kittern , 11) 1@aa)
gleich kichern, kickern,
nachgewiesen seit dem 15.
jh. (
mhd. wb. 1, 822
a):
cachinnare kittern
vel spotten
hs. voc. in Breslau; cachinnare kyttern
voc. 15.
jh. Dief. 86
b,
auch bei Altenstaig (
das.); lautlachen
oder kyttern
voc. th. 1482 r 8
b; will er (
der kaiser) denn wainen, so well wir trauren, will er dann saurn, so well wir bittern, will er dann lachen, so well wir kittern.
fastn. sp. 298, 9 (Göz
auswahl von H. Sachs 3, 165); das ain wird lachen, das ander wird kittern. 328, 13; da fiengen sie an wüste schampere wort zereden ... sie lachten und kitterten durcheinander. Keisersberg
sünden des munds 62
b; unser kelte (
im glauben) ... kumpt daher das wir also liederlich seind, ausbrichlich mit fürwitz, schwätzen, kittern, warnemen fremder gebresten.
irrig schaf 19
b (
ausg. in 4° H 2
b kittren); do er im wolt priesterlich eer bewisen, do ward er ernstlich lachen und kittern. do ward im wunderen, daʒ ein sölicher alter priester so lecherlich lacht. S. Brant (?) ... 2, 174
b; die (
zwei) rissen auf zwei weite maul und lachten wie ein ackergaul. des kund die agerlaster (
elster) kittern, spotweis thet ir der heher flittern. H. Sachs 1, 426
a (
regiment der vögel). 1@bb)
auch das herz kittert (
wie es lacht),
schon beim Wolkensteiner (
mhd. wb. 1, 822
a): mein herz vor freuden kittert, zittert, hupfet, sprang.
meisterges. Berl. hs. fol. 23
no. 222. 1@cc)
zuweilen tritt das kittern
bestimmter als spöttisches verlachen auf, schon in der angabe des Bresl. voc. v. 1422 '
cachinnare, kittirn
vel spotten'
kann das liegen, auch in Keisersbergs
zweiter stelle vorhin. deutlicher: darumb wir ihr schreiben wol belachen mögen und kittern, so sie also gewiss die gesundheit zusagen. Paracelsus 1, 10
c (1589 1, 27);
ist 'belachen und bekittern'
gemeint (
vgl. bekichern)?
vgl. sp. 326
unter f. 1@dd)
wegen der bed. ist noch hervorzuheben, dasz wie es scheint nicht nur das verhaltene hohe lachen (kichern)
damit gemeint ist, sondern auch das laute schütternde (kachen, kachern),
für welches der schriftsprache jetzt eig. das bezeichnende wort fehlt. für das erste zeugt folg.: es könnens wol (
einen furz vertreiben) jungfrawen am besten, wann sie das kittern in sich beiszen und vertrucken und alleweil das nastüchlein fürs maul heben (
halten), dasz der geruch (
dunst) nit ins hirn steig. Fischart
Garg. vorr. s. 14 (
Sch. 14).
für das zweite wol folg.: da kitteret der (
böse) feind und sprach 'ha ha das haus ist gar nahent mein'.
heiligenleben Augsb. 1472 120
b;
auch Brants kittern
meint wol nicht kichern. was die wbb. geben, klingt unsicher; furtim cachinnari
erklärt Dasypodius heimlich lachen oder kittern, Frisius 167
a heimlich lachen und kitteren,
aber sustollere cachinnum on alle masz kitteren,
cachinnus das kitteren, ein unzüchtig glächter, kichlen oder gachlen
das. und Maaler 244
a klingt wie das zweite lachen. bei Stieler 961 kittern
effuse ridere, cachinno concuti, lachen dasz man kittert, heimlich kittern;
er nennt auch kitterer
m. cachinno (
wie Altenstaig 13
a), kitterinn
f., kitterlich
cachinnans, kitterung
cachinnatio. kittern
auch bei Steinbach
noch, als '
pöbelhaft'
bei Frisch 1, 561
a. 1@ee) Adelung
führt es nicht mehr mit auf, es ist der neueren schriftsprache fremd; doch bei Gotter: (
wenn wir) bei der journalisten katzenwuth, nicht ohne schadenfreude, kittern. 1, 418.
es ist nämlich thür. noch in voller geltung, ebenso henneb. Reinwald 1, 79,
fränk. Schmeller 2, 343,
schwäb., elsäss. Schmid 331,
vorarlb. Fromm. 3, 299,
schweiz. Stalder 2, 104,
hier mit subst. kitter
n. gekicher (
wie kicher
n. unter kichern 1
a. e.), kittri
m. wer diese art zu lachen an sich hat; auch im rhein. gebiete, so im Siegerlande Schütz 2, 16
a,
hier als '
ähnlich wie kichern',
also doch davon verschieden. 1@ff)
in den sog. cimbrischen gemeinden auch kitteln
neben kittern,
rider trillando Schm. 136
a,
ganz wie kicheln (
schon bei Maaler,
s. unter d)
neben kichern
sp. 660.
s. auch kitzern. 22)
von ähnlichen tönen bei vögeln, zwitschern u. dgl.: so quamen die swane zu ir .. flitternde met iren flögeln und kitterten met iren stimmen.
altd. bl. 1, 133,
md. 14.
jh.; es kittert und flittert, sich wittert der stiglitz bei tag. J. Hellwig
nymphe Noris 1, 21
bei Gödeke
eilf bücher d. d. 1, 348
b,
der dichter ist ein Nürnberger. dasselbe meint wol garrulare kitteren 15.
jh. Dief. 258
a,
wenn es nicht auf menschen übertragen ist (
vgl. kaudern);
garrire chitteren wie die vögel
das. 257
c aus einem spätern Frisius (
in der alten ausg. chütteren).
ebenso altengl. chitre, chitter
to chirp, von vögeln Halliwell 247
b,
schott. chittre
und chittle, cheitle,
mit r
und l
wie unter 1,
f. 33)
verwandtschaft. fraglich ist namentlich, ob kittern 1
und 2
éin wort sind oder nicht. 3@aa) kittern 1
steht in einem netze nahliegender formen mit gleicher bed.; zunächst kitzern (
s. d.),
dann küttern, kuttern,
auch kudern, küdern, ködern (
bair.),
und wieder auch kutzen,
also mit urspr. ablaut i : u,
wozu das a
in engl. chatter,
altengl. chatre
gleich kittern 2
sich gesellen könnte. dann aber auch kichern, kickern
u. s. w., s. dort. 3@bb)
noch wichtiger für die frage nach dem alter des stamms sind formen mit urspr. sk-
an stelle des k- (
s. sp. 406),
und wieder mit demselben ablaut: schotteren
cachinnare voc. opt. Lpz. 1501,
gemma (Dief. 87
a),
nrh. in der Cölner gemma (
das.) schatteren,
nnl. schateren,
mnl. scateren
hor. belg. 7, 13
b, Kil. schetteren,
onmanierlick lacchen (e
aus a?
oder i?).
das ist ganz wie bei kichern
und kachen
cachinnare, und so ist es hier doppelt glaubhaft, dasz da eine wurzel vor alters mittelst auslautwandels sich spaltete (
s. sp. 6
und kichern 3,
b).
wie aber kichern
mit keichen
verwandt scheint, so steht neben kittern
auch ein kitten
keichen (
s. kittbauchen),
vgl. schweiz. kûten
keichen 3@cc) kittern 2
seinerseits neigt zu einer andern verwandtschaft. es heiszt schwed. qvittra,
schottisch quitter, quhitter,
auch mhd. quiteln (Megenberg,
ital. squittire),
und das ist vermutlich eins mit quittern, quitteln
garrire Dief. 257
c,
ahd. quitilôn,
nl. quetteren;
diesz aber nähert sich dem alten stamme quid,
in dem bei uns früh qu-
zu k-
ward, s. keden;
ahd. chutilôn
dicturire Haupt 5, 329
b scheint eins mit quitilô
n. Wiederum aber stimmt engl. chatter
zwitschern und plappern nicht so gut zu quid,
als mit ablaut zu kittern 1,
engl. chittre.
auch die unter a genannten formen gelten zum theil zugleich von vogelstimmen, wie engl. twitter
zugleich kichern und '
zwitschern'
bezeichnet, nl. schetteren
bei Kil.
auszer kichern auch plappern und dem zwitschern ähnlichen gesang (
aber auch knattern, prasseln). 3@dd)
auch in kittern 1
könnte noch ein andrer begriff versteckt sein, nach Stielers 'lachen dasz man kittert',
vgl. nl. hy lachte dat hy schetterde, schaterde Halma 687
b.
jedenfalls liegt hier wieder ein verwachsen mehrerer stämme vor, diese not der etymologie.