künzeln ,
hätscheln, liebkosen, schmeicheln. 11)
die reine form ist küenzeln,
die im md. freilich zu knzeln
wird, z. b. bei Luther. 1@aa)
jenes gibt Maaler
deutlich an, bei dem wie u
und uo,
so ü
und
genau geschieden sind (
letzteres in der anordnung der buchstaben als üe
gerechnet): knzlen, versnen,
demulcere, subblandiri; kindliches knzlen, mit dem man die kinder beredt,
pueriles blanditiae; mit knzlen und fäderläsen einem gält abschwätzen. 255
a.
Noch schweiz. Stalder 2, 144,
bern. chüenzle Fromm. 2, 484
a,
appenz. chüenzla
zärtlich thun, streicheln, chüenzler
schmeichler Tobler 126
b,
auch einem etwas abküenzeln,
etwas erküenzeln Stalder (erchüenzle Usteri 1, 165),
bair. verküenzeln
verzärteln. bair. küenzeln, einem
oder mit einem,
zärtlich thun Schm. 2, 314. 1@bb)
diese doppelte fügung galt schon im 16.
jahrh. 1@b@aα)
mit dat.: nachdem nimt ihn sein mütterlein, und fängt ihm an zu künzeln fein. Schmeller 2, 314
aus einer übers. der wolken des Aristoph.; Cybele umbfieng und künzelt der Chariclia, 'du thust im recht, dasz du dich über deines gleichen erbarmet hast'.
buch d. liebe 212
b; sie hatte schon beim David gelernet, wie sie sich bei einem mann zuschmiegen und demselben künzlen solte.
Simpl. 1684 3, 655.
bildl.: man musz ihm (
dem podagra) wol künzeln. Philander 2, 465. 1@b@bβ) mit einem künzeln: (
leute, die mit dem teufel einen bund machen) diese helt er eine zeitlang wol, künzelt mit ihnen und leszt ihn ihren willen. Luther
tischr. 210
a; so man nun also mit wilden thieren knzeln musz, wie viel mehr will uns mit unsern männern zu thun gebüren. Fischart
klag des ehestands (1614) 243,
var. klünzeln,
s. sp. 1300
unten; sie (
die kranken) bedörfen des, der sie gesund mache, und (nicht) lasz liegen und mit ihn knzele. Paracelsus 1, 37
c (
paramirum 1, 8). 1@b@gγ)
natürlich auch bloszes künzeln: wil ich den haben shn und fried, musz ich schweigent solch brocken schlicken, musz knzeln, mich wieder zuflicken (
anschmeicheln). H. Sachs 2, 4, 78
b (1560); zAertlen und knzlen. S.
Frank .... 36. 1@cc)
dasselbe, nur schon in der heutigen aussprache des üe,
ist kienzeln,
bei einem Baier: denn erstlich musz er (
der gefräszige) seinem eignen leib dienen, hofieren und kienzeln. Albertinus
de conviviis (1598) 46; kienzeln und spienzeln. Schmeller
aus Selhamer. 22)
andere nebenformen. 2@aa) könzeln,
gut oberd., mit langem vocal: dem leib könzlen und zärtlen.
Petr. 191
a; die liebkosung schmirt (
lächelt) und knzlet den trawrigen. S. Frank .... 35; wann
das glück eim kOenzelt und kchlin bacht, so wil es in fassen und zertrucken.
ders. sprichw. 1, 152
b; ein rauche bahn,wisz disz voran,langt zu des himmels porten, ist flach und rahn,lidt nie kein mann,der ihm selbst könzlen wolte. Mezler
odœum 330.
diesz œ
ist wie in hd. kœne
für küene, kühn,
in Kœnzel
für Küenzel, Kônz
für Kuonz (
s. d. I,
b). 2@bb)
auffallend umlautlos kunzlen
blandiri, etwas auskunzlen,
eblandiri, es ist eine gekunzlete sach,
res est eblandita (
erschmeichelt),
und doch nachher das hat er geknzlet (
erschmeichelt) Aler 1256
b,
ob nur ungenau übernommen? aber auch als schwäb. bei Schmid 313 'kunzeln,
am kinn streicheln, schmeicheln',
doch unter kuonzen
unterkinn gestellt. 2@cc)
schweiz. auch küensla, küenseln Tobler 126
b, Stalder 2, 144,
und wieder anders gunseln 1, 498,
vgl.guenen 490.
zum ersten vergl. alem. klünseln
und klünzeln
in gleicher bedeutung schon um 1500. 33)
der ursprung macht schwierigkeiten. 3@aa)
das bair. wort schlieszt sich jetzt deutlich an küenzel
unterkinn an, es heiszt auch einem den kunzen streichen (
s.Kunz II, 5,
g), den kûzen, kauzen streichen
und dazu ebenso keuzeln
hätscheln (
s. kitzeln I, 5
a. e.),
ist also wie bair. kinneinzeln
hätscheln zu kinn (
s. d. 2,
b),
auch mit mit
verbunden, eben wie küenzeln.
jenes wird auch kinhänseln
geschrieben (
s. ebend.),
d. h. auszer kinn
auch hänseln
hineingelegt, wie ein Hänschen
behandeln, liebkosen wie man kindern thut. so mag auch bei küenzeln
der name Kuonz
oder Knzel
selbst mitgedacht sein, wie es namentlich das kœnzeln
im anschlusz an Kœnzel
wahrscheinlich macht, vgl. das kosende Cnzle
unter Kunz II, 1. 3@bb)
aber wie bei küenzel
unterkinn scheint das erst später hineingelegt. denn das eine mhd. zeugnis, das zur zsit vorliegt, zeigt wahrscheinlich kurzen vocal. Hugo von Trimberg
meint von seinen freunden, wenn er geldhilfe bedürfte, ir einer mir niht wolte helfen mit zwein unzen, und solte ich immer kunzen.
Renner 17177,
mit variante glunzen (Lexer 1, 1786),
wie bei Fischart
vorhin (1,
b, β) klünzeln
als var. von knzeln.
diesz glunzen
gehört zusammen mit klünzen
und klunsen
sp. 1301,
vgl. das. rhein. glinzeln
schmeicheln (
für glünzeln),
mit kl-
wechselt gl-
oft. möglich dasz kunzen
und künzeln,
wie dann die urspr. form wäre, nur aus klunzen, klünzeln
entstand durch ausfall des l,
der anderwärts unzweifelhaft vorliegt (
s. z. b. klanken 2,
e, klank 4,
d);
dann wäre auch das schwäbische kunzeln
in ordnung. schweiz. gibt es auch klüenzen
und klüenzeln
schmeicheln Stald. 2, 111,
mit den consonanten von klünzeln,
aber dem vocal von küenzeln. 3@cc)
das schweiz. küenseln
zeigt eine gleiche berührung mit klünseln
gleicher bed., diesz aber wieder mit alem. klseln
gleicher bed., zumal sich alem. zwischen langem tonvocal und s
gern ein n
einstellt (
s. unter keusch). gunseln
aber weist bei allem anklang wieder nach andrer seite. es ist kein wunder, dasz der im leben so vielgebrauchte begriff mit wörtern so reich besetzt ist, die selbst wieder ein so reiches leben zeigen, sich mehrfach umbildend, neu anbildend.