splitternackt,
adj. vollständig nackt, ohne alle bekleidung: noch wären auch ... einige junge splitternackte bauerkerle dabey. Wieland
Luc. 3, 438; sprachlos und hastig kleidete er sich aus und ging splitternackt vor den übrigen her. Keller 1, 344; Andreas, mann-bescherer, du treuer jungfern-lehrer, hier steh ich
splitter nackt. J.
F. Rothmann
lustiger poete (1711)
s. 349; auch der damen sah ich viele in dem tollen geisterzuge, ganz besonders schöne nymphen ... mythologisch splitternackt. Heine 2, 393
Elster (
Atta Troll xviii).
in älterer form: (
sie) rissen darauf meine liebste nebst ihrem mägdchen aus dem fuhrwerck, ... kleideten sie splitter
nacket aus.
ehe eines mannes 376; aber er (
Ulysses) ist nacket, splitternacket. Lessing 6, 340.
auch splitter-
nackent, adj. nudo affatto, nudo-nato. Kramer
dict. 2, 875
c; -nackend Adelung; denn wir haben nicht zu befürchten, dasz man uns abweisen werde, wenn wir auch splitternackend zu ihnen kämen. Wieland
Luc. 5, 32.
im bilde und bildlich: ich kann mich mit der vorstellung einer so ganz ausgezogenen splitternackten seele (
ohne körper) nicht befreunden; ein wenig drapperie muss um mich herfliessen. Wieland 34, 132 (
Aristipp 2, 19); da ihr wollt, dasz ich alles splitternackt beichten soll, ohne ihm andere kleider umzuhängen, als die, mit denen ich es bekommen habe. Tieck
don Quixote5 2, 16 (6, 2); o die natur, die zeigt auf unsern bühnen sich wieder, splitternackend, dasz man jegliche rippe ihr zählt. Schiller 11, 150 (
xenien 396
bezw. 505,
musenalm. 1797, 298).
s. ferner die doppelbildung splitterfasernackt
und die nebenform splinternackt. — splitternackt
ist ursprünglich nd. und hier schon im 15.
jahrh. bezeugt: (
Adam zu Eva:) ik sê, wy stân hir splitternaket.
sündenf. 1001.
aus dem nd. stammen schwed. splitternaken
und dän. splitternø
gen. im neund. meist durch splinternākt
verdrängt, s. das. und Richey 283 (
doch z. b. hildesheimisch, s. Frommann 2, 43, 30).
dagegen lebt splitternackt
heute im thüringischen. Hertel
sprachsch. 231. Kleemann 21
c. Jecht 106
a.
vgl. Weigand 2, 771.
der sinn der zusammensetzung ist nicht recht deutlich. Adelung
erklärt '
ganz unbekleidet, so dasz man auch keinen splitter von einem zeuge mehr an sich hat',
wozu die parallelen ausdrücke fadennackt (
theil 3, 1234)
und fase(n)nackt (
theil 3, 1339
f.)
gut passen würden. (
ähnlich Frommann 5, 26.)
dagegen faszt es Weigand
als '
nackt wie ein frisch abgesprungener splitter',
was eine an sich einleuchtendere auflösung der zusammensetzung ergäbe, nur auffallend unbildlich und unanschaulich ist. (
die wendung nackt wie, nackter als ein splitter
kommt in der that vor, s. splitter 8,
scheint aber erst aus dem compositum gebildet zu sein.)
der annahme, dasz splitternackt
nach splitterneu
gebildet wäre, steht der umstand entgegen, dasz dieses erst später bezeugt und viel weniger häufig ist. vgl. O. Hauschild
zeitschr. f. d. wortforschung 4, 316. 5, 244.