Eintrag · Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)
leidsamôn
Ra]) und weiteren Gl., im T, bei O und in
HHö:
‚abscheulich, schrecklich, scheußlich,(mhd. leitlich
verhasst, hassenswert, schändlich, widerwär-
tig, leidvoll; abominatio, deterrimus, detesta-
bilis, exsecrabilis, exosus, horrendus, luteus,
obscoenitas, spurcus‘
‚leid-, frühnhd. leidlich
voll, schmerzlich‘
‚schmerz-; as. lēthlīk
haft, kummervoll‘
‚leidvoll, ver-[Hel], mndd. lēitlīk
1133 leidîg – leidlîhS1134
derblich‘
‚abstoßend, wi-; frühmndl. leetlijc
derlich, bösartig‘
‚schänd-[a. 1236], mndl. leelijc,
lich, schlecht, böse‘
leilijc
‚hässlich, übel, böse‘[mit Assimila-
tion von -tl- > -l-]; afries. lēthelik, lēdelik
‚leidig, schlimm, hässlich, schändlich, belei-; ae. lāđlīc
digend‘
‚leidvoll‘; vgl. aisl. lei-
ðiligr
‚abscheulich‘). Deadj. oder desubst.
Bildung (vgl. Schmid 1998: 291 f. 507 f.
536 f.). S. leid, -lîh. – leidlîchênAWB sw.v. III, in
Gl. seit Anfang des 9. Jh.s und in MH:
‚ver-(frühmndl. leliken
abscheuen, verschmähen, verachten, entwei-
hen; aspernari, aversari, detestari, horrere,
profanare‘
‚übel werden,[a. 1240], mndl. leeliken
böse werden‘
‚ver-). Deadj. Bildung. S. leidlîh. – leidlîchîleid
unstalten‘
lîchîAWB f. īn-St., Gl. 4,122,42 (in 2 Hss., beide
12. Jh.):
‚Widerwärtigkeit; squalor‘. Adj.ab-
straktum. S. leidlîh. – leidlîchoAWB adv., nur bei
O:
‚auf abscheuliche Weise‘(mhd. leidlîche
‚auf leidvolle, schmerzliche, klägliche Wei-, frühnhd. leidlich
se‘
‚auf schmerzvolle Wei-; as. lēthlīko
se‘
‚jammervoll‘[Hel], mndd.
lēitlīk
‚in hässlicher Weise, widerwärtig, un-; frühmndl. leetlike
angenehm‘
‚auf schändli-[a. 1220–1240],
che, verachtenswerte Weise‘
mndl. leelike
‚auf unangenehme, schändliche; ae. lāđlīce
Weise‘
‚auf leidvolle Weise, in; vgl. mhd. leitlîchen; mndd.
übler Weise‘
lēitlīken; mndl. leeliken). S. leidlîh. – leidlustAWB
f. i-St., bei O:
‚Leid, Schmerz‘. Determina-
tivkomp. mit adj. VG und subst. HG. S. leid
adj., lust. – leidnissaAWB f. ō-St., Gl. 1,271,56 (in
2 Hss., beide Anfang des 9. Jh.s, alem.
[-frk.]):
‚Abscheulichkeit, Gräuel‘. S. leid
adj., -nissa. – leidoAWB adv., NBo und wohl Gl.
2,603,64 (3. Viertel des 11. Jh.s, bair.):
‚ver-, leido sîn in zi demo uns leido ist
hasst‘
‚er(Fehlübersetzung bei
ist uns widerwärtig‘
Röhrich 2003: 2, 951:
‚Es tut mir leid!‘) (mhd.
leide in leide tuon
‚jmdm. wehtun‘, leide
troumen
‚böse träumen‘, frühnhd. leid
‚lei-; mndd. lēide
der, bedauerlicherweise‘
‚ängst-; mndl. lede, leide
lich, bang, zuwider‘
‚auf; ae. lāđe
unangenehme Weise‘
‚mit Hass,). S. leid adj. – leidogilîhAWB pron.-adj.
Abscheu‘
(Subst.-Adj.-Verbindung), bei O:
‚jegliches. Zur Bildung vgl. Wilmanns [1906–30]
Leid‘
1967: 2, 371. S. leid subst., gilîh. – leidolîhAWB
pron.-adj., bei O:
‚jegliches Leid‘. Zur Bil-
dung vgl. Wilmanns [1906–30] 1967: 2, 371;
Braune-Reiffenstein 2004: § 300, 1 Anm. 1.
S1135leidlîh 1136
S. leid subst., -lîh. – leidônAWB sw.v. II, im Abr
(1,172,9 [Pa]) und weiteren Gl., MF, NBo,
Nps und Npw:
‚anklagen, verabscheuen,, part.präs. lei-
zurückweisen, verfluchen, betrüben; abomi-
nari, accusare, aversatus esse, deferre, de-
plorare, detestari, exsecrari‘
dônti
‚verhasst; detestandum, perosus‘, (io-
man) anabringan daz er ioman leidôt
‚jmdn., adv.
dahin bringen, dass er jmdn. anzeigt; in
delationem alcis nominis compellere‘
darawidari leidônto
‚Anklage erhebend ge-, leidônto tuon
gen; in modum accusationis‘
‚in eine Anklage umwandeln; in accusa-(mhd., frühnhd. leiden
tionem vertere‘
‚Leid; as.
antun, betrüben, anklagen, denunzieren‘
lēthon
‚verhasst werden‘[Hel], mndd. lēiden
‚schlecht machen, verleumden‘; mndl. leden
‚missfallen‘; ae. lāđian
‚hassen, verhasst ma-). Deadj. Bildung. S. leid adj. – firleidônfirlei
chen‘
dônAWB Gl. 1,727,20 (1. Viertel des 12. Jh.s,
alem.) und NBo:
‚(verleumderisch) ankla-, nur im Part.Prät. firleidôt
gen‘
‚angeklagt;(mhd. verleiden
(accusatio), diffamatus‘
‚anklagen, denunzieren‘, nhd. verleiden
‚die; mndd. vorlēiden
Freude an etw. verderben‘
‚leid sein‘; frühmndl. verleden
‚zuwider[1265–1270], mndl. verleden
sein‘
‚unange-). – leidôrAWB adv. kompar., interj.,
nehm sein‘
O, L, Prs C, BaGB/WeGB, Nps und Npw:
adv.
‚bedauerlicherweise, leider‘, interj.
‚ach!,, leidôr mir
wehe!; pro dolor!‘
‚wehe mir!‘
(mhd., nhd. leider; mndd. lēider
‚schlimmer‘,
tō lēider
‚bedauerlicherweise, leider‘; mndl.
leider
‚leider‘; afries. leider, meist tōleider
‚leider, bedauerlicherweise‘). S. leido. – leidsamleid
samAWB adj., in Gl. seit Ende des 8./Anfang des
9. Jh.s, B, GB, NBo, NMC, Nps und Npw:
‚verhasst, widerwärtig, schändlich, abscheu-, leidsam
lich, verfluchenswert, traurig, leidvoll; abo-
minabilis, abominatus, detestabilis, exosus,
exsecrabilis, exsecrandum, illicitus, indinis-
simus, indignus, infamis, informis, intestabi-
lis, invidiosus, invisus, maestus, nefandus,
non dignus, profanus, sacer, tristis‘
wesan
‚verhasst sein; invisus‘(mhd. leitsam
‚Leid verursachend‘, frühnhd., ält. nhd. leid-
sam
‚leidbringend, schmerzbringend, schreck-; mndd. lēitsam
lich‘
‚beschwerlich‘; mndl.
leetsam, leetsaem
‚beschwerlich, lästig, ge-). Deadj. oder desubst. Bildung (vgl.
hässig‘
Möllmann 1994: 123–142 [zur Wortbildung
insbes. 140–142]). S. leid, -sam. – leidsamîAWB f.
1135 leidlîhS1136
īn-St., in Gl. seit Ende des 8./Anfang des
9. Jh.s, Nps, Npg und Npw:
‚Abscheulich-
keit, Gräuel, Verfluchung, Scheusal; abomi-
natio, anathema, exsecramentum, exsecratio‘
(frühnhd. leidsame f.
‚Leid‘). Adjektivab-
straktum. S. leidsam. – leidsamidaAWB f. ō-St.,
Gl. 1,372,22 (12. Jh., bair.). 23 (in 2 Hss.,
12. Jh., bei 1 Hs. des 12. Jh.s Zeit des
Gl.eintrags unbekannt); 4,260,38 (14. Jh.):
‚Gräuel, Gräueltat; abominatio‘. Deadj. Ab-
leitung mit dem Fortsetzer des Suffixes ur-
germ. *-iþō-. S. leidsam, -ida. – leidsamlîhAWB
adj., nur Gl. in Augsburg 10 (10. Jh., bair.;
vgl. Mayer 1974: 7, 14; Schulte 1993: 62 Nr.
8):
‚verfluchenswert; exsecrabilis‘. Deadj.
Bildung (vgl. Schmid 1998: 292. 514 Anm.
565). S. leidsam, -lîh. – leidsamônAWB sw.v. II,
Gl. 2,70,57 (10. Jh., bair.). 110,37. 44 (Hs.
Mitte des 12. Jh.s, Zeit der Gl.einträge un-
bekannt) und Nps:
‚tadeln, hassen, Abscheu(früh-
empfinden, lästern; abominationem sibi po-
nere, exodi, horrescere, vituperare‘
nhd. leidsamen
‚etw. schädigen, verletzen‘).
Deadj. Ableitung. S. leidsam. – leidsamungaleidsamun
gaAWB f. ō-St., BaGB/WeGB und Npw:
‚Ver-. Denominales Abstraktum. S.
abscheuung‘
leidsam, -unga. – leidsangAWB n. a-St., Gl. 3,
282,11 (in 2 Hss., Mitte des 12. Jh.s und
13./14. Jh.) und Gl. in Basel, B. IX. 31 (2.
Hälfte des 15. Jh.s; vgl. Stricker 1989: 335
Nr. 375), alle SH:
‚Trauergesang, Totenlied;. Determinativkomp. mit adj. VG und
naenia‘
subst. HG. S. leid adj., sang. – leidsêrAWB n.
a-St., nur Npg:
‚Schmerz; dolor‘. Determi-
nativkomp. mit adj. VG und subst. HG. S.
leid adj., sêr subst. – leidtâtAWB f. i-St., NBo:
‚Schandtat, Übeltat; calumnia, supplicium‘
(vgl. as. lēthwerk st.n.
‚Übeltat, Sünde‘; ae.
lāđweorc st.n.
‚übles Werk‘). Determinativ-
komp. mit adj. VG und subst. HG. S. leid
adj., tât. – leidungaAWB f. ō-St., NBo:
‚Ankla-(mhd. lei-
ge, Anschuldigung; criminatio‘
dunge
‚Beleidigung‘, frühnhd. leidung
‚Be-). Verbalabstraktum mit
leidigung, Verletzung‘
dem Fortsetzer des Suff. urgerm. *-unō-. S.
leidôn, -unga. – leiduntAWB f. kons. oder i-St.,
bei O:
‚Schande, Abscheulichkeit‘. Abstrakt-
bildung mit dem Fortsetzer des tiefstufigen
Suffixes urgerm. *-und- < vorurgerm. *-t-
(s. friunt und vgl. Krahe-Meid 1969: 3,
§ 129, 1; Braune-Reiffenstein 2004: § 240
Anm. 1). S. leidôn. – leidwentiAWB n. ja-St., Gl.
S1137leigenbrôt – leigo 1138
in Rom, Vat. lat. 3860 (Hs. 9./10. Jh., Zeit
des Gl.eintrags unbekannt; vgl. H. Thoma,
PBB 85 [Halle, 1963], 231, 61) und NBo:
‚Unglück, Beleidigung; calamitas, calumnia‘
(vgl. mhd. leitwende st.f.
‚Wendung zur Be-). Determinativ-
trübnis, Zufügen von Leid‘
komp. mit adj. VG und subst. HG. S. leid
adj., wenti. – leidwentîgAWB adj., Gl. 4,41,55
(12. Jh.). 133,64 (13. Jh., bair.):
‚unheilvoll;(vgl. ae. lāđwende
calamitosus‘
‚übel, feind-). S. leid adj., wentîg. – leidwentigîleid
lich, bösartig‘
wentigîAWB f. īn-St., Gl. 2,207,29 (10. Jh.,
alem.). 210,49 (1. Viertel des 12. Jh.s, alem.):
‚Unglück, Unheil; calamitas‘. Adjektivab-
straktum. S. leidwentîg. – Ahd. Wb. 5,
757 ff.; Splett, Ahd. Wb. 1, 521. 522 f. 540.
808. 816. 1034. 1132. 1134. 1135; Köbler,
Wb. d. ahd. Spr. 277. 711 f.; Schützeichel7
196; Starck-Wells 366 f.; Schützeichel, Glos-
senwortschatz 6, 25 ff.