schlucht,
schluchte,
schlüchte,
f. 11) schlucht,
schmale tiefe zwischen bergen, felsen, durch das wasser gerissene höhlung von einiger länge und tiefe; schlucht
steht für älteres schluft (
s. dieses, über den lautwandel vergl. Wilmanns
gr. 1, § 98); schlucht
dringt erst in neuerer zeit in die schriftsprache ein, Frisch 2, 202
a verzeichnet es als schluchte
und belegt es aus Melzers
Schneeberger chron. (1716);
ebenso hat noch Adelung
die form schluchte;
er erkennt es noch nicht als schriftgemäsz an, es werde '
im gemeinen leben vieler gegenden'
gebraucht. Campe
hat schlucht,
plur. schluchten.
neben dieser gewöhnlichen form des plurals findet sich auch, obschon selten, schlüchte (
wie schlüfte
zu schluft): reitet die schlücht' und schründ hindurch. Kosegarten
rhapsodien 3, 108 (1801); dasz der sang durch die schlüchte zog. Gaudy
erz. 136,
s. auch unter 5.
als landschaftliche nebenform zu schluchte
wird bezeugt schlüchte,
plur. schlüchten Meyer
sächs. Schweiz (1891) 183;
s. auch schluchter,
f. 1@aa)
gewöhnlich in der bedeutung '
kleines, enges thal, vom wasser eingerissene höhlung'
u. ä. schluchten,
loci devexi et concavi Agricola
bergwerkb. (1621)
register; in das Wallisthal gehen .. sehr viele schluchten des benachbarten gebirges aus. Göthe 16, 274; auf den gebahntesten wegen steigt man eine schlucht herauf, die das wasser nach dem Inn zusendet, eine schlucht, die den augen unzählige abwechselungen bietet. 27, 17; wo ich mich einsam fühlte, in tiefe wilde schluchten sah. Bettina
briefe 1, 285; durch die dunkeln wälder brausen, durch die dunkeln schluchten heulen. Ludwig 1, 18 (1891).
freier wie kluft,
von räumen, die ins unterirdische sich erstrecken: in der gebirge schlucht taucht sich der bergmann hinab. Schiller 11, 87;
in ähnlichem sinne: der ihn (
Dante) führt' an treuer hand durch der hölle tiefste schluchten, wo sein irdscher schmerz verstummte bei dem anblick der verfluchten. Uhland
ged. (1864) 279; nun durch seine (
des weltalls) schluchten keuchen, durch die tiefen adern pochen. Ludwig 1, 16. 1@bb)
besondere übertragung: in Siebenbürgen bezeichnet man mit schlucht,
f. eine falltreppe, die vom zimmer in den keller hinunter führt. Kramer
Bistritzer dialect 118; schlôcht Haltrich
plan zu vorarb. f. ein siebenb.-sächs. idiot. 88. 22)
österreich. die schlucht,
graben, kanal zur ableitung des wassers aus wiesen oder feldern, dann auch pfütze, tiefe grube Höfer 3, 97: daʒ ir ein teil verrunnen wær in einer tiefen waʒʒersluoht.
Seifried Helbl. 2, 1361 (
die handschrift waʒʒersluht : nuht).
vielleicht identisch mit diesem worte ist bair. schluett (
mit verstummen der gutturalen spirans),
pfütze, lache Schm. 2, 539;
kärnt. schluote, schluot'n,
höhle, schlucht; rinne, kleine wasserauskehre Lexer 221.
die etymologischen beziehungen des wortes sind dunkel; s. schluchter 1
und schlotte 5. 33)
oberd. als schimpfwort für eine schmutzige, träge weibsperson, wol übertragung aus 2: schlucht, schlutt Schmid 468; die schlucht, die schlüchten,
unreinliche faule person Schm. 2, 504, schluett
im gleichen sinne 2, 539; die dreizehent sey ein schlucht.
fastn. sp. 1160; mein liebe schlucht, ist's aber war (
zur magd)? H. Sachs
fastn. sp. 1, 43, 178
neudruck; so wehr dich mein, du faule schlucht. 2, 103, 294;
in umgelauteter form: bist du aber ein starcke schlücht und hast dich überal betrücht. H. Folz
klopfan (
Weim. jahrb. 2, 118); ich sprach, ich wolt die schlüchten straffen. H. Sachs 1 (1558), 509
c. 44)
landschaftlich: schlucht, schluacht,
f., abgehauener, dicker ast Schöpf 624, schluachta (
so ist zu lesen statt schlunchta) Frommann 3, 319 (
Tirol), schluecht, schluechta,
f., dicker baumast, armaschluecht,
schulterblatt Tobler 391
a. 27
a,
vgl. Schmid 468;
kann das wort als ablautende bildung zu schlagen
aufgefaszt werden? im nd. finden sich bildungen, die vielleicht heranzuziehen sind: sluchter,
die wilden schöszlinge eines baumes Schiller-Lübben 4, 251
a.
dieses wort wird mit seinen verwandten bei ten Doornkaat Koolman 3, 209
b ff. auf das alte verbum sliofan
zurückgeführt, diese erklärung versagt aber bei den angeführten oberd. wörtern; slüchtern,
die dürren zweige der bäume abhauen, s. unten schluchtern, schlüchtern; schlôt
ast (
rheinfränkisch) Frommann 5, 520, 2; schlucht
bezeichnet auch das geschosz an nelken und anderen blumen Schmid 468. Nemnich. 55)
höhlung der hosenbeine (?): die hosen über seine schlafmütze gezogen, so dasz die schlüchte ihm zu beiden seiten des kopfes herunter hingen. (
Chamfort)
maximen, characterz. u. anecdoten 2 (1797), 44.