Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
liuttrist
‚Menschenhaufen; conditio‘. Das HG des
Determinativkomp. ist nur nhd. mdartl. fort-
gesetzt, alle in der Bed.
‚um eine Stange ge-: schweiz. tristen m./f., schwäb., vorarlb.,
schichteter Heuhaufen, kegelförmiger Hau-
fen‘
kärnt., tirol. triste f., bair. drist, tristen, tri-
schen pl., steir. triste f., selten m., auch über-
tr.
‚dicke Frau‘(Schweiz. Id. 14, 1383 f.;
Stalder, Versuch eines schweiz. Id. 1, 305;
Fischer, Schwäb. Wb. 2, 391; 6, 2 Nachtr.
1615; Jutz, Vorarlberg. Wb. 1, 691; Schmel-
ler, Bayer. Wb.2 1, 571. 676; Lexer, Kärnt.
Wb. 71; Schöpf, Tirol. Id. 91; Schatz, Wb.
d. tirol. Mdaa. 1, 135; Unger-Khull, Steir.
Wortschatz 174). S. liut, -trist. – liutzorahtoAWB
adv., Gl. 1,288,9 (in 2 Hss., beide Anfang
des 9. Jh.s, alem.):
‚offen, öffentlich; publi-. S. liut, zorahto. – liuwaAWB ? f. ō-St., Gl.
ce‘
3,629,3. 631,23 (Hs. 1. Hälfte des 12. Jh.s,
Zeit des Gl.eintrags unbekannt):
‚freier Hof-. Die Bed. des
raum?, Vordach?; impluvium‘
Wortes ist nicht sicher zu bestimmen. Das
Lemma impluvium bezeichnet im klass. Lat.
1405 analiut(t)i – lizS1406
den inneren unbedeckten Raum des cavae-
dium, den mittleren freien Hofraum (vgl.
Georges 1913: 1,106 f.). Wegen mhd. lie, lie-
we st.f.
‚Laube‘ist wohl auch für das ahd.
Wort eine ähnliche Bed. anzunehmen. Auf
der Basis des Mhd. erfolgt der ahd. Ansatz
liuwa mit Diphthong -iu- und nicht liwa (vgl.
Schatz 1927: § 42; E. Meineke, Sprachw 11
[1986], 13–18. bes. 17 f.). Das Wort geht auf
urgerm. *χleu̯u̯ō- zurück (etw. anders Darms
1978: 55. 59 f., der ahd. liwa < urgerm.
*χleu̯i̯ō[n]- annimmt; vgl. auch W. Snyder,
ZDS 26 [1970], 185 f.). – Ahd. Wb. 5, 1225;
Splett, Ahd. Wb. 1, 558. 559. 1018. 1199;
Köbler, Wb. d. ahd. Spr. 733; Schützeichel7
205; Starck-Wells 381. 382; Schützeichel,
Glossenwortschatz 6, 136 f.