Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kruft stF.
2 ‘Grube’
3 ‘Gruft, Grab(kammer)’
4 oberer Teil eines Gebäudes: ‘Gewölbe, Dach’ o.ä.
5 ‘Höhle, Höhlung’
6 ‘tiefer Schlund, tiefer Grund, Tiefe (der Erde, des Meeres)’
6.1 allg.
6.2 übertr.
6.3 ‘Abgrund, Hölle’
7 umschreibend
8 ‘Luftsack einer Sackpfeife’ (vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 235ff.)
1 ‘unterirdischer Gang, Mine’ die heiden gruoben ein furch / in die erden niht enge, / vierzic klâfter nâch der lenge / diu selbe gruft het Ottok 49111; die dâ wurden erslagen / in der erden gruft ebd. 49133 2 ‘Grube’ wer den ban / breche, den solde man lan / vallen gar an allen wan / nider in der lewin gruft [ lacum leonum Dn 6,12] Daniel 5347. 5111. 5393; ez trat / [...] neben die gruft der kunic ebd. 8139 (vgl. Dn 14,39). 3 ‘Gruft, Grab(kammer)’ dô man die gruft [La. kruft ] engrûb / und den stein ûf hûb En 8401; sie [Maria Magdalena] kante nit uf erden / dann den reinen werden / Jhesum [...] den sie suͦchte bi der kruͤft HvNstGZ 3836; Mügeln 39,6. – Krypta einer Kirche: do man die gruͦft [ (ecclesie) criptam ] machete wider Albert 502. 1020. 1016 u.ö.; der sælige bâbst gienc dô / von oben eine grêden abe / in die gruft zuo dem grabe LvRegFr 4992; er [...] ging under die erden in ein krufft; da stunt ein grab und lag ein mermerin sarck daroff Lanc 566,21. – hier anzuschließen: kellerartige Anlage einer Burg: sust quâmin sî her abe / in einin kelre gegân, / dâ vundin sî inne stân / einin wol beslagnin schrîn, / [...] darinne stûnt ein houbit [Reliquie der hl. Barbara] fîn, / [...] sî [...] trûgin iz hin ûz der gruft NvJer 6450 4 oberer Teil eines Gebäudes: ‘Gewölbe, Dach’ o.ä.: ein tube [...] heuet sih ze der grufte / vnd swinget sih in die lufte Wernh D 1755 (vgl. [die Taube] swebte bey dem swipogen, / daz si in alle sahen ebd. A 1680 ) 5 ‘Höhle, Höhlung’ dô leite mih mit sinne / di rîche kuninginne / heimlîche in ir behalt, / in eine cruft, di was alt SAlex 6398; der wirt in fuorte in eine gruft Parz 459,5. 459,21; mîn her Schŷron / wont in des steines krüfte KvWTroj 5909; vlieht, mîn êrsæligez volc [Zwerge] / in starke berges krüfte Virg 393,8. – als Ruheplatz von Tieren: daz wilde ist in des berges gruft / und in dem wald WälGa 2630; wildiu tier in velsen krüften [Kompos.?] Renner 6452. – bezogen auf eine eiternde Wunde: durch sîner [des Anfortas] sûren wunden gruft Parz 491,8 6 ‘tiefer Schlund, tiefer Grund, Tiefe (der Erde, des Meeres)’ 6.1 allg.: ich pruef an grozzer wazzer flut, / dw sind von ersten vrisch und gut, / wann ez fleusset aus der gruft Teichn 462,3. 435,73; als nebel und boͤser luft / der uff recht [aufsteigt] von erden gruft ebd. 585,64; der bradem, der in der erden gruft beslossen ist Mügeln 33,1; was hilfet mich der fisch, / der in des meres grüfte wart alles angels fri? ebd. 404,5; den vogel jaget durch den luft / kein visch, nie [...] besaz des wages gruft / tierlach [Landgetier] Frl 8:23,5; daz er [Gott] waere / von dem aller hôhesten luft / unz in die understen gruft / gewaldec, swes er wolde KlageB 1000 6.2 übertr. – bezogen auf Gott: [Gott ist] aller tiufe ein tiefe gruft Meissner 13:4,7; süezer got, [...] du volle gruft der gnâden unde aller güete Rumelant (R) 9:1,3. – ~ des herzen, muotes, der sêle, der sorgen: zuht und ere / bluot uz sines herzen gruft Frauenlist 59; in ir herzen gruft het sie [die Minne] sich sô gestempfet / alsô mit volliclîcher kraft, / dáz sie an in beiden wart sô sigehaft Loheng 1797. 3030. 3958; Mügeln 116,12. 314,7; gruft der sele ebd. 127,9; der sorgen gruft Loheng 3713 6.3 ‘Abgrund, Hölle’ daz si [Maria] uns [...] phlege / dâ sich scheident die wege: / einer gein dem lufte, / der ander gein der grufte / dâ der vâlant inne lît Wernh 5716; sus wil ich [Gott Sohn] selbe an lîbe / wesen daz gewihte, / daz die wâgen rihte / ûz der dûfen in die luft, / in den himel ûz der kruft / der wâren vinsterkeide Erlös 1020; des er in gruft fiel immer wernder klage Mügeln 21,6; der himel kor, der helle gruft KvWGS 696; in der helle gruften JTit 6110,4; RvEWchr 2345; Teichn 3,35; Mügeln 245,12 7 umschreibend: die elementen viere [...] : [...] wazzer [...] fuͤr; [...] luft; [...] der erden kruͦft HvNstGZ 204; der scher [Maulwurf] [...] lebt [von] der erden gruft / und ist tod, chumpt er an luft Teichn 320,133 (vgl. der scher sich niht wan erden nert Freid 109,18 ); daz er [Christus] zuo dem leben / sî mit sigenuft / erstanden ûz des tôdes gruft Ottok 47574; Mügeln 334,5 8 ‘Luftsack einer Sackpfeife’ (vgl. Eitschberger, Musikinstr., S. 235ff.): wo in der blater [d.i. blâterphîfe ] grüfte / und in dem ror von meisterlicher hende / gebrochen wirt die lüfte, / da sachet sich [entsteht] ein phifen Mügeln 316,9
MWB 2 970,6; Bearbeiter: Tao