sonnenthau,
m. 11)
ganz selten von wirklichem thau ('
ein nach sonnenuntergang oder vor sonnenaufgange fallender thau.' Campe —?): und der mond spiegelte sich im sonnenthau. J. Paul
bei Campe. 22)
gewöhnlich als pflanzenname. ob schon ags. sundéaw,
rosmarinus, hierhergehört (
so Grimm
gr. 3, 374),
ist unsicher. (
nach Bosworth-Toller 935
a vielleicht für sund-déaw.)
sonst benennung einer auf feuchten wiesen wachsenden pflanze mit härchen an stengel und blumenblättern, woran man stets, auch beim heiszesten sonnenschein, eine feuchtigkeit wie thautropfen findet, drosera, besonders der sonnenthau mit runden blättern,
auch sindau, löffleinkraut,
drosera rotundifolia. Nemnich. Pritzel - Jessen,
vgl. Oken 3, 1366. W. Ulrich
internat. wb. der pflanzennamen 78. Jablonski 730.
öconom. lex.2 2740. Adelung. Behlen 5, 634: sonnentau, der,
rorella, salvara, ros solis, herba. Stieler
nachschusz 28
a; sonnen-tau, ein kraut, an dessen runden blätlein fasen rund herum, als die strahlen an einer gemahlten sonne heraus gehen,
drosion, rorella, gibt dem brandwein eine röthliche farbe. Frisch 2, 287
a.
so auch nl. son-dauwe,
solis ros, rorida, rorella, drosion. Kilian
und engl. sundew; sonnendauwe,
ros solis und
solaria, wirdt also genennt, dieweil seine bletter pflegen voller tropffen wie ein dauwe zustehen, wann die sonne desz mittags im sommer am heyssesten scheinet. Lonicerus
kreuterb. 301 C; sonnendauw, oder
sondaw, und auch sindaw wird lateinisch genennet
rorella, ros solis, und
salsirora. Tabernaemont. 1202 E;
ros solis major ... sonnendaw, sindaw. C. Schwenkfelt
stirp. Siles. catal. (1600) 183
b; sonnenthau,
ros solis, wächset gern an sandichten und feuchten orten. Hohberg 1, 539
b; des sonnenthaues werden etliche geschlechte gefunden. der rundblätige sonnenthau,
rorella rotundifolia, rossolis folio rotundo, treibt aus einer zaslichten, dünnen wurtzel, viel runde, ... mit tropflein, wie thau befeuchtete blättlein. ... die übrigen geschlechte sind, der lang-blätige sonnenthau,
rorella longifolia, rossolis folio oblongo. der rund-blätige sonnenthau, mit stets grünenden wurtzeln,
rorella rotundifolia perennis. der lang-blätige sonnenthau mit stets grünender wurtzel,
rorella longifolia radice perenni, und der lang-blätige grosse sonnenthau,
rorella longifolia maxima. 3, 1, 419
b. —
aber auch die gewöhnlich sinau
genannte pflanze, alchemilla vulgaris, erscheint, aus dem gleichen grunde, unter diesem namen und ist vielleicht in einigen der vorstehenden belegstellen gemeint; deutlich: von den namen des sinnaws ... es wird von Valerio Cordo
psiadum, drosium, drosera, und von etlichen
heliodrosium, das ist sonnendaw genant, sintemal das kräutlein auch bey dem sonnenschein, und zu jeder zeit mit schönen hellen wassertröpfflein gefunden wird, als wann es darauff gedawet hette. Tabernaemont. 249
F. s. auch Pritzel-Jessen
und Oken 3, 2002.
noch weniger gestatten manche litteraturbelege eine entscheidung: im julio blühen ... sonnenthau. Schnurr (1690) 248; das demüthige Sophienkraut, das sonnenbräutlein, der sonnenthau füllt ihm die löffelchen seiner hände. Brentano 5, 218; jelängerlieber, sonnentau, basilien, brunellen. Spee
trutzn. s. 88
Balke (22, 85).
obwol die benennung sonnenthau
durchaus verständlich ist (
vgl. oben Lonicerus
und Weigand 2, 739),
so ist sie vielleicht doch eine umdeutung aus *sinthau ('
immerthau')
und mit sinau, sindau
identisch, s. dieses, sp. 1064
f. Andresen
volksetym.4 191. 33)
nach Oken 3, 1366
heiszt auch '
der aus den drüsen (
der drosera)
schwitzende helle saft' sonnenthau (
spiritus rossolis);
nach Campe
auch ein feiner über dem kraut abgezogener branntwein, wofür auch sonnenthaubranntwein, m.