Wossidia MeckWBN
Heirjung' m. Hirtenknabe, Hütejunge Pa Parchim@DobbertinDobb; Ziesl; WiWismar@NeubukowNBuk; dei annern Heirjungs Zier. Plaugf. 8;
Hirjung' MaMalchin@GielowGiel; nach der Verkoppelung der ländlichen Feldmark traten an die Stelle der Dorfhirten die im Dienste der einzelnen Bauern stehenden Heirjung's, noch schulpflichtige Knaben, die für das Sommerhalbjahr vom Schulunterricht bis um die Mitte des neunzehnten Jahrh. ganz, späterhin bis auf wenige Stunden befreit waren und hauptsächlich die Kühe ihres Bauern, aber auch Schafe und Pferde, soweit erforderlich, zu hüten hatten;
vgl. Schildt 101 ff. und die Klage des Hütejungen: wur künn dei Welt schön sin, säd' dei Heirjung', bloots in 'n Winter dei Schaul un in 'n Sommer dei Gewitters Heim. 2, 224
a; der große Festtag der Heirjung's war der erste Pfingsttag; schon bald nach Mitternacht standen sie auf und weckten einander durch kräftiges Peitschenknallen auf der Dorfstraße, weckten alsdann jeder die Diern ihres Bauern zu frühzeitigem Melken der Kühe und trieben das Vieh noch in der Morgendämmerung auf die Weide; wer dabei als erster kam, erhielt den Ehrennamen Dausläper, der zweite die Königswürde, der dritte die des königlichen Adjutanten; der vorletzte wurde Müggenjäger (auch -stäker, -stöwer), der beim abendlichen Umzug dem Könige mit einem Busch die Mücken abzuwehren hatte, und der letzte als Langschläfer mit dem Spottnamen Pingstkarr oder Pingstkalf belegt; schon gegen zehn Uhr vormittags dürfen die Heirjung's an diesem Tage mit ihrem Vieh zurückkommen und brauchen es nachmittags erst eine Stunde später wieder auszutreiben, damit sie in der verlängerten Mittagspause ihren Abendumzug vorbereiten können,
d. h. den wie eine Richtkrone geformten Kranz für den Pingstkarr binden und den dreieckigen Königshut aus Papier anfertigen sowie zwei Holzsäbel mit Weidenbastkoppeln und zwei Schärpen aus Weidenbast für den König und seinen Adjutanten; am Abend versammeln sich alle Heirjung's und die ganze Dorfjugend vor dem Hause des Pingstkarr; den 'Würdenträgern' werden zu allgemeiner Belustigung die vorbereiteten Ausrüstungsstücke angelegt und dem Dausläper noch ein großer Birkenzweig an den linken Fuß gebunden; dieser eröffnet alsdann den Zug, ihm folgt der schwer belastete Pingstkarr, diesem der König mit seinem Adjutanten und dem Müggenjäger; alle zehn Schritt stößt sich der König mit seinem Säbel den Hut herunter, den ihm der Adjutant jedesmal wieder aufsetzen muß; so geht der Zug langsam in ausgelassener Lustigkeit durch das ganze Dorf, bis er sich am Hause des Pingstkarr auflöst; so in LuLudwigslust@LeussowLeuss; wo der Pfingstumzug schon am Morgen stattfand wie in LuLudwigslust@BresegardBres; Eld; GLaasch; HaHagenow@LoosenLoos, verzehrten die Heirjung's am Nachmittag auf dem Felde gemeinsam die Eßwaren wie Brot, Semmeln, Würste, Eier, die sie bei dem Umzuge gesammelt hatten Bartsch 2, 270 ff.; neu hinzugekommene mußten gleichzeitig hänseln,
d. h. ihren Papphahn von vier Schillingen, den sie als Handgeld vom Dienstherrn erhalten hatten, opfern, wofür heimlich womöglich Schnaps oder Rum und Tabakwaren besorgt wurden Goss. Was mein 88;
s. ferner Mecklenburg Heimatbuch 206
f.; sonst war das Heirjung'sbier am zweiten Ostertage; so in Neuendorf bei GüGüstrow@BützowBütz; Pa Parchim@BrüzBrüz;
vgl. Bartsch 2, 261. Kü. 1, 726; Me. 2, 635.