rumoren,
verb. ,
von rumor
abgeleitet, lärmen, poltern, toben. im späteren mhd. bezeugt, s. Lexer
mhd. handwb. 2, 536,
mundartlich auch rammoren Schmidt 158. 11)
lärmen, geräusch machen. 1@aa)
von dingen: wo er in den spiegelschleifereien, knopfmanufakturen und allen klappernden und rumorenden gewerben wahrhaft schwelgte. Tieck
schriften 4, 11; was dürffen die bomben noch länger rumoren? der stiffter des friedens ist heute gebohren. Chr. Gryphius
poet. wälder 2, 26. 1@bb)
von thieren und menschen, sich geräuschvoll bewegen, poltern, lärmen: kommt er nicht heute frühe vor tag, rumort im stalle und wie ich aufspringe sattelt und zäumt er ihr pferd. Göthe 21, 151; jenes unbestimmte rumoren (
geräuschvolles treiben), in welchem ich mich schon seit geraumer zeit herumtrieb. 26, 352; in der nacht fiel nichts denkwürdiges vor, als dasz er aufwachte und herumhorchte, ob nichts geschwänztes (
keine ratte) rumore. J. Paul
Hesperus 1, 10; wenn man die bursche so rumoren sieht, musz man sie gleich mit einem hieb vom platz heben. Fr. Müller 2, 66; wenn sie drüben nicht früh tag machen, werd' ich sie sauber aus dem schlaf rumoren. 3, 59; was rumort denn drin im kasten? Platen 277. 1@cc)
von geistern und gespenstern, umgehen: dasz alle sorten von geistern sich zeigen und ahndungen, stimmen, geschrei, geheul, dort rumoren und ihr wesen treiben. Tieck
ges. nov. 2, 114; und doch für einen wirth ist es nicht wohlgethan zu zittern, wenn's im haus' rumort und geht und knistert; denn mit gespenstern sind die diebe nah verschwistert. Göthe 7, 77. 1@dd)
bildlich: die idee von einer .. nur durch übernatürlichen einflusz möglichen metamorphose des menschen mag .. schon längst in den köpfen der gläubigen rumort haben Kant 1, 255. 22, 2@aa)
lärm machen, toben, zanken: das sie trinken und rumorn als vom wein.
Sacharja 9, 15; wir sind also geschickt, das wir wol umb einen trunck bier dürffen haddern und rumorn. Luther 4, 81
b; wil ers nicht mit liebe thun, sondern verachten und sich sperren oder rhumoren. 398
a; da seit ir allein schuldig an mit euerm fleischeszen, rumoren, droen, schenden und lestern der geistlichen. H. Sachs
dial. 74, 3
Köhler; aber mit dem fleischeszen, rumorn, pfaffenschenden .. habent ir lutherischen der evangelischen ler selber eine grosze verachtung gemacht. 75, 33; disz rumorn geschach zur nachfolg der geburt Jovis, darbey die rasenden Corybanten auch ein cabirisch unsinnig wesen, jauchtzen, göln, singen, dantzen, getrümmel und gedümmel muszten führen.
Garg. 102
b; gleich den toren, die zancken, schreien und rumoren. H. Sachs
meisterl. 83, 52
Gödeke; wenn jr wolt poldern und rhomorn.
fastn. sp. 1, 56, 55
neudruck; ey, wie hat der alt ein rumorn! 80, 338; dieweil ich thu also rumorn, so möchts gleich wol die zornsucht sein. 2, 57, 234; so offt sie thut rumorn mit einem so wütigen zorn. 3, 11, 303; wenn du züernest, so solt ich schweigen und nicht widerpellent rumorn. 6, 12, 339; wer thüet euch? was thüet ir rümorn? 144, 245; ach gott wie mügt jr leiden das, ewer kind so unverschampt also rumoren allesampt. Wickram
irr. reit. bilger 43
a.
so jetzt noch in gewöhnlicher rede und mundartlich Spiesz 199. 2@bb)
so auch von thätlichem zank und streit: rumoren, ramorn
raufhändel, tumulte anfangen. Schm. 2, 98; das er (
Christus) ist hingangen, und die fahne genomen, als ein siegender helt, und damit die thor auffgestossen, und unter den teufeln rumort, das hie einer zum fenster, dort zum loch hinausgefallen ist. Luther 6, 78
a.
so auch, zank anstiften, die ursache zum streit sein: also sehen wir, wie er (
Christus) von anfang der christenheit, bisher in der welt rumort, land und leute unter das evangelium geworffen, und alle, die sich dawider gesetzt haben, gestürtzt und umbgekert hat. 6, 238
a; wahrheit hat allzeit rumort, falsche lerer haben allzeit, friede und friede gesagt. 1, 402
a. 2@cc)
von tumulten und volksaufläufen: usz dem wonderzaichen ward das volk rumoren und stuond in angstlichem zwyfel, was das bedütet. Steinhöwel
Äsop s. 62
Österley; dat de ganze strat in rumornt kam,
s. nd. korrespondenzbl. 10, 40. 2@dd)
übertragen, rumoren, aufsehen erregen: im Weimarischen publico rumoren die Horen gewaltig. Göthe
an Schiller 57; bei seiner zurückkunft von Dessau, sagte er, hätten sie (
die xenien) schon sehr in Leipzig rumort. Schiller
an Göthe 224. 33)
vereinzelte bedeutung: stehlen. Stalder 2, 291.