mitempfinden Jenseits zeitgenössischer Diskussionen üb ‘Empfindsamkeit’ u ‘Empfindelei’1) u seiner Distanzierung von der ‘Empfindsamkeitskrankheit’ (sd) ist M. bei Goethe (überwiegend nach 1800 belegt) meist positiv konnotiert als (fein entwickelte) Fähigkeit der (freundschaftlichen) Teilnahme an Vorstellungen u Gefühlen anderer; in wenigen ‘empfindsamen’ Bekenntnissen (bis zum ‘Werther’) erscheint M. noch als sympathetische Identifikation u gefühlsgeleitetes Urteilsvermögen (2d); seit den 80er Jahren mehrf in krit Abhebung des M-s als differenziert-kultivierter ästhet Rezeption von aufkommenden eskapistischen u solipsistischen Tendenzen (2b) 1
zusätzlich sinnlich wahrnehmen, körperlich spüren Lichtenberg..sagt in der Vorrede zu Delaval: „Auch scheint es mir..wahrscheinlich, daß unser Organ, um eine Farbe zu empfinden, etwas von allem Licht (weißes) zugleich mit empfinden [mit empfangen GWBN4,256,9 FlH [Lichtenbg]] müsse.” GWBN1,233,20 FlD 584~N5
2,135,12 Fl Plp 2
als Geistes- u Gemütsaktivität, -reaktion a
gedanklich od emotional nachvollziehen; je einmal ‘M. und -denken’, ‘vorempfinden, mit- und nachempfinden’ Wenn ich Ihnen..den Augenblick schildern könnte, in welchem der köstliche Stab [
ein Spazierstock mit altgriechischer Silbermünze als Knopf] zu mir gekommen ist; so würden Sie, die glückliche Wirkung dieses bedeutenden Symbols auf mich m-d, gerne zugestehen daß Sie..mich doppelt zu Ihrem Schuldner gemacht haben GWBB24,12,4 Bröndsted [26.9.13] K vielleicht sind Sie mit den Ihrigen die einzige Person welche
m. kann, wie schwierig die Entschließung sey, wenn man den gesammten Schatz eines operosen Lebens einem Dritten übertragen und sich dessen gewissermaßen entäußern soll GWBB40,235,5 Boisserée 8.1.26 wie einflußreich diese wenigen Monate auf mein Leben gewesen, wird aber der Verständige im Allgemeinen
m. können GWB35,201,17 TuJ 1805 auch bey denselben Prämissen zeigt es schon von einem hohen Grad Zusammenlebens, M-s und Denkens, wenn wir im Urtheil ofters übereinstimmen GWBB29,180,18 Boisserée 21.5.18 B44,308,18 Georg vMecklenbg 3.9.28 B45,168,13 Eichstädt 16.2.29
uö b
ästhet rezipieren, mitvollziehen (bes krit abgehoben von bloß sentimentalen Gemütsregungen); einmal ‘angenehm m.’ Selbst diejenigen, denen die Schwierigkeiten der Sprache [
bei einer ‘Hamlet’-Aufführung in Frankreich] eine Menge Schönheiten nicht mit empfinden ließen, welche der Ausdruck darbietet, hielten sich an die Handlung und empfanden so Vergnügen als Rührung von diesem originalen Drama GWB40,128,21 EnglSchausp Paris In dieser [
Komposition, dem Singspiel ‘Die ungleichen Hausgenossen’] werde ich auch für die Rührung sorgen..wornach das gemeine Publicum so sehr sich sehnt..an diesen Saiten ist leicht klimpern, um höhere Leidenschafften und Geist, Laune, Geschmack mit zu empfinden muß man ihrer auch fähig seyn, sie auch besitzen GWBB7,147,20 Kayser 23.12.85 Wenn von Kunst die Rede war, dachte er [
Wilhelm] nur an's Werk..nicht an die Würkung..deren jeder nur eignen Schmerz und eigne Freude..in den Bildern der Kunst mit- und nachempfindet GWB52,238,1 ThS VI 9 Bringen wir aber der Menge Gegenstände, deren Wirklichkeit ihr ganz nahe lagen, so kann nach unserer neuern Empfindungsweise das Publicum nicht angenehm
m. GWBB26,425 Lawrence 5.4.16 K-Var B43,44,6 Begas [1.9.27]
uö c
mitfühlen, sich einfühlen, empathisch Anteil nehmen; einmal ‘jds Zustand schmerzlich m.’ [
Wilhelm] empfand die Foltern der unglücklichen Anspannung [
Aurelies] mit: sein Gehirn zerrüttete sich, und sein Blut war in einer fieberhaften Bewegung GWB22,129,23 Lj IV 20 was blieb ihm [
Wilhelm], an gegenwärtigem Vergnügen ersättigt, übrig, als seine Geliebte mit in die frohe Zukunft zu reißen, wenn sie, die nun niemals mitzuempfinden schien, auf die lieblichste Fragen: ob er sich Vater glauben dürfe? zugeschlossen und verlegen war GWB51,78,27 ThS I 20 so erleben Sie den gewaltsamen Riß den ich in jedem Sinne mitempfinde, ich mag mir nun Sie einsam..dencken; oder ich mag auf mich zurückkehren und mir in meiner eignen Lage ein so schreckliches Ereigniß immaginiren GWBB19,117,24 Zelter 26.3.06 Sie werden meinen Zustand schmerzlicher
m. wenn ich versichere: daß ich [
mir]..mit der Hoffnung geschmeichelt habe, Sie würden die einsamen..Stunden, die sich manchmal um mich her zu lagern drohen, durch Ihre Gegenwart beleben GWBB40,277,15 C Gfin Egloffstein 31.1.26 49
1,144,10 Philostrat,Nachtr B8,339,14 Voigt 27.1.88 [Korr B18,110]
uö floskelhaft (in Kondolenzschreiben), in rhetor Formeln der Verbundenheit; einmal ‘schmerzlichstes M.’ Ew. Hochwohlgeb. ..zweifeln nicht daß ich den schmerzlichen Verlust mitempfinde, den Sie durch den Tod des Herrn Schwagers erlitten haben GWBB30,44,15 CChHerda 20.3.89 ich darf wohl versichern, daß die Besten unserer Stadt den Unfall, welcher Dieselben betroffen hat, auf's tiefste
m. GWBB47,61,23 Mylius 14.5.30 Auch mir, bey dem schmerzlichsten
M. Ihres Kummers, will es eine Linderung scheinen, wenn ich sogleich erwidernd Gegenwärtiges an Sie abgehen lasse GWBB43,115,9 Rauch 21.10.27 B49,40,5 BergwVerein 17.8.31 K
uö d
gefühlvoll, ‘empfindsam’ sein nach den Normen der verfeinerten Gefühlskultur des 18.Jhs; mBez auf konfluentes Gemeinschaftsgefühl u gerührtes Nacherleben bibl Szenen Ach es [
das Herz] möchte gern gekannt sein, überfließen|In das
M. einer Creatur,|Und vertrauend zwiefach neu genießen|Alles Leid und Freude der Natur GWB1,77 An Lottchen Vs 27 Wenn ich da [
am Brunnen] sizze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie alle die Altväter am Brunnen Bekanntschaft machen..O der muß nie..sich an des Brunnens Kühle gelabt haben, der das nicht mit empfinden kann GWBAA6,30 Werth
1 I Laßt uns denn sehen, ob wir auf eine andere Weise uns vorstellen können, wie es dem Menschen zu Muthe seyn mag, der sich entschließt, die sonst so angenehme Bürde des Lebens abzuwerfen, denn nur in so fern wir mit empfinden, haben wir Ehre von einer Sache zu reden GWBAA55,4 Werth
1 I
Syn GWB
mitfühlen zu 2a
GWB
mitdenken zu 2b
GWB
mitgenießen zu 2c
mitfühlen mitleiden teilnehmen 1) vgl GSauder, Theorie der Empfindsamkeit u des Sturm u Drang, 2003,14-21 Lydia QuaasL.Q.