Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Novelle f.
Novelle f.
Novelle f. gestraffte Prosaerzählung über eine aus dem Üblichen herausfallende Begebenheit (18. Jh., Lessing, durch Wieland und Goethe verbreitet), zuvor ‘Neuigkeit, Bericht über eine neue, besondere Begebenheit’ (17. Jh., für neue Zeitung), ‘neue Erzählung’ (16. Jh. Nouella, für neue Mär, Historie), Übernahme von ital. novella ‘kurze Erzählung’ (13. Jh., dann besonders bei Boccaccio, 14. Jh.), im Dt. daher zuerst in Übersetzungen des Decamerone (daz ist cento nouelle, 15. Jh.). Es handelt sich dabei um das substantivierte Fem. von ital. novello ‘neu’ (aus lat. novellus, Deminutivum von lat. novus ‘neu, jung’). Der rechtssprachliche Gebrauch im Sinne von ‘Gesetz, das ein älteres ergänzt oder teilweise ändert, Nachtrag’ (Anfang 18. Jh.) geht unmittelbar auf das Lat. zurück, und zwar auf die Fügung spätlat. novellae (cōnstitūtiōnes), wie die nach dem Codex Theodosianus und nach dem Codex Iustinianus herausgegebenen Gesetze bezeichnet werden. Der literaturwissenschaftliche Begriff entwickelt sich im 18. Jh. unter Einfluß von (ebenfalls aus dem Ital. stammendem) frz. nouvelle.