sechter,
m. 11)
als masz, ahd. sehtari,
sestar (8.
jahrh.), sehtere,
sextarius (11.
jahrh.) Schm.
2 2, 219 (
sextarius ist der sechste theil des congius, eines flüssigkeitsmaszes, der vierte des modius Weigand
4 2, 676),
mhd. sehter,
nhd. sechter,
sextarius Alberus
dict., unter maszen genannt: alleu masʒ geleich nach dem alten recht, alʒ di stat gesatzt ist, die chauf geleich, die marich geleich, die emer geleich, die sechter geleich, die veiertail geleich, die trinchen geleich.
d. städtechr. 15, 398, 15 (
Mühldorfer annalen); zu den ehehaft tätting nach der freiung Philippi und Jacobi soll man bringen alle masz truckne und nasse; müllmäszl, meczen, wax, elln, henig, sechter nichts ausgenommen sollen gepoten und zu der schrannen gebracht werden.
Salzb. taid. (1870) 27, 18 (
von 1625).
als flüssigkeitsmasz: eʒ ist auch ze wiʒʒen, wer fronpot ist und mit der purger willen gesatzt ist, der sol wein meʒʒen mit der üren und pei sechtern in dem gericht aller männichleich.
tirol. weisth. 4 (1888), 385, 28 (
von 1379); ain sechter wein den gesellen, zu vertrincken.
quelle von 1438
bei Schm.
2 2, 219; wo ain nachparin die andern ungepurlich weisz auszschelden tett und darneben gott lastert, die sole um ain sechter wein gestrafft werden.
steir. u. kärnth. taid. (1881) 378, 18 (
von 1584); ist mit zwei ührn und zwei sechter pier abgezalt worden.
quelle von 1615
bei Lexer
kärnt. wb. 230.
als trockenmasz: anderhalb achteil und ein sechter nüsse.
Elsen von Holczhusen inventar von 1410
im Frankf. archiv, maldrum, sechter oder gelten.
vocab. von 1437—1438
bei Lexer
kärnth. wb. 230,
einem viertel
gleichgesetzt: darauf soll sie (
eine jungfrau aus Friedberg in der Wetterau) geantwurt haben: 'ja, gnedigster herr, es hat seer gestoben, ich glaub, wol ein sechter (ist ein mess, so man bei uns ain fiertel mocht nennen) mit drecks bei mir habe.
Zimm. chron.2 2, 133, 38.
in Franken (
und am Niederrhein)
nach Campe,
der das wort als n. bezeichnet (
darnach wol bei Weigand
2 2, 676
auszer als m. auch als n. angeführt)
malter, nach Schm.
2 2, 219
malter, in Oberhessen als getreidemasz der vierte theil einer meste, in der grafschaft Hanau als getreide- und deshalb auch als ackermasz; ein schwarzenfelsischer sechter
ist der vierte theil eines morgens Vilmar 380,
auch in der form sefter (
vgl. nd. kracht
für kraft): oich ir mesten, seffter unde moltir masz besehin.
quelle ebenda. 22)
als bezeichnung von gefäszen, ahd.? sehtr,
situla (
in glossen des 9.—12.
jahrh.) Schm.
2 2, 219,
mhd. sehter, sechter,
capedo, capita vel cavum. quelle vom anfang des 14.
jahrh. bei Dief.-Wülcker 851,
vielleicht so in der folgenden auf die geburt Christi bezüglichen stelle: einʒ brâhte zwei durch eine unt mit der drîe driu in ein. unt eineʒ umb die alle, aldâ sô lît jâ unde nein. daʒ was et aller wunder sprinc: der sehter eine (
einheil?) wart aldâ zezart. Frauenlob 236, 6.
[] östr. sechter,
ein kupfernes kleines gefäsz zum auffüllen des weins oder öls. Jacobsson 7, 314
b,
auch für andere gefäsze: eimer Klein 2, 151, sechter, söchter,
m., sechterl,
n. waschgelte, schöpfgelte, ein kleines rundes hölzernes gefäsz mit kurzem stiel Höfer 3, 132, söchta,
hölzernes gefäsz um wasser zu schöpfen Castelli 256, sechter,
schöpflöffel Hügel 148
a,
am Ober-Lech, an der Eisack, im Pusterthal ein böttchergefäsz mit einer handhabe, schöpfgeschirr, melkgefäsz, melksechter Schm.
2 2, 219. Schöpf 664,
am Unter - Lech ein böttchergefäsz mit zwei handhaben Schm.
a. a. o., kärnt. ein kleines hölzernes gefäsz, beim melken, wasser schöpfen
u. dgl. gebraucht Lexer
kärnt. wb. 230, sechta,
in der Heanzenmundart ein hölzernes gefäsz Frommanns
zeitschrift 9, 344: so nympt die peyrinn ain aichenlaub, und steckht enmitten ain nadel darin und legt enmitten in den sechter.
quelle bei Schöpf 664; schwaigrin, bring du den sechta her. Pröhle
volksl. 97 (
nr. 62, 4).
bildlich: mit'n sechter essen,
viel essen Lexer
kärnt. wb. 230. zudelsechter
verächtlich für nachttopf. ebenda; auch das simplex sechter
erscheint in diesem sinne Schöpf 664 (
Nauders).
vgl.: dannoht hat er weder seihter, noch die kübel, zistel, reyttern, das gevelt im alles übel! Hätzlerin 1, 35, 19. 33)
das wort wird gewöhnlich als nebenform zu dem aus dem lat. sextarius, rom. sestar
entlehnten sechster, sester (
s. diese)
aufgefaszt. Lexer
mhd. handwb. 2, 852. Weigand
4 2, 676.
es müszte dann s
ausgefallen sein wie in der alten nebenform zu sechste : sehte (
s. das erstere).
in dem unter 2
angeführten gebrauch kann eine beziehung zu sechten
gefunden werden. es bleibt zu erwägen, ob nicht das wort eigentlich etymologisch zu diesem verb gehört oder beeinflussung dadurch erfahren hat, oder zwei verschiedene gleichlautende bildungen anzunehmen sind.