schlaunen,
verb. von statten gehen, eilen. ein wort, das hauptsächlich dem bair.-österr. sprachgebiete eigen ist. mhd. sliunen, slûnen Lexer
handwb. 2, 984,
vgl. schleunig.
neben der n-
bildung liegt eine ableitung mit m:
mhd. sliume
und sliune, slûne
eilig 983;
das l
dieser formen ist durch dissimilation aus älterem n
hervorgegangen, das im ahd. noch vorhanden ist: sniumi,
celer, vafer, velox; sniumo,
velociter, cito, continuo, statim, subito; sniumî,
f. pernicitas, provectus; sniumitha,
efficacio, velocitas; sniumôn,
properare, festinare Graff 6, 847
f.; doch daneben schon hier sliumo, sliemo,
protinus, velociter, cito ebenda; vgl. ferner mnl. snieme
schleunig, sniemen (
Rein. 3378, 5226);
ags. snéome, sníome
schnell, plötzlich Bosworth-Toller 891
b;
goth. sniumundo
eilends, sniumjan
eilen; altn. snemma, snimma
bald, früh Fritzner
2 3, 457.
das zu grunde liegende verb liegt vor in goth. sniwan
eilen, gehen, kommen; ags. snéowan
eilen. es entspricht einem indogerman. snévô,
vgl. sanskr. snuté
triefen; griech. νέϜω flieszen Fick
4 1, 150. 575.
mhd. könnte man entsniuwen
und snöuwen
hierher ziehen, doch ohne sicherheit, vgl. Lexer
handwb. 1, 589. 2, 1040. 1043.
sonst ist die form mit l
im mhd. nhd. ausschlieszlich herrschend. schlaunen
ist im älteren nhd. (
bis ins 17.
jahrh.)
ganz gewöhnlich, seitdem nur noch mundartlich. von den wörterbüchern verzeichnet es nur Stieler (
s. u.)
und Campe
als landschaftlich. die m-
ableitung noch in kärntn. schläumen
neben schlaunen Lexer 219.
umlaut ist sonst selten: schleinen
Frommann 3, 99. Schöpf 618
scheidet schlaunen
von statten gehen, gedeihen, und schläunen
sich beeilen. schlaunen
flectiert schwach und wird mit haben
construiert. 11)
selten mit persönlichem subject, beschleunigen, beeilen: sparn guot, des slûnet!
Seifr. Helb. 15, 412;
auch in neuern mundarten nur vereinzelt: tirol. sich schläunen, g'schläunen (
mit umlaut, vergl. oben),
sich beeilen, rasch vorwärts machen; ich will das werk beschlein; du thu di dafür gschleinan. Schöpf 618; schleinen
eilen Frommann 3, 99;
im Lesachthale si' schläumen
und schlaunen,
sich beeilen, eifrig sein. 6, 202;
ebenso kärntn. Lexer 219;
imp. schlaun dich!
eile dich. Schm. 2, 525. Castelli 244;
auch schlaun wol!
leb wol. Lexer
a. a. o. Frommann 6, 202,
vgl. auch da schluint se glich drzu. 3, 283, 111
und dazu s. 288 (
Salzungen). 22)
sonst mit sächlichem subject: schlaunen,
succedere, accidere, cadere Stieler 1089,
vgl. 1815. 2@aa) die arbeit schlaunt,
geht von statten, gelingt u. ähnl. zu Boner 77, 14: und wan der irdîn (
hafen) lîchter was, des weges gelang im deste baʒ
führt das mhd. wb. 2, 2, 408
a die variante an: im slûnt des weges deste baʒ; er hiet in gerne ûf brâht, nû enslûnte im sîn niht. Ottokar
reimchron. 11282; wer auf einem waichen mösz wil stelzen .. der arbeit keine slaunt im nimer wol. K. Euling
priameln 23, 8; wie süsziglich hat sich bey disen leuthen die glück-mülch anfänglich angelassen! wie wol hat ihnen ihr anfang geschlaunet.
quelle bei Schm. 2, 525; daselbst woldt man die schöne Veronica gedödt haben, do das aber nicht möcht geschlaun, do ward sy in einer potungen im wasser ertränkt.
ebenda; wenn sie auff den jagten gewesen, und gefragt werden, wie es geschlaunet. C. Spangenberg
jagteufel (1560) J 3
b; wer feulicht angreifft, und lesset es dahin hengen, dem schlaunet die arbeit nicht. Mathesius
post. 2, 201
a; das soll ihm aber nicht schlaunen. Gey
Harzmärchenb. 13; der handel hat geschlaunt. Pröhle
märchen f. d. jug. 175.
so in neuern mundarten, besonders in Baiern: die sache schlaunet nicht,
es will mit ihr nicht vorwärts; es schlaunet nicht,
schafft nichts, fleckt nicht. Campe,
vergl. Schm. 2, 525. Höfer 3, 92
f. Schöpf 618. Weinhold 84
a; dir schlaund d' aarwad rechd. Castelli 244;
nordböhm. schlaunẽ, schleunẽ,
wol von statten gehen. Frommann 2, 237. 2@bb)
daher auch als frage bei der begrüszung: wie schlaunts, schleints, schleimts?
wie gehts. Frommann
a. a. o. Schm. 2, 525. Lexer 219; wie schlaunts? Frommann 6, 202;
auch schles. wie schlaunts'n denn dohinigte?
wie geht es ihnen hier? Weinhold 84
a; wie schlaunt es?
quomodo succedunt res tuae? num vales? es schlaunt ja noch so dahin,
mediocri fortuna utor. Stieler 1089; es schlaunt noch wol,
res prospere succedunt, ad voluntatem nostram fluunt; ubel schlaunen,
fortuna adversa, lenta .. uti. 1815; wie stats, wie gats, wie schlaunts herr pfarr, dasz ihr jetzt seid so traurig gar. Opel-Cohn 111, 1. 2@cc)
in andern stellen überwiegt die bedeutung des eilens, ohne dasz eine strenge scheidung durchzuführen wäre; mir schlaunt es,
ich habe es eilig, beeile mich; einem schlaunt es nicht,
er ist träge, saumselig; niederbair. es schlaunt. Frommann 2, 185, 1; die (
kaufleute) tribent soumære, die tragent alsô swære, daʒ in niht wol geslûnen mac. Konr. v. Fuszesbrunnen
kindh. Jes. 1571
Kochend.; nû kande in der bote wol, dâvon slûnt im dester baʒ. Ottokar
reimchr. 34698; daʒ er (
der papst) aber nâch in (
den gefangenen christen) setze, ... und sich über mer wâge, ich wæn, des slûn im trâge. 52628; daʒ rounen daʒ Leviathan het mit Êven getân, daʒ wolt si (
die minne) wider rounen; des begund ir slounen. Gundacher v. Judenburg
s. Frommann 2, 534; sand Peter hêt nur ains (
ein schwert) berait, dâ er den juden mit versnait und slaunt im dâmit nit gar wol. Osw. v. Wolkenstein 26, 151; plOed, ungevâr sind mir die zend, und slaunt mir nit zuo keuen. 112, 2, 8; du faules osz inn allen dingen ... das spinnen will dir gar nicht schlaunen. H. Sachs 1, 511
d. 2@dd)
daher sich schlaunen lassen,
sich beeilen, wo die ältere sprache sich schlaunen
sagen konnte; oberösterr. lasz da ʿschlaũn,
beeile dich. Frommann 1, 290, 5,
vgl. Höfer 3, 93; liesz ym desz wegs zumal wol schlaunen, das er nur bald widerkem.
Tristrant u. Isalde 196, 13; guot vriunt, lâʒ sliunen dir und tuo eʒ, sô du schierste macht. Heinr. v. Freiberg
Trist. 6000; lâ dir balde slounen.
s. Pfeiffer
übungsb. 40, 75; la dir schlauen.
Neithart Fuchs 3425 (Bobertag
narrenb. 273); dargegen ich dir auch verheisz, ich will der kü gar fleissig warten ... sie antwort: wilt dir lassen schlaunen den sommer nausz, so will ichs thon. H. Sachs 2, 4, 118
d; mein Gred, spin fluchs und losz dir schlaunen.
fastn. sp. 1, 125, 51
neudruck; ach liebe, lasz dir schlaunen, und setz ein kraut hinzu.
lied v. einer faulen dieren (16.
jh.). 33)
andere wörter von ähnlicher form, aber abweichender bedeutung begegnen mundartlich. 3@aa)
mansfeld. schlaunen,
aus der schlaube herausbringen, zu schlaune,
fruchthülle, vgl. schlaube. Jecht 94
b. 3@bb)
schweiz. schlöna,
heimlich naschen, näschereien mausen; dazu der schlöner
und schlönig, schläunig. Stalder 2, 325. Tobler 391
a. 3@cc) schlune,
leicht schlummern. Hunziker 224.