt) einen sprüssel. H. Sachs 17, 235, 13
Keller-Götze. 22) sprosz
vel sprüssel,
gradus. Dief. 268
a, sprussel an einer laytern,
scalare. 515
c, sprossel,
trames. 592
b, sprussel, sprússel,
trames. nov. gl. 370
a, sprossel an einer leiter. Corvinus
fons latinit. (1660)
register, sproszel,
transversaria. Stieler 2098, sprosse,
it. sprossel, sprüssel, sprossen,
plur. pivolo, pirolo, pirvolo, pirlo della scala; scalino. Kramer
deutsch-ital. dict. 2 (1702), 896
b, sprüssel,
leitersprosse. Jacobsson 4, 249,
bei Weigand
4 2, 783
auch mit dieser bedeutung in der form sprüssel,
m. als bair. verzeichnet, hess. spröszel,
m. sprosse der leiter. Pfister 282,
nass. sprossel, sprüssel, sprissel,
m., ebenso. Kehrein 1, 385,
kärnt. sprussúl, sprissúl,
so und ähnlich. Lexer
kärnt. wb. 238,
vgl. ferner sprissel
unter sprieszel oben sp. 73, spreiszel 2
oben sp. 11
und leitersprüssel,
m. oben theil 6, 736: von einem hundert leittersprüssel zu fewerleittern (
werden den zimmerleuten gegeben) zwelf pfenning, von der stat holtz. Tucher
baumeisterb. 116, 12; darzu (
zum reinigen eines brunnens) lehe ich im ein reitleinne von sechunddreissig klofter lanck und ein leittern von sechtzehen sprusseln. 195, 21; Bernh. fragt, welchs die zwey holcz sint, darin die sprüssel oder staffel geflocht sin an einer leiter.
quelle bei Scherz-Oberlin 1546; Fritz Dölle steigt ein sprüssel oder zwen (
auf der galgenleiter) hinauff. Ayrer 2845, 23
Keller. in bildern: die gern schier komen dar (
ins himmelreich), nemt einer kurzen leitern war, die hât drei sprüʒʒel und ouch zwên leiterboume.
renner 20221; ain zwyfach layter vor dir schyeb von gottes und des nächsten lyeb ... steyg kägklich, täglich für und für. mach tügent sprüssel, stargk dj mäng (
eine grosze menge). Schwartzenberg 153
c.
von einem intervall in der musik: secund, ist in musica ein auff- oder absteigung eines sprüssels, alsz vom ut ins re. Heupoldius
dict. (1620) 344.
im allgemeineren sinne von stock oder von stütze: er biugt den rücke, swenn er sich habet durch eʒʒens gir über die schüʒʒel. der im setzt ein sprüʒʒel undern drüʒʒel, daʒ er ûf geriht sæʒe doch die wîle und daʒ er æʒe, der het niht übel in gehandelt. Konrad v. Haslau
jüngling 566.
weidmännisch sprüssel, spreiszel, spuhle, '
die kleinen stecken, welche in die hühner- und steckgarne eingebunden sind, um die garne stecken zu können'. Heppe
wohlred. jäger 283
a. 33)
weidmännisch sprüssel, prüssel, eissprüssel, eissprissel,
die enden des hirschgeweihs, die sich unmittelbar über den augensprossen befinden. Nemnich 1, 969.
vgl. eissprieszel,
m. oben theil 3, 381. 44)
mrhein. (
in Aachen) sprossel,
f. sommersprosse. Müller-Weitz 232.
ebenso ndl. sproetel,
f.; mnd. sprotele, sprutele. Schiller-Lübben 4, 348
a, spruetele, sprotel,
clev. sproittel,
cesia, nevus. Dief.-Wülcker 860, sprottel,
lentigo. Apherdiani
tyrocinium (1580) 40,
mit nd. lautstande in einem hd. text: es vertreibt die linsenflecken, sprutlen genannt und andere masen des angesichts. Tabernaemont. (1588) 742.
vgl. spröszlicht
unten.