siemann,
m. 11)
weibischer mann, besonders ein unter dem pantoffel stehender ehemann: uxorius, ein sieman, de sick van dem wyve regeren leth, dar dat wyff de brock drecht. Chytraeus
nomencl. lat.-sax. (
Rostock 1604) 317
bei Schiller-Lübben 4, 186
b und Frisch 2, 273
c (
danach auch Campe); siemann,
m. huomo-ella, cioè huomo molle, delicato, voluttuoso, effeminato, codardo e timido, che nel suo temperamento e ne' costumi, gesti ed esercitii hà più di femina che di maschio; come sono i castrati, ed altri; un Sardanapalo. Kramer
dict. 2, 804
a; ein siemann,
mulierosus Stieler 2013; frauen- weiber- siemann,
mulierosus, uxorius, .. it. hermaphroditus, semivir, halbmann. 1235. —
das wort ist besonders in der litteratur des 16.
und 17.
jh. sehr verbreitet (
vgl. Wackernagel
Germ. 5, 296
und kl. schr. 3, 103
f. (
dasselbe vermehrt).
zeitschr. f. d. phil. 17, 235. 18, 492. Schultz
alltagsl. s. 247: es kompt und ist noch, das das weib dem manne nach genant wirt .. iczt heiszen
die menner syeman. Luther 14, 127, 26
Weim. ausg., vgl. die anmerk. von Pietsch; und erdencken die weiber täglich so viel neuer trachten, so viel neuer spitzfünde und liste, dasz .. zubeförchten, sie sich letzlichen auch an uns (
teufel) wagen, und, das regiment an sich zubringen, gar zu
sieh männern machen möchten.
Philand. 1, 34; alsz ich eine truppe siemänner, weiber-narren ersahe, die jhre schöne weiber .. an der hand führeten. 366; wenn das weib will ampten im hauszregiment, das thut kein gut, es sey denn, dasz sie gar einen siemann habe, der alles thut, was ihm die gnädige fraw befiehlt. Creidius
nuptialia (1652) 162 (?); der mann nicht [in?] des weibs kleyder sich stecken und zum siemann sich machen lassen.
ebenda; es kämen von den soldaten keine dapffere helden und hertzhafte kerl in himmel, sondern blosz einfältige tropffen, feige mämmen, ... gedultige Job, siemänner, langweilige mönche
u. s. w. Simpl. 1, 193, 14
Kurz; wenn er unversehens den elenden siemann abmahlen müste. Weise
erzn. s. 12
neudruck; eine frau, so dergleichen einfältigen hafengucker oder siemann verlanget, ist gleich als wann sie einen blinden führer lieber halten wollte, als einen sehenden. Hohberg 1, 188
a.
übertragen: Christus ist ain solicher Haintz und sieman, der kompt zuo uns herab ain herr aller herren, weicht uns allen, sitzt unden an, lasst uns herr sein. S. Franck
parad. 104.
ganz unklar ist, ob auch folgende stelle hierher zu ziehen ist: um inhalt derselbten (
briefe) den
simman (
läufer, postboten) sie fragen, ehe sie solchen anfügen gewalt. Scherffer
ged. 416.
zuweilen als eigenname behandelt, wo dann vermischung mit Simon nahe liegt (
vergl. 2): wolst darumb nicht Kuntz heissen, weil man inn Sachssen den schweinen also locket ..? wolt ich darumb nicht Hans inn allen gassen sein, weil man im Niderland die graszmuckenkönig Jan schilt? noch Siman, weil man meinen simischen schafnäsigen delphinen unnd den mörschweinnäsigen schafen, und den weiberbeherrschten gaucheyerbrütlern also ruffet?
Garg. 109
a; dücke dich, Simon, dück dich, dück dich, lasz fürüber gan! die fraw wil iren willen han. Uhland
volksl.2 s. 590 (296, 3); er heiszt Simon, der guete gspan, sie thuet oft mit jhm rauffen.
lied von 1637
bei Schm. 2, 204; Simon wünschet, dasz sein weib eine Moschkowitin wäre, wann er jhr gleich bleut den leib, dasz sie sich doch nicht beschwere: aber, weil sie deutsch gesinnet, schaut sie, wie sie sich erwehrt, wie sie oberhand gewinnet, und die stube mit jhm kehrt. Logau 1, 76, 4 ('
auff Simonem').
so auch: er ist
doctor Syman. Eyering 2, 338 (
häufiger im sinne 2): man sagt, dass in einer stadt einer ein grosse speckseiten habe an das stadtthor gehangen mit eim zettel: wer nit doctor Siemann sey, der sol die seiten speck hinweg nemen. es hat sich aber in langer zeit keiner funden; endlich aber sey ein bauwr kommen und die seyten mit sich wöllen wegnemmen. da hat jhm der thorhüter gesagt: wil er sie nemmen, so muss er sie under den rock nemmen. da hat der bauwer geantwortet: er darffs nicht thun; denn so er das hembd würde anrein machen, würde er zu hauss nicht wol empfangen werden. auff solche doctor Siemannsche antwort hat er die seiten speck müssen hangen lassen.
theatr. diabol. (1575) 300
a bei Wander 4, 560, 5.
in specialisierter bedeutung: hornkönig, hornemann,
herr sieman, hanrey,
curuca. haubtschlüssel der teutschen und ital. sprach (
Augsburg 1648)
s. 340,
s. zeitschr. für d. phil. 18, 492. —
seit dem 17.
jahrh. aus der allgemeinen schriftsprache und den wörterbüchern (
nach Stieler
und Kramer)
geschwunden, vgl.: weibling,
vir uxorius, oder, wie es unsere vorfahren gleichfalls nannten, ein siemann. Lessing 5, 352 (
wb. zu Logau).
dagegen in bair.-österr. mundarten noch lebendig: bair. si-má~, simo~,
demin. das si-mánl (
auch im sinne 2; e~bucklets simánl
von einem höckerichten) Schm. 2, 204,
österr. meist im deminutiv simandl '
ein dem weibe unterthäniger mann'.
idiot. Austr. 114. Castelli 256. Hügel 149
b. Klein 2, 155 ('
in Österreich sollen die simannl von Krems
sprichwörtlich sein.'
Germania 5, 296): weibersklaven siemannlen. Winterholler
messis evang. (
Augsb. 1717),
s. zeitschr. f. d. phil. 17, 235; was sollte sie thun, wenn ihr 'sie-mannerl' — so nennt man in Östreich diese art männer — die frauengeschäfte besorgte? Agnese Schebest
aus dem leben einer künstlerin (
Stuttgart 1857) 263; mit ihr hätt' ich was z'reden, denn du bist all dein zeitlang a g'schreckt's simandl g'wesen, mit dem mer sich nit verstehn konnt', auszer's hat dir zuvor dein weib dö wörter, dö d' vorbringen durft'st, aus ihr'm fürtuch zu'zählt. Anzengruber
3 4, 75; 's weibeúl áfm mark' tát gê~. hupà há hê! wollt's simánl á' mitgê~. dum di 'l dei dê. 's simánl dehaem mues bleibm, hup ... schüssl spüeln, tále' reibm, dum. Schmeller
mundarten Bayerns s. 521.
dazu: Simon .. ist der grosze patron der
simannlbrüderschaft, der ehemänner nämlich, welche unter dem regiment ihrer weiber stehen. Leoprechting
aus dem Lechrain 197; simand'l-bruaderschft '
gesellschaften heiterer männer, die jährlich am tage Simonis, des schutzheiligen der bruderschaft, zu einem feste sammt ihren frauen sich versammeln, denen sie für diesen tag alle vorrechte zugestehen, welche sie sonst für sich behielten'. Hügel 149
b,
vgl. ferner Wander 4, 561.
auch: es muss diese ehliche lieb kein knechtische
siemannslieb sein.
quelle hei Birlinger
zeitchr. für deutsche phil. 17, 235. —
auszer dem bair.-österr. gebiete begegnet sîmá
fränk. (
ostfränk.),
hier in der abgeblaszten bedeutung '
ein tölpischer, beschränkter mensch' (
und für den namen Simon),
s. Schm. 2, 281.
auch brem. wb. 4, 727: semann '
ein weibernarr: ein mann, der sich von der frau regieren läszt: vir uxorius' (
wol nur aus der ältern sprache; heute in Bremen nicht mehr üblich). —
vgl. auch siefuchs
sp. 885. 22)
aber siemann
wird kaum minder häufig auch von der ehefrau gesagt, die an stelle des mannes und über ihn die herrschaft führt: feminae dicuntur jam Siman. Luther 14, 127, 11
Weim. ausg.; das wuszt er vor das er sie Syman muost heyssen, noch ist er bezaubert in die gefengknusz gangen. Franck
sprichw. 1, 25
b; es soll der mann nicht zwar alle ehr geben dem weiblichen werkzeug und das weib den sie-mann mit ihm spielen lassen. Dannhawer
catechismus - milch 3 (
christl. hausz-taffel. Straszb. 1646), 344,
s. Alemannia 13, 55; kriegt jhr denn zur eh noch eine, sie wil siemann werden bald. Bolte
der bauer im deutschen liede nr. 13, 23; ob schon der mann des weibes herr und seiner kinder vatter wer, so helt doch Sieman auch ein pferdt, und wers nur dreier gülden werdt. B. Waldis
Esop 4, 70, 58
Kurz, vgl. die anm. s. 171
f. und Petri,
s. unten; da kam der sieman in das hausz und hat uns all geschlagen ausz. H. Sachs 1, 481
c; mein weib aber die haist Sieman. 521
c; den sieman werd jr nit ausztreiben, er wird dennoch herr im hausz bleiben. 4, 1, 21
c; meinen wenn sie nur weiber han, so wollen sie sich wol ernern, und nicht mehr knecht sein, sonder herrn, dern anschlag ist gentzlich verlorn, dann sie nun erst recht knecht sind worn, dem weib mantel und kind nachtragen, in allem ghorchen, was sie sagen, die jhren namen han verwend, und nun mehr Sieman wern genent. Eyering 1, 70; den siman kan man nicht vertreiben. er wil doch herr im hause bleiben. Petri N 3
a;
in der form Simon: Sophia sein hausfrowe, geborn von Bayern, was simon im haus.
d. städtechron. 3, 170, 9 (Meisterlin
chron. v. Nürnb. 3, 28);
uxori nubere nolo meae. 'ich wil kain symon haben.' Aventin
werke 1, 485, 21.
der übergang von a
in o
vor n
ist in dem verbreitungsgebiete des wortes regelmäszig, daher auch die vermischung mit dem häufigen taufnamen Simon (Simmerl).
sie zeigt sich in der stellung des heil. Simon als patron der siemannlbrüderschaft (
s. 1),
und in manchem volksaberglauben, der sich an den St. Simonstag (28.
oct.)
knüpft: an diesem tage soll kein mann seinem weibe widersprechen. Schm. 2, 204. Leoprechting
aus d. Lechrain s. 198;
an ihm soll auch keine hochzeit stattfinden: und du, Hänszl, merckh ä darbey, das die hochtzeit nit am tag Symon sey!
Regensb. fastnachtsp. v. 1618,
v. 374,
s. Baierns mundarten 2,
s. 26
a,
vgl. die anmerk. s. 59.
andrerseits ist auch die herkunft aus sie-mann
dem sprachbewusztsein noch durchaus lebendig, wie folgende gegenüberstellung zeigt: das weib dem man stets widerficht, sie hab gleich recht darin oder nicht, und
Syman sein wil in dem hausz,
Herrmann mit gwalt wil jagen aus. Eyering 2, 74; disz sprichwort reimpt sich uberaus, den mann, die herr sind in jhrm hausz, die den namen Herman verstan, nichten verkeren in Syman (
s. 1), der ist fürwar ein kleine zal, in stedt und dörffern uberall, dann Syman hat die herrschafft bkommen, des han die menner wenig frommen. 353.
beide auffassungen flieszen zusammen in dem volksausdruck: in einem solchen hause (
wo sie
den mann,
und er
das weib
vorstellt),
werden St. Simon (Simá~) und St. Erwei'
verehrt, s. Leoprechting
a. a. o. —
der charakter als eigenname wird oft durch hinzufügung eines titels betont, so frau Siemann: dat Oeverst vrouwe Seemann daryegen mundtwercket unde anmeldet, dat dat frouwen regement aver den man dat erste unde oldeste gewesen sy.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 186
b; zwentzig jahr ein jungfrewlin. dreissig jahr ein fraw Simon. virtzig ein herrin matron.
s. Gödeke
Gengenbach s. 583.
mit männlichem titel: nomen debet habere mulier a viro dominante, et in viro nomen suum amittat, sed multi sunt bruder Siman. Luther 14, 127, 29
Weim. ausg.: hauszteuffel, das ist der
meister Siemon, wie die bösen weiber jre fromme männer, und wie die bösen leichtfertigen buben jre fromme weiber plagen,
titel eines reimwerks von Ad. Schubart,
Franckf. a. M. 1565,
s. Gödeke
grundr.2 2, 481. Wackernagel
kl. schr. 3, 103; disz sprichwort sagt von bösen weiben, die in dem hausz
herr Syman bleiben. Eyering 2, 498;
besonders häufig ist doctor Siemann: es ist manchmal besser, docter Siemann mit zehen pferden herbergen, als docter Hermann mit einem.
theatrum diabolorum (
Frankf. 1575) 289
b,
s. Wander 4, 560, 2; daher dann die gemeine erfahrung bezeuget, dasz doctor Siemann mehrmalen in dem hauswesen viel ungelegenheit verursacht, welches aber nicht seyn soll, dann einem weib gestatte ich nicht, dasz sie des manns herr sey. Creidius
nuptialia 11, 267; denn doctor Sieman hat das rathen, der spicket jn also den braten, und macht zum narrn den armen Frantzen, das er musz nach seiner pfeiffen tantzen. B. Waldis
Esop 4, 81, 183 (
vgl. Wander 4, 560, 5); die jungen lan sich biegen fein, die alten knörtz stets herr wolln sein; wann eine zwey jahr ghabt ein man, so wil sie schon die herrschafft han. was solt dann thun die grannisch alt, in der die lieb gentzlich erkalt? die wird doctor Syman genant. Eyering 2, 506; nie sah man ein, der dran gewann, wenn im hausz herrscht doctor Siemann. Kirchhof
wendunm. 2,
s. 486
Oesterley (3, 214); doctor Sieman helt auch ein pferd, wenns gleich nur were drey gülden werth. Petri R 8
a.
zuweilen mit weiblicher weiterbildung: sie-männin, ella-marito cioè donna, padrona del marito e che lo governa à suo modo, si ch' egli le ubbidisce e la serve per pazzo amore ò per forza. Kramer
dict. 2, 804
b;
so wol auch: denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann uth kribbischer bOeszheit mit undenstliken wOerden vOerbolgener wyse awer dwer und dwas alse einer [
l. eine?]
Seemansche Hebberecht ankarret, ansnarret unde anfaret und trotzichlick aver de nese houwet. Gryse
laienbibel (
Rost. 1604) L 2
bei Schiller-Lübben 4, 186
b und Wander 4, 561;
dafür auch: darher sprickt men van der sülven unaddelen fruwen Hüyup Hebberecht van Seeman, dat se de mütze settet up dudendop unde nimpt den hoet up eren kop.
ebenda (Gryse
frage 41).