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keibe

mhd. bis Dial. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

keibe m.

Bd. 11, Sp. 431
keibe, m. aas, schwachformig, ein alemannisches wort. 11) keyb, cadaver. Maaler 243b (nicht bei Dasypodius): du bist zuo Bramstein an dem Rin des henkers knecht lang zit gesin und hast im all die keiben gschunden. fastn. sp. 865, 36, schweiz.; sie giengen für einen todten menschen umhin und verhebten (verhielten) die nase nicht, da sie für den keiben (daran vorbei) giengen, aber da sie für einen bösen buben vorbei giengen u. s. w. Keisersberg post. 160b (Frisch 1, 508a); wann der fuchs gern esz, so legt er sich in ein wagenleis und regt sich nit und strecket die zung heraus, gleich als wer er tod. so kumen dan die rappen und sitzen (setzen sich) uf in und bicken in in und wenen er sei ein keib .. evang. 1517 217a; wir thunt wie der rap, der ausgesandt wart, kam nit wider, er bleib sitzen uf den keiben. narrensch. 164a; und vol ist ir maul und ir trüssel wie ein offen grab, da inwendig ligen vil keiben und stinkender wort, davon vil menschen vergift werden von dem gestank. 143a; die .. löwen .. reiszen grosze stück aus aim keiben. Pauli sch. u. e. (1546) 17; von böser hitz sin lyb erbran, der selb stank wie ein fuler keib. trag. Joh. K vj; aus dem keiben oder faulen fleisch der abgestorbenen rossen sollend wäspen entspringen. Forer thierb. 137a. noch jetzt schweiz. Stalder 2, 94, mit verbum keibelen, nach einem aas stinken, keibelig, einem aase ähnlich; schwäb. kaib (gespr. koib, koab) Schmid 304. 22) von menschen, 2@aa) als kräftiges oder kräftigstes schimpfwort, wie auch aas, luder, und wie schelm urspr. cadaver ist: furcifer, galgenschwenkling, lotter, keib, buob. Frisius 595b; flagriones, bös buoben, keiben. 568a; handlen wie ein keib oder buob, officio improbi viri uti. Maaler 211a; seint wir keiben, so seint ir schelmen. Keisersberg evang. 1517 213b; keiben und böswichter. Kirchhof wendunm. 260b; es seint aber iez etlich keiben, die nichts dann gaukelwerk thuont treiben. Schade sat. u. pasqu. 1, 30; der keib muosz uns gwiss nit entgan. trag. Joh. K j; nachdem ir hand den keiben gstrickt (gebunden). K iij; das üch sant Küri (Quirin) und der ritt (fieber), aller schergen und keiben, schütt! Ruef leiden Christi K 6; das üch sant Velten und der ritt, aller keiben und schelmen, schütt! L 5b, bei diesem Schweizer in ähnlichen verwünschungen sehr häufig, s. 1, 230, in der erstern stelle aber scheint keibe neben scherge den schinder selbst zu bezeichnen, und gerade so findet sich schelm für nachrichter (Mone anz. 6, 467). Noch heute ist in der Schweiz cheib so in allgemeiner geltung, ja beliebt, dazu auch cheibling m., und cheiberî ekelhafte sache, cheibamäszig verrucht, s. Stalder 2, 94. Tobler 99b. auch im Elsasz und Schwarzwald kaib lump, schuft, ausdruck der äuszersten verachtung, s. Schmid 304, Auerbach dorfg. 1, 244, Mone anz. 6, 468 2@bb) aber auch ohne beschimpfung, als derbes kraftwort mehr scherzend, neckend gebraucht, wie diesz mit andern schimpfwörtern, auch den stärksten geschieht, besonders eben luder, schelm, aas (am Rhein): trefft ihrs mir nicht (die lösung des rätsels), so musz hie diser keib zur straf für alle ein bastonata mit knöpfen von Barfüszer corden auszhalten. Garg. 287a (540); hebts (das kind aus der taufe) ir lieben paten, wie die frommen cheiben die eidgnoszen iren lieben pfetterman könig Heinrich (den II. von Frankreich aus der taufe hoben). Garg. 110b (197 Scheible). dieses die frommen cheiben, mit dem schweiz. ch, ist wahrscheinlich den Schweizern selbst aus dem munde genommen, die den kraftausdruck unter sich selbst brauchen mochten, etwa als 'tüchtige kerle'. ähnlich ist dasz man schweiz. das wort zur steigerung von begriffen überhaupt braucht, wie 'verflucht' u. ä., man spricht aber auch von cheibeschön. Frommann 5, 18. 33) aber auch eine seuche, pest hiesz so: 'keyb oder schelm, pestis oder sucht' voc. theut. 1482 q 2b, 'schelm oder sucht, pestis oder keyb' cc 3b, vgl. das zweite keibig. auch schelm ist nämlich name einer seuche, in einem älteren viehsegen bei Mone anz. 6, 467 werden u. a. folgende krankheiten beschworen: ich beschwer dich du böser keüb (so), ich beschwer dich du böser schelm, s. Mones bemerkungen dazu; die pest verwandelt ja den menschen in einen keiben. Ein ahd. cheibo, mhd. keibe ist noch nicht gefunden; ich weisz nicht ob etwa in einem westf. adj. kiäwe, von holz das zu faulen anfängt, eine nd. spur des wortes zu sehen ist.
4438 Zeichen · 90 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KEIBEswm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    KEIBE swm. 1. leichnam, aas. 2. ein schlechter mensch, der den galgen verdient Oberl. 770. 771. Frisch 1,508. a. Schmid …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    keibem.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    keibe , m. aas, schwachformig, ein alemannisches wort. 1 1) keyb, cadaver. Maaler 243 b ( nicht bei Dasypodius ): du bis…

  3. modern
    Dialekt
    Keibe

    Rheinisches Wb.

    Keibe kī:f, Pl. -və Sieg-Ägid , Jül-Inden f.: keifendes, streitsüchtiges Weib.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit keibe

39 Bildungen · 39 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

keibe‑ als Erstglied (30 von 39)

Keibe(n)handel

Idiotikon

Keibe(n)handel Band 2, Spalte 1398 Keibe(n)handel 2,1398

Keibe(n)häneli

Idiotikon

Keibe(n)häneli Band 2, Spalte 1308 Keibe(n)häneli 2,1308

keibelen

ElsWB

keib·elen

keibele n [khaipələ Hi. ; khèiwlə M. ] nach verwesenden Körpern, nach Aas riechen, stinken.

Keibenbacken

MeckWB

keiben·backen

Keibenbacken Keimen- Pl. Kinnbacken: an einer Zigarre, die schlecht zieht, kann 'n sick de Keimenbacken mör bi sugen (1885) Gü Gülz ; (1887)…

Keibenbirbaum

Idiotikon

Keibenbirbaum N. Band 4, Spalte 1244 Keibenbirbaum N. 4,1244

Keibenbläder

MeckWB

Keibenbläder Pl. (1885) Gü Gülz wie -bräd'.

Keibenbräd'

MeckWB

Keibenbräd' Pl. Vatermörder, hoher leinener Stehkragen Ro; Ma Brud ; Schö Dem ; Pfannenstiel mit de Keebenbräd' im Nachbarreim Ro Dob .

Keibenbüeble

ElsWB

Keibe n büeble n. schlauer Knabe Heidolsh. Dis is t e Keiwe n bue b od. e Keiwe n sbue b Z.

Keibendings

ElsWB

keiben·dings

Keibe n dings n. schwierige Sachen. Das is t e Keiwe n dings! Su. Dis is t K. K. Z.

keibenfleisch

DWB

keiben·fleisch

keibenfleisch , n. fleisch von einem aas, schweiz.; der rabe friszt keibenfleisch. Ruff Adam u. Heva 916 .

keibengraben

DWB

keiben·graben

keibengraben , m. keibengrube , f. schindergrube. vgl. Rochholz Schweizersagen 1, 259. 232 .

Keibengrueb

ElsWB

Keibe n grueb f. Schindanger Ruf. bis Bf. — Schweiz. 2, 694.

Keibengruft

ElsWB

keiben·gruft

Keibe n gruft [Khaiwəkrùft Str. ] f. eine arge Verlegenheit: dis is t e K.!

keibenhaut

DWB

keiben·haut

keibenhaut , f. haut von einem aas, als scheltwort bei Keisersberg : du keubenhut! bilg. 16 d , also gegenstand der thätigkeit des schinders…

Keibenhund

ElsWB

keiben·hund

Keibe n hund [Khaiwahùnt Heidolsh. ] m. unfolgsamer Hund. ‘Do isch e Gardemann halt gschwind dezue geloffe, der het die Kaiwehund recht mit …

keibenmäud'

MeckWB

keibenmäud' müde vom Kauen: dat Pierd ward woll keibenmäud', œwer nich satt Wa Lev .

keibenschinder

DWB

keiben·schinder

keibenschinder , m. der keiben, aase schindet, 'schinder', kafiller: es seind .. die keibenschinder und die huorenwirt und straszräuber fröm…

Keibenstöters

MeckWB

Keibenspeiken , Keibenspön , Keibenstipers , Keibenstöters , Keibenstütten Pl. wie -bräd' Ro; Schmidt Gad. 3, 255; Ma; Wa; Ro Klock ; Gres.

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APA
Cotta, M. (2026). „keibe". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 20. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/keibe/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „keibe". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/keibe/dwb. Abgerufen 20. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „keibe". lautwandel.de. Zugegriffen 20. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/keibe/dwb.
BibTeX
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