schlote,
schlotte,
f. pflanzenname schwankender form und bedeutung; schilfrohr, mhd. slâte
mhd. wb. 2, 2, 392
a; die schlôten, schlotten,
schilfrohr (
Oberpfalz, Franken) Schm. 2, 538; in den weihern sollen die schlotten, ehe der same ausfällt, mit der grundsense unter dem wasser abgemäht werden.
quelle ebenda; schlôte (
Nürnberg) Frommann
zeitschr. 2, 432, 114; schlote, schloten, ein wassergewächs ..., woran die mooskolben,
typhae, über sich steigen. Frisch 2, 201
c. Nemnich
unter typha, vgl. oben schlatten; wasserschlutten,
equisetum limosum (
schachtelhalm) Pritzel-Jessen, schlatig,
n. schilfrohr Spiesz 215.
besonders bezeichnet schlotte, schlutte
die zwiebel, entweder das röhrenartig geformte blatt, den schlauchartigen stengel, oder die ganze pflanze. scirta, die schlot,
scil. der zwibel Alberus. schlott,
f., tunica cepae, folium porraceum Schottel 1402; ie kleiner schlotten, ie stärkere zwiebeln,
caulibus succisis, vel fractis crassescunt capita Stieler 1859; schlotten, sagen einige vom hohlen kraut der zwiefel Frisch 2, 201
c, schlutten,
zwiebelstengel Nemnich;
wetterauisch schlotte, schlott',
f., am Main die schlutt Weigand
4 2, 595,
hessisch schlotte, schlutte Vilmar 357, Pfister 255, schlotte
im fränk.-henneb. Spiesz 217,
vgl. Frommanns
zeitschr. 2, 392, 43. Pritzel-Jessen
unter allium ascalonicum; schlutten, zwiebelstängel Schmid 469.
die herbstzeitlosen (
colchicum autumnale)
heiszen in verschiedenen gegenden kuhschlotten Pritzel-Jessen
unter colch. aut. Frommanns
zeitschr. 2, 392, 43 (
Mittelfr). Hertel
Salzunger wb. 40.
ferner dient schlotte, schlutte
zur bezeichnung der judenkirsche (
physalis alkekengi), schlutte, rothschlütte Pritzel-Jessen, schlutten, oder boberellen,
halicacabus Dasypodius (
vgl. schlotter 8).
alt ist offenbar mhd. slâte,
schilfrohr, mundartlich als schlôte
erhalten; ob es zu mhd. slât,
nhd. schlot
in beziehung steht, ist unklar: man hat vermutet, dasz der begriff des röhrenartigen, schlauchförmigen beide wörter verbinde. bei schlotte,
zwiebelkraut zwingt schon die gleiches bedeutende form schalotte (
s. oben 8,
sp. 2099)
eine entstellung aus (
allium)
ascalonicum anzunehmen, wie auch Frisch 2, 201
c vermutet hat. sicherlich hat dem sprachgefühle des volkes bei diesem schlotte, schlutte
auch die vorstellung des schlauchförmigen, röhrenartigen vorgeschwebt, das beweist die in einigen gegenden stattfindende übertragung: im niederhessischen bezeichnet man mit schlutte
lange krughälse und nennt solche gefäsze bierschlutten Pfister 255; fett-, essigschlutte Vilmar 358 (
vgl.schlotterkrug).
fränk. gilt schlotte
auch für einen schlanken menschen Frommanns
zeitschr. 2, 392, 43,
vgl. schlüttig,
schlank (
aus Koburg).
von der zwiebel aus gieng das wort leicht auf ähnliche gewächse, wie die herbstzeitlose über; warum die judenkirsche mit schlutte
angesprochen wird, ist dunkel; eine ihr nahestehende pflanze (
nicandra)
heiszt bei Oken 3, 982 zierschlutte.