leilachen,
leilach,
n. betttuch, leintuch. im ahd. stehen zwei ausdrücke für dasselbe gerät neben einander: lînlahhan
linteamen und lîhlahhan,
der erstere mit betonung des stoffes gebildet, der andere mit betonung der verwendung: es ist das laken, worauf der lîch,
körper, ruht, wie rukkilahhan
den teppich hinter dem rücken, badelahhan
den für das bad, uuandlahhan
den an die wand zu hängenden, disclahhan
den auf dem tische u. s. w. bezeichnet. aus der letzteren form entsteht mit verflüchtigung des h
von lîh
die form lîlahhan,
die im mhd. lîlachen
dauert, wiewol auch lîchlachen
nicht unbezeugt ist: undurft ist in lîhlachen iouh dere badelachen.
Haupts zeitschr. 8, 153, 281;
und noch spät eine erinnerung an diese vollere form in einer frankfurtischen form leigtuch
sich findet, in welcher lachen
durch tuch
ersetzt wurde: item an leigthüchern, tischthücher, handzwehlen.
Frankfurter reform. 6, 3, 13;
neben dem mhd. lîlachen
geht auch als selteneres wort lînlachen,
vergl. unten leinlachen.
jenes lîlachen,
bisweilen auch in der bedeutung eines leinengewebes schlechthin: lintheum lilachen, schifsegel, linituoch Dief.
nov. gloss. 236
b;
setzt sich als leilachen
im nhd. fort: sie stinken als ein jud oder als ein hund und schwitzen und bedörft die frau, das sie im alle tag weisze hemder und leilachen geb. Keisersberg
brösaml. 1, 55
a; da hast ein par leilachen.
Ulensp. s. 117
Lappenb.; den houptpfülwen, leilachen, decken.
s. 118; die leilachen, küssin und deckin, ligt als bei einander auf dem tisch. Pauli
schimpf 69; ein par leilachen zerreiszen. Frey
garteng. 61
b; und wäre das par leilachen auch zerrissen. 62
b; amptleut nehmen die leilachen von eim bett und deckens aufs ander. Lehmann 17; auf das lagerbette (
über die streu) werden die weiszen leilachen und deckbetten geleget.
Comenius sprachenthür von Docemius § 571; dasz sie die leilachen entlehnen müsten.
Simpl. 3, 302
Kurz; ein weidmann fänget (
im schlafe) hasen und findet morgens einen zwischen zwei leilachen.
Simplic. 1684 3, 726;
schweizerisch lîlache Seiler 191
b; flächsigs tuch für hemder und reistenes zu tischlachen und lylachen. J. Gotthelf
Uli d. knecht (1841) 95.
daneben in mehr niederdeutscher form leilaken (
vergl.laken oben sp. 80):
lena lilahken Dief. 323
b; leilaken Adelung. Campe;
mit der sonderbaren fem.-form leilake: den armen Sisterno in der leilacke aus dem bette tragen.
gespenst 165.
Die gekürzte form leilach
findet sich seit dem mhd.: über daʒ bett dâ was geleit, dar ûf diu reine süeʒe saʒ, von samît ein guot materaʒ, dar ob zwei lîlach sîdî
n. Lichtenstein 348, 17;
linteamen lilach, leilach Dief. 332
a;
pannos lineos leilach 410
a; leilach,
lodix, linteamen, leilächele,
lodicula Maaler 270
c; mit denselben worten czucket sy ein leilach herfür bei einem zipfel. Steinhöwel 1487 103
a; bisz der jungling hinder dem leilach ausz der kamer gienge. 103
b; halten auch yr vier ein leilach bei den vier zipfeln. Frank
weltb. 51
a; ir angesicht mit einem schwarzen tuoch oder leilach bedeckt. 136
b; ut mus sub tecto sic calet foemina lecto, die mausz hält sich am besten under dem dach, die fraw under dem leilach. Fischart
groszm. 84; drum bedecken die pfaffen jre altar am charfreitag mit etwas leilachs, und legen zwei andere kleine stücklin leinwats an die ecken des altars.
bienk. 149
b; das h. oel ... darmit man die kranken schmiert, wan sie anfahen nach dem leilach greifen, und im halsz rocheln. 166
b; den kessel auf dem leilach rucken (
name eines spiels).
Garg. 167
b; in desz kompt Malchus, hat ein leilach umb gehület. J. Ayrer 413
d (2079, 9
Keller); habe sie (
die frau) vor ihrem tode bei 14 tagen mit einem leilach umwinden müssen, sonsten hat sie auf keine seiten kommen mö
gen. Schweinichen 3, 252; auf den auszgedörrten madratzen breiteten wir ein leilach.
Laz. de Tormes 76; damals legten sie mich in ein leilach.
Simpl. 1, 110
Kurz; in einem leilach fertiget er (
der tod) die reichsten ab. Butschky
Patm. 990; machte ich mich in die gruft, zog den todten aus, und liesz ihm nichts als ein leinen tuch. indem ich nun aus dem grabe mit vielen kleidern beladen steigen wil, geben mir meine böse gedanken ein: nimm auch das leihlag, denn es ist köstlich. ich unglückseliger kehre wieder um, dasz ich ihm das leihlag hinweg nehmen und ihn also nackend liegen liesze. A. Gryphius 1698 1, 187; dein unterbeth war deine unschuld, dein haupt- und ruheküssen deine beständigkeit, dein leilach deine freudigkeit, und dein oberbette dein unerschrokener muth.
unw. doctor 321; dünne wie ein leilach. Bode
Tristr. Shandy 6, 79; man müszt euch in eim leilach tragen, wann ir ein tag arbeit als ich. H. Sachs 1, 512
a; lasz wachen bruder wer da wacht, hinnacht ist auch ein nacht, das leilach ziecht inn alle macht, ich hör kein han zu nacht.
Garg. 249
a; das leilach rücket dir (betrachte nur disz blut!) die übertretung für, so viel du flecke siehst, so viel sind stumme zeugen. Günther 1046.
plur. die leilacher: o was leulacher, küssen und gölter, wie weisz seind alle die ding gewäschen. Wirsung
Calixstus (1520) J iij
a; auf den hals müste er ihm die leilacher legen, auf den rücken ober- und unterbett, und hinten küss.
fliegenwedel 11; wans etwe ein stückl hauszleinwed zu hemden, hosenfuetter, kotzn und leilachern brauchn thetn. Schwabe
tintenf. 40;
und öfter die leilach: die pet, leilach, truchen und anders.
Zimm. chron. 1, 522, 31; scheiszet nicht ins bett, die leilach möchten zusammenbachen. Fischart
groszm. 38; dise nadelveste ehegefährtin ... macht leilach, bethgewand, tischtücher, teppich, umbheng, schalaunen, decken, ziechen, zwelen, hand und schnaubtüchlein, windeln.
Garg. 74
a; weibspersonen, so zu dem nehen der hembder, leilach, und anderm nehwerk mögen gebraucht werden. Fronsperger
kriegsb. 1, 115
b; do ich mich an das pett gelait, die leilach sich zusamen rumpfen.
fastn. sp. 116, 34; auch alte leilach, die durchdrieben nach dem nachthunger sind gerieben. 375, 5. 792, 29; die siegel (
segel) waren facilet, für leilach gebraucht im wochenbett.
froschmäus. 3, 2, 4 (Vv 5
b).
die heutige schriftsprache hat das wort fast vergessen (
mundartlich ist es in Oberdeutschland theils noch in gebrauch, wie in Baiern, Östreich, theils ausgestorben wie im Hennebergschen Fromm. 2, 212
anm.); J. Paul
schreibt der lailach: dasz der winter nackt ohne den lailach und das westerhemd von schnee auf der erde lag.
Siebenk. 3, 53; H. Heine
braucht die form lailich
im reime: der nebel der das schlachtfeld bedeckt, als wie ein weiszes lailich (: abscheulich). 18, 36; kaufte dir ein gutes lailich, einen sarg, ein grab sogar. die begräbnisfeier freilich etwas kahl und ärmlich war. 45.