partéke,
partéken,
f. n. ein von Luther
in die schriftsprache eingeführtes und im 16.
und 17.
jahrh. von protestanten (
auch in Oberdeutschland)
oft gebrauchtes wort, das aber, wie sich aus partekenfresser
ergibt, schon im 15.
jahrh. üblich gewesen ist. es ist wohl nichts anderes als das von part
gebildete niederdeutsche deminutiv párteke (
s. 2), párteken
mit versetzter betonung und mit anlehnung an den bettelruf partem (
s. unten);
keinesfalls ist es eine umstellung von lat. practica,
wie H. Rückert (
zeitschr. f. deutsche phil. 3, 178),
auch keine entlehnung aus mlat. particum (
das Du Cange 3, 1, 121
einmal als nebenform von partitum
verzeichnet),
wie Frommann
bei Schm.
2 1, 406
annimmt, da hier wie dort eine verwechslung mit partiken, partiten
vorliegt. Roth im
dict. (1571) M 1
b hat vielleicht an griech. παραθήκη,
jedenfalls aber an griech.-lat. theca
gedacht, wenn er erklärt 'parteckn, ein stuck brot oder dergleichen, damit sich die armen schuoler behelfen, hiesz aber vil mehr der sack, ort, dahin die stuck brot gelegt werden (
vgl.partekensack)'. Stieler 1414
leitet es mit partikel
vom lat. particula
ab und verzeichnet neben partek
ein hochd. deminutiv parteklein
mit der mundartlichen entstellung parlenk
und perlenk.
die schwäb. mundart kennt auch ein einfaches parten
m., '
die für arme schüler des gymnasiums in Ulm wöchentlich gesammelte gabe, die sonst mit dem ausruf partem!
geheischt wurde'. Schmid 42,
und in Ravensburg hieszen die chorknaben partemsknaben (Birlinger
wb. zum volksth. 16),
wozu partemsinger (= partekensinger)
stimmt in Fischarts
Garg. 26
b. 11)
die ursprüngliche bedeutung '
kleiner theil, stückchen'
ergibt sich noch aus folgenden stellen: die christenheit ist zusammengelesen aus jüden und heiden, ist zu Christo komen gar mit einander, aber die synagoga hat nur ein stück und parteken, ein geringe kleinod davon. Luther 4, 135
b; gerade als wenn dir einer dein haus oder kasten aufbreche und neme was er fünde, und wolt darnach sagen, er wolte eine parteken davon zum almosen geben (
sich schon berührend mit 2). 5, 417
a. 22)
im engeren sinne eine schnitte brot, nupagundium, nd. en parteke Dief. 385
b,
besonders das stückchen brot oder almosen, das sich die herumziehenden kurrendschüler und bachanten (
mit [] dem rufe partem (
s. oben)
oder panem propter deum (
s.partekenhengst)
vor den thüren erbettelt und ersungen haben, dann überhaupt ein almosen, eine gabe, portio, ein portion,
vulgo parteca (
gleich darauf almus,
almosen). Trochus T 2
a. 2@aa)
im singular: was ist das für lieb, wenn ir einem ein parteken gebt, und sehet einen bruder irren und unterweist in nicht? Luther 2, 464
a; was hettestu mehr ... denn ein bettler für der thür an seiner parteken? 5, 424
b; gleich als wenn mir einer wölt 10000 gülden geben, und ein ander stünde und hette eine partecke in der hand .. und beut uns gott an mehr denn 10000 gülden, der satan aber nur eine partecke, da es anders eine partecke mag genannt werden.
tischr. 81
b. 85
a; sehen eine arme partecke und bettelstück
an. 192
b; schiesz im unterweilen ein partecken zu, das er bei uns bleiben möge. Alberus
widder Jörg Witzeln mammel. M 8
a; so will ich euch und ewren orden mit einer gaben wol bedenken und euch ein gut parteken schenken. Dedekind
papista 2, 4; mancher will einen mit einer partecken erkauffen und ein ewigen gefangenen damit zu haben zu diensten, wenn er ein trunk wasser oder ein rind brot gibt, so wolt er ein fuder wein oder zehen malter korn dagegen nehmen. Lehmann 908, 10. 2@bb)
im plur.: umb partecken singen. Luther 3, 298
a; nach partecken lauffen.
tischr. 353
a; die brot und partecken in sack stecken. J. Jonas
bei Luther 6, 469
b; bachanten, die all ir jugent partecken geschossen (
in den sack geschoben). Frank
sprichw. 1, 160
b; wan die idioten nicht haben gelert und ir jugent mit faulkeit und partecken schieszen haben hinbracht.
kriegb. d. fr. 201; laszt ihn (
schüler) nach partegen (
so) gon. Schade
sat. 2, 141, 5; ich (
bachant) hab vil partecken ersungen. H. Sachs 4, 3, 3
b; lauf auch herumb nach den partecken die gantz stat ausz all winkel und ecken. 4, 3, 4
a; o hettstu fleiszig zugsehn .. dörfst jetzund nit partecken lesen (
almosen sammeln). Waldis
Es. 4, 47, 23; als ich von acht jahrn war ein kindt, mir viel partecken worden sind. E. Alberus 83; ich musz ein armer pauper sein, ersingen die partecken mein. Ayrer 3318, 30; die schul alhie wil mir nicht schmecken, die partecken wöllen mich nicht klecken. 3322, 10; die predicanten werden von den alten partecken (an zins und decem) erhalten. Ringwald
laut. warh. 324
überschrift); sie hieng ein alte lederne täsch an den halsz, als ob sie die partecken darin wolt sammlen.
buch der liebe 206, 1; armensteuern, parteken Stieler 1286. —
in bildlicher verwendung: superstition, abgötterei und heuchelei gibt geldes gnug; die wahrheit aber gehet nach parteken. Luther
tischr. 1, 55; (
wenn doctor Martinus nicht so gute episteln schreiben kann oder so predigen wie S. Augustinus) so ists im ehrlich, das er das buch aufthut und bettelt eine parteken aus S. Paulo oder aus S. Augustino und prediget inen nach.
werke 6, 142
a.
Besonders häufig gebraucht es Luther
für das zeitliche und vergängliche gut: aus dem sihest du, das wir hie nicht umb eine parteken oder zeitlich vergenglich gut bitten. 4, 417
a; das ist ja ein grosze .. herrliche verheiszung, das wir sollen dafür, das wir hie gern arm sein und zeitlich gut nicht achten, ein schön herrlich gros ewig gut im himel haben, und da du hie ein kleine parteken faren lassest .., soltu dagegen eine kron erlangen, das du ein bürger und herr im himel seiest. 5, 350
a; was wollen wir denn mit der törichten sorge uns plagen für die geringen parteken? 421
b; gegen welchem (
Christus) die welt nichts ist noch vermag und an alle irem königreich und furstenthum nichts hat denn eitel parteken, die sie doch mus hinder sich lassen. 6, 241
b; reichthum, ehre, gewalt, glücke
etc., welchs für gotte schlechte geringe vergengliche parteken sind. 8, 167
b.