Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
manisch
manisch
Manie f. ‘Besessenheit, Sucht, krankhafte Leidenschaft’. Lat. mania, griech. manía (μανία) ‘Wut, Raserei, Wahnsinn’, abgeleitet von griech. má͞inesthai (μαίνεσθαι) ‘rasen, wüten, von Sinnen, verzückt sein’ (s. mahnen), führt zu medizin.-lat. Mania ‘Tollwut, Tobsucht’. Daraus eingedeutschtes Manie (16. Jh.) wird dann in dem abgeschwächten Sinne ‘Verlangen, Sucht’ allgemein (2. Hälfte 18. Jh., geläufig 19. Jh.). Im medizinischen Bereich gilt es heute für eine Phase des manisch-depressiven Irreseins. Dazu manisch Adj. ‘tobsüchtig, krankhaft erregt’ (Ende 19. Jh.); vgl. griech. manikós (μανικός) ‘rasend, wütend’. Nach antikem Vorbild, vgl. griech. hydromanía (ύδραμανία) ‘Wassersucht’, bildet Manie auch im Dt. verschiedene Komposita und bezeichnet dabei eine krankhafte oder übersteigerte Sucht bzw. eine übertriebene Schwärmerei. Nymphomanie f. ‘Mannstollheit’ (19. Jh.), medizin.-lat. nymphomania (um 1700), vgl. auch frz. nymphomanie (1. Hälfte 18. Jh.); nymphoman Adj. ‘mannstoll’ (20. Jh.), älter nymphomanisch (19. Jh.); s. Nymphe. Kleptomanie f. ‘zwanghafter Trieb zum Diebstahl ohne Bereicherungsabsicht, Stehlsucht’ (Mitte 19. Jh.), gelehrte Bildung der Psychiatrie zu griech. kléptein (κλέπτειν) ‘stehlen’; Kleptomane m., kleptomanisch Adj. (2. Hälfte 19. Jh.). Pyromanie f. ‘krankhafter Trieb zur Brandstiftung’, gelehrte Bildung (19. Jh.) zu griech. pȳr (πῦρ) ‘Feuer’. Außerhalb der Medizin Anglomanie f. ‘übertriebene Liebe zu allem, was englisch ist, kritiklose Nachahmung alles Englischen’ (2. Hälfte 18. Jh.), vgl. voraufgehendes frz. anglomanie (Mitte 18. Jh.); Anglomane m. (Mitte 19. Jh.); angloman Adj. (Ende 19. Jh.). Bibliomanie f. ‘übertriebene Bücherliebe, Büchersammelwut’ (18. Jh.); Bibliomane m. ‘leidenschaftlicher Büchersammler, Büchernarr’ (um 1800).