schäflein,
n. ,
dimin. zu schaf,
ovicula Stieler 1708,
mhd. schæfelîn, schæflîn, schæfel Lexer
mhd. handwb. 2, 629, schefflin, schäflin, scheffelein Dief. 403
c, schäffle Maaler 345
a. 11)
eigentlich: wan got der herre locket die sêle zuo im, als ein schêfelîn mit eime grüenen loube von einer stat an die andern gelocket wird.
myst. 1, 406, 19; der arme hatte nichts, denn ein einiges kleins scheflin.
2 Sam. 12, 3; die armen schäflein dort oben, wie die am fels hinklimmen, ihr biszchen nahrung zu zwacken. Fr. Müller 3, 356; man vüeret in zem opher sîn alsam ein krankeʒ schæfelî
n. Rudolf v. Ems
Barlaam 73, 36; als erʒ vant, er nam zehant daʒ verlorne schæfelîn und truoc eʒ ûf der ahsel sîn vrœlîche in sîn hûs hin hein. 110, 33 (
nach Luc. 15, 5); dâ diu maget gehiure, diu vil edel hirtin, ir ammen schæfelîn mit ir gespilen huote. Wetzel
heil. Margarete 230; laszt unser schäflein allgemach in flachen haiden grasen! Spee
trutzn. 137, 11
Balke; meine schäflein, meine geiszen, wahrlich, seind betrübnüszvoll. 207, 162; du bist, wie ein schäflein pfleget, frommes herzens, sanftes muts. P. Gerhardt 77, 41
Gödeke; geht lieben schäfflin geht, die stolze sonne brennt zu hefftig! hebt von hier euch ferner! schäfflin rennt. A. Gryphius (1698) 1, 666; (
von leichten wolken) ein aufgehäuftes, flockig löst sich's auf, wie schäflein trippelnd, leicht gekämmt zu hauf. Göthe 3, 106.
in sprichwörtlichen wendungen: es gehen viel geduldige schäflein in einen stall. Wander 4, 75; das schäflein, sein schäflein scheren,
einen guten handel, gewinn machen: jetzt, dachte der jude, ist es zeit, das schäflein zu scheeren. Hebel 2, 136.
von pfaffen, die ihr amt miszbrauchen (
s. unter 2): das sie (
die pfaffen) wie die trewen pastorn gar offt jr schäflin selber schorn. B. Waldis
Esop. 4, 66, 242
Kurz. sein schäflein im trocknen haben Wander 4, 76, ins trockne bringen,
in ähnlichem sinne (
vgl. schäfchen). 22)
bildlich, oft mit bezug auf die auffassung des verhältnisses Christi zu den menschen oder des geistlichen zu seiner gemeinde als das des hirten zur herde: daʒ dîu zeichen, dâ mite dû uns in dem toufe gemerket hâst zuo dînen schæfelînen, an uns iht vergebene getrucket sî, alse an den irren schâfen, diu der wolf verleitet hât von dem hirten, lieber guoter getriuwer hirte, Jêsû Kriste, kaeme dû von himele, dîn irreʒ schâf ze suochene. David v. Augsburg
in Haupts
zeitschr. 9, 53; si (
die pfaffen) sint auch niht werleich, wan si beschirment iriu schæfel niht, weder mit gebet noch mit predig noch mit gaistleichen strâfen. Megenberg 197, 14; sie (
die prediger) zwar solten ihre untergebene schäffelein zur sannftmuth, demuth, und friedfertigkeit ermahnen und anreitzen. Rist
friedejauchz. Teutschl. (1653) 28; ich sehe zwar, dasz ihr offt zur kirchen kommet, und dencket, ihr wollet .. nach angehörter predigt, den armen schäflein Christi etwas mittheilen. Schuppius 275;
[] Peter, miner (
Christi) schaffe dich an nim! ich bevilhe der huote din miniu lieben scheffelin, und bis miner kristenheite pfleger und geleite. W. v. Rheinau 225, 3; die luft, da Christi schäfelein in lauter rosen weiden. P. Gerhardt 99, 69
Gödeke. in beziehung auf die obrigkeit, insofern sie geistliches regiment übt: o oberkeit, thu dein augen auff! ewig ist gar ein langer kauff. thu deine schefflein weiden.
bergreihen 24, 23
neudr. nach Matth. 25, 32
vom jüngsten gericht: der richter der chan schaiden die schêffel von den chitzen. Suchenwirt 42, 155.
mit bezug auf das gleichnis vom verlornen schaf (
Luc. 15, 4—6): ich zweifle nicht daran, sagte Ehrenhold, es werde freude im himmel gewesen seyn, ... als dieses durch ihre eigene mutter verführtes armes schäfelein (
Corinna), widerumb zu der herde Christi ist gebracht worden. Schuppius 492; er kam jetzt zurück und erzählte unserm helden mit fröhlichen geberden, dasz er das verlorne schäflein (
Sophie) gefunden habe. Bode
Thom. Jones 5, 469.
im gegensatz zu wolf, unter anlehnung an Matth. 5, 25: denn wir sind gegen solche listige und unergründliche, wolffische klugheit fur war schlechte, albere scheflin. Luther 8, 7
a. 33)
kleine weisze wolken nennt man schäflein (
vgl. Göthe 3, 106
oben unter 1
und schäfchen). 44)
die samenkätzchen der haselstaude, von den wolligen staubfäden. Schmid 451 (
vgl. schäfchen). 55)
bezeichnung einiger käferarten. Campe
unter schaf.