klebern ,
ein schwieriges wort mehrfacher bedeutung. 11)
klettern. 1@aa)
hd. klebern, klimmen,
klettern oder steigen,
scandere. voc. theut. 1482 q 7
b; er kan sich einkeren (
mystisch, sp. 421) wenn er wil, er bedarf (
um zu gott empor zu steigen) nit mer also mit der vernunft hinnach stopfen (
schiebend, stoszend helfen) und also hinauf klebern an den creaturen. Keisersberg
spinnerin 1510 d 4
a, 1511 (
granatapf.) O 3
b; die (
gemsen) sach ich aus klüften und klemsen auf den stafligen felsen klebern. H. Sachs 1, 251
b.
Es ist noch schweiz., kläbern Stalder 2, 107,
bern. chläbere
auf bäume klettern Fromm. 2, 371
b;
aber auch am Mittelrhein klewwern (
Taunus) Kehrein 229,
s. frankf. kläbern
im 17.
jh. sp. 1045
unten, wie nl. kleveren Kil.
mit gesteigertem auslaut fränk. klepern
nach Adelung.
s. auch klebergang. 1@bb)
mit anderm vocal nrh. klavere
in Aachen (
von bäumen, klemme
von anhöhen) Müller
u. Weitz 111,
wie nnl. klaveren,
auch nd. klawwern
in Osnabrück Strodtm. 105,
saterl. clawerja,
nordfries. klawrin Johansen 42,
dän. klavre,
schwed. klavra
refl. Rietz 326
a,
und altengl. nordengl. claver Hall. 253
a,
aber auch clever 254
b,
wie schottisch. endlich mit i
altnorw. isl. klifra,
manibus et pedibus clivum ascendere Biörn 1, 459
b,
norw. klivra,
das aber klebern
entspricht, da diesz nach der schwz. form ë
hat. 1@cc)
auch eine einfache form bietet sich in bairisch kleppen
dar (
vgl.klepern
unter a zuletzt): der hopf, wann er .. nicht kann .. an einer hecken hinauf kleppen .. Abr. a S. Clara
gagaga (Schm. 2, 360).
mit verstärktem auslaut klepsen: da dann ihre fürstl. gn. die erste wilde gembsen an den bergen herummen klepsen gesehen haben. Schickhardt
reisebeschr. 19 (Scherz 796). 1@dd)
wichtiger ein nord. starkes zeitwort: altn. klîfa (kleif, klifinn)
klimmen, steigen, gewöhnlich klîfa upp;
noch norw. kliva,
schw. klifva,
dän. klyve,
alle noch stark, mit ableitungen wie schw. klev
n. stelle zum übersteigen, kliv
n. sprosse, s. Rietz 323
b.
ebenso fries. auf Amrum klîwan
klettern, steigen Johansen 173
b,
mnl. cliven.
und wie zu altn. klîfa
sich klifra
stellt als eine art frequentativum, so ist hinter unserm klëbern, kleveren
ein ahd. chlîban,
alts. kliBan
mit sicherheit zu vermuten. 1@ee)
das vorhandne chlîban, klîBan
heiszt aber vielmehr kleben (
s. kleiben),
welche bed. dem nord. worte abgeht; doch eben kleben
hiesz auch selbst klettern (
sp. 1045),
und das klettern sieht aus wie ein kleben am baume u. dgl., nur mit bewegung verbunden; vgl. kleber m. 1,
c vom spechte, und das folg. klebern
kleben. So stimmt schwed. klissa
klettern Rietz 323
b nahe zu klessa
kleben (
intr.) 326
a,
schwed. klänga
klettern zu engl. cling
kleben, sich anklammern, klettern
selbst vielleicht zu der klebenden klette,
völlig aber lettisch lipt
kleben (
intr.)
zu lipt
klettern, litt. lipti (
praes. limpù)
kleben zu lipti (lippu)
klettern, steigen, die vielleicht selbst verwandt sind (
s. kleiben). 1@ff)
aber klaveren?
auch bei kleben
tritt ja diesz a
auf in nl. claf,
engl. clave
klebte (
sp. 1044),
und ist schwed. klufsa
klettern Rietz 323
b echt (
vgl.klepsen
unter c),
so ergäbe sich neben chlîban
ein altes chlëban
mit ablaut i a u,
wie ein verwandter fall sicher vorliegt in mhd. krësen
neben krîsen
kriechen (
s.kresen);
das u
erscheint auch in nl. klubber
unter kleber m. 2,
c. 1@gg)
einiges freilich weist zugleich nach einer andern richtung. wie Binnaert claveren
erklärt fixis unguibus conscendere, an claeuwe
unguis denkend (
vgl. unter klavier 4),
so stimmen wirklich osn. bei Strodtmann klawwern
klettern und klawwe
klaue, pomm. hamb. holst. klauern
klettern mit klaue,
vgl. kleggen
klettern und kratzen (
s. kleien) Strodtmann,
und eigner weise klingt ebenso an engl. clever
klettern, cliver
klaue an (
sp. 1025),
an claver, klaveren
hd. klaber
klaue, altengl. cleafer Stratmann 110,
selbst an klettern
hd. klater, klatter
klaue. dennoch wird das meist nur spätere auslegung des sprachbewusztseins oder zufall sein, da dort die übereinstimmung völlig ist, hier nur theilweis oder scheinbar, s. klettern. 22) klebern
als intensivum zu kleben (
intr.)
bei Stieler 977, kleberen
haesitare, adhaerescere, im vogelleim klebern, klebernd werden
lentescere, klebernd machen
lentare; man hört noch in Thüringen, Sachsen z. b. von kluntschigem gebäck, es klebert.
götting. klêwern
und kliwern
sehr kleben Schambach 104
a,
auch schweiz. chlebera
und chlippera Tobler 108
b,
vgl.kleber m. 2
und das adj. kleber. 33)
ein dunkles klebern
bringt Schmid
schwäb. wb. 315
aus einem Ulmer ratsprotokoll von 1517: fuchs, vogel, spil und kluckern bis auf st. Ulrichstag verboten, den knaben das klebern erlaubt;
er vermutet vogelfang mit vogelleim (
s. kleber 2).
es kann aber wol gleich kläubeln 5
sein, â
für au (ou)
ist altulmisch (
vgl. Weinhold alem. gr. s. 79. 35), ê
dazu umlaut (
das. 80. 38). 44) klebern
und kleibern
carptim edere, more edentulorum manducare, müffeln,
bei Stieler 977,
also gleich kläubeln,
steht es für älter thür. kläubern?
s. klaubern.