handig,
händig,
adj. in mehreren auseinander liegenden bedeutungen. 11)
mit händen versehen, hände habend, hochdeutsch nur in der umgelauteten form und in zusammensetzungen wie ein-, zwei-, vier-händig, bar-, kurz-, lang-händig,
auch in abhändig, eigenhändig.
für letzteres steht niederdeutsch auch bloszes handig, händig.
brem. wb. 2, 584. 22)
diese bedeutung entwickelt sich öfter zu der mit flinken händen versehen, rasch, flink in den bewegungen, für die schon im altnord. höndugr, hendugr
dexter ein zeugnis vorliegt; selbst das goth. handugs
σοφός (
1. Cor. 1, 20)
scheint hieraus entwickelt. in niederdeutschen mundarten, z. b. im handig, händig
des brem. wb. 2, 584,
im hennig
rasch, flink aus Lippe (Fromm. 6, 211), handig
geschickt Schütze 2, 98,
sowie in Franken: handig,
ausrichtsam, efficax, emsig Schm. 2, 209,
ist jener sinn erhalten; in Ditmarschen erwächst neben ihm auch ein anderer: hennig, flink, gewöhnlich mittelgrosz. Müllenhoff
glossar zum Quickborn; ostfries. hennig,
halberwachsen. Fromm. 4, 227. 33)
in passivem sinne, zur hand liegend, bequem, wie auch das engl. handy
die bedeutungen flink, geschickt, und bequem, zur hand, zeigt; wieder mundartlich in Niederdeutschland gewahrt, so in Lippe: de gorn (
garten) ligt eme hennig. Fromm. 6, 211;
ostfries. hannig,
für die hand bequem, leicht zu handhaben. 4, 227.
schiffer reden von handigem wetter,
wobei die segel bequem zu handhaben sind; der fuhrmann nennt das handpferd
auch handiges pferd. 44) handig, händig,
scharf, heftig, grob, früher in groszer verbreitung, lehnt an ahd. hantac
an (Graff 4, 972),
was seinerseits, wol zunächst von personen gebraucht, und an die schlagende, tödtende hand geknüpft (
sp. 357:
schweizerisch gilt noch jetzt ein handen
schneiden, hauen Stalder 2, 19),
durch acer, durus, ferox, fortis, saevus glossiert wird; die persönliche verwendung auch nhd.: du solt nit unwirsz sein als etlich handig zornig menschen, die ir böse natur nit überwinden mü
gen. Keisersberg
granatapfel A 8
b;
bair. händig,
feindselig, widerlich, in Schwaben heftig Schm. 2, 209;
in Kärnten hantik,
unwillig, böse worte gebend Lexer 134. —
Dann wird handig, händig
namentlich auch von sachen gebraucht, die einen scharfen, zusammenziehenden geschmack haben, nebenform ist hantig
und hannig
mit doppel-n
statt nd:
schon ahd. daʒ handega waʒʒer
bei Notker (Graff
a. a. o.),
mhd. handec
wb. 1, 627
a;
nhd.: der hantig oder herb harm (
harn). H. Braunschweig
chirurg. (1539)
s. 74; wiewol der ingber sehr räsz und handig auf der zungen. Ryff
teutsch apothek (1548) 88
a; wir nennen den geschmack eines dings hannig, darinnen wir eine heftige schärfe befinden, als im pfeffer, knoblauch, zwibel, kresz.
spiegel d. gesundh. bei Frisch 1, 415
a; die bayrischen rueben sol man pauen umb Margerithe, sunst werden sie hendig und saur, so man lenger verzeucht.
kochbüchl. aus Tegernsee, Germ. 9, 195; hannigs versalztes blut. Seitz 15; soll man fürnemlich vermeiden saure scharpfe hannige speisz.
Frankf. krankenbuch 1545
f. 67
b; sein blust ist etwas händtig oder bitterlechtig. L. Thurneisser
beschreib. 70; so bald er (
der knoblauch) vollkommlich gewachsen und mit den kernen besetzt, wird er hanniger und schärpfer. Bock
kräuterb. 591; scharfe, hannige ding, als salz.
speiskammer 29; (
das cypressenkraut) ist etwas hannig. Lonicerus
kräuterb. 194
b; der scharpf, bitter und hannig geschmack dieses krauts (
chelidonium majus). Tabernaem. 124 (1687
s. 102); viel süsze ding werden saur, handig oder bitter. Paracels.
opp. 1, 899 A;
scherzend zwischen persönlicher und sächlicher verwendung: Mercy war todt, Joan de Werd nicht mehr unser, und der holtzapfel, sonst Melander, den Schweden und Frantzosen nicht so herb und handig wie etwan zuvor den kaiserischen, da er noch den Hessen dienete.
Simpl. 3, 250.
heute heiszt handig
in Baiern und Kärnten geradezu bitter.