Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
rozzên
1,570,6 (1. Hälfte des 12. Jh.s, bair.); 2,626,64
(wohl 11. Jh., bair.): ‚verwesen, verfaulen, sich
zersetzen, rosten; aeruginare, corrumpi, putre-
factionem fieri‘ 〈Var.: -z-; -en〉. – Mhd. rozzen,
rœzen, rôzen sw.v. ‚welk/bleich/faul werden‘.
Das nhd. Verb mit unverschobener Geminate
(v. a. in der präfigierten Form [ver-]rotten sw.v.
‚[ver-]faulen, verwesen, kaputt gehen‘) ist aus
dem Ndd. in die Standardsprache übernommen
worden. – Daneben wird nhd. dial. auch noch
die verschobene Var. fortgesetzt, allerdings in
Verben, die aufgrund ihrere Bed. wohl urspr.
jedenfalls in Klasse I der sw. V. gehörten; vgl.
schweiz. rossen, rôzen ‚Hanf, Flachs einwei-
chen, rösten, zum Mürbemachen dem Wetter
ausgesetzt sein, urinieren (von Kleinkindern)‘,
els. rözen ‚Hanf der Witterung aussetzen, um
ihn mürbe zu machen, Hafer auf dem Stängel
der Witterung aussetzen, um ihn leichter dre-
schen zu können‘, bad. rößen ‚Hanf wässern‘,
rozen, rözen ‚Hanf wässern oder ausbreiten, um
ihn mürbe zu machen, urinieren‘, schwäb. ros-
sen ‚(Flachs) mürbe werden lassen‘, pfälz. rozen
‚Hanf, Flachs ausbreiten oder einweichen, um
ihn mürbe zu machen, Hafer ausbreiten, um ihn
mürbe zu machen‘, rhein. rossen ‚Flachs ein-
weichen, regnen‘, südhess. roßen ‚Flachs aus-
breiten, um ihn mürbe zu machen‘.