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grundsuppe

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grundsuppe f.

Bd. 9, Sp. 912
grundsuppe, f. , mhd. einmal als gruntsophe belegt, im 16. jh. stark verbreitet, namentlich von Luther als kraftwort viel variiert (s. u. 3), bis ins 19. jh. literatursprachlich veraltet es späterhin; mundartlich z. th. gehalten vgl. Schambach 70a; Bauer-Collitz 41b, Woeste-Nörr. 86b; vgl. mnl. grontsop, n., ags. grundsopa, m. Bosworth-Toller suppl. 489a, überall in der bedeutung 'bodensatz'; formelhafte verbindung hefe und gr. (s. u. 3 e). 11) eigentlich: 'bodensatz, der auf dem grunde einer flüssigkeit abgelagerte niederschlag'; vgl. grundsupp fœx fundi, crassamen, sedimen Henisch 1769; so der (hefige) 'rest im weinfasz, neige': (Servatius) ... gemerte die lützeln trophen. da wuochsen die gruntsophen, ie baz und baz si erspruzzen s. Servatien leben, s. 254 Wilhelm; mit besonderer betonung des ungenieszbaren, unbrauchbaren bei Henisch 1769: grundsuppen, neigent, verrochener und verdorbener wein vappa; entsprechend bei andern flüssigkeiten vom bodensatz oder den rückständen: van der seycken (urin) dat gloem of grontsop sedimen v. d. Schueren Teuthon. 232b Clignett; setzt sich das grob zu boden, alsdann seyhe das oberst gemach herab, daz ist zu brauchen, so das dicke nichts soll und nur ein grundsupp ist Wirsung artzneybuch (1568) 12a; die grundsuppen der salben magma B. Faber thes. (1587) 474b; die gar zu schöne gr. (des kaffees) soll sich meine frau aufheben Troschel reise (1784) 162; grundzoppe 'die dickeren teile der suppe' Schambach 70a; in der nicht ungegründeten meinung, die kraft der gülle zu erhöhen, liesz ich die gr. dabei fleiszig aufrühren Schwerz ackerbau 72; vom schlamme des wassers: under welchem (wasser) eine dicke gr., der schlam ... geblieben ist Comenius ianua (1644) 6b; im moraste und gr. der seen Prätorius winterflucht (1678) a 4b vorr.; musz man sich sothaner morastigen wasser bedienen, so ists rathsam, dasz man sie ... sich also setzen lasse und hernach gemächlich von der gr. und gesetzten schleim abschöpfe v. Fleming soldat 326; grundzoppe 'das schlammige wasser auf dem grunde eines brunnens' Schambach 70a; anders 'das beim bewässern zurückgebliebene wasser, nachwasser': wan ain gemainer man wässert, so gehert das nachwasser oder die grundsuphen in den nachsten wal österr. weisth. 5, 56 (v. j. 1462); auch die mehr festen rückstände heiszen gr.: die gr., welche im tuche liegen bleibet, wird den arbeitern ... zur speise und zum trancke gegeben O. Dapper America (1673) 435b; kannen und gläser (sind) mit einer schwartzen grundsuppen beflecket Hohberg georg. cur. 1, 51; seigebeutel, welche nichts als die gr. oder das abgenutzte gewürtz behalten Mattheson capellmeister (1739) 28 vorr.; vgl. (er wendet den sack völlig um, es fallen noch einige bücher und viel häckerling heraus) da kommt erst die gr.! Göthe 17, 56 W. 22) das 'wasser im untersten schiffsraum' (vgl. grundbrühe): die stinckende grundsuppen im schiffe nautea, aqua sentinae B. Faber thes. (1587) 539b; wir hattind unsern platz unden im schiff ... und der bitter bös geschmak von der grundsuppen hat uns im haupt übel beleidiget J. Maaler nach Staub-Tobler 7, 1237 (von 1593); so wenig als ein schiff gesund und reinlich seyn könte, wenn beydes nicht von der stinckenden gr. gesaubert würde Lohenstein Arminius 2, 965b; auch an einer garstigen gr. fehlte es dem hofschiffe nicht D. Fr. Strausz ges. w. 7, 226; dasz im erdkreis das wasser ... wie die gr. in den schiffsraum empordringe J. H. Vosz krit. blätter 2, 136. 33) namentlich im älteren nhd. ist aus gr. 1 ein reicher bildlicher gebrauch entfaltet, der bis in jüngere sprache nachwirkt; meist nach einer seite hin specialisiert; 3@aa) qualitativ im sinne einer unteren minderwertigen schicht: darausz abzunemen, welch ein abscheuliche grundsupp in demselben (herzen) müsse verborgen ligen Dannhauer catechismusmilch 2, 404; unfriede ist die gr. deines hertzens H. Müller erquickst. (1667) 560; (sie) machen platz der aufgewühlten gr. des menschlichen herzens, der thierischen begehrlichkeit Jer. Gotthelf ges. schr. 3, 180; blosz um den anstand unsers geschmacks durch die gr. unserer eigenen kritik zu betrüben Hamann schr. 2, 515 R.; die gr. der sogenannten cultur in ihrer hassenswürdigsten abscheulichkeit Göthes gespräche 1, 186 v. B.; die gr. rühren heiszt daher 'das schlimmste thun, an die ärgste stelle kommen': der teufel will die gr. rüren und den boden gar ausstoszen, got wölle yhm weren Luther 18, 358 W.; wer dise grundsuppen hat gerürt und in den binstock gestochen Seb. Franck chron. zeytb. (1531) 297b; vgl.das ist eben der fleck, wo die gr. umgerührt wird (der hauptschade liegt) Auerbach ges. schr. (1863f.) 18, 74; neutral 'die innerste gesinnung': da kommt die gr. raus Fischer schwäb. 3, 880; vielfach wie lat. fœx plebis in anwendung auf die niederste, schlechteste klasse der menschlichen gesellschaft (vgl. hefe th. 4, 2, 765): die gr. des volkes, der gemeine pöbel Butschky Pathmos (1677) 458; ihr schaum und gr. des menschlichen geschlechts! Stranitzky ollapatr. 103 Wien. ndr.; dieser edlere theil (der nation) musz erleuchtet seyn, wenn die gr. nicht so roh ... seyn soll Moses Mendelssohn ges. schr. 5, 351; dem mit der gr. von menschen überschwemmten Rom Herder w. 8, 386 S.; sich mit der gr. des pöbels einlassen Müller v. Itzehoe Siegfr. v. Lindenberg 1, 207; je weiter man aber in der bildung fortschreitet, um so mehr entfernt man sich auch von der lieben gr. der menschheit Hebbel br. 4, 75 W.; von hier aus variiert: die gr. der litteratur, die nachbeter und uneinsichtigen Grillparzer s. w. 16, 124 Sauer; nicht nur feuilletonisten und zeitungskorrespondenten, nein auch romanschreiber, dichter, kurz die ganze gr. groszstädtischer verhältnisse G. Keller br. u. tageb. 2, 385 Bächtold; unsre sinne sind die gr. unsrer innern republik Schiller 3, 104 G.; selten neutraler: das schicksal faszt die dinge gröszer und weiter, es denkt nicht an unsre kleinen begehren, sondern wühlt überall die gr. des volksthums auf Varnhagen v. Ense tageb. 5, 34. 3@bb) im vordergrund steht die mehr quantitativ bestimmte vorstellung 'neige; letzter, schlechter rest': die gr. bleibet den gottlosen (glosse zu psalm 75, 9) Luther bei Diez 2, 180a; der gottlosz hauf in irem sausz müssen die grundsup saufen ausz Burkard Waldis psalter (1553) 129a; vgl. die gr. saufen müssen Kramer teutsch-ital. 2, 1041; diese betrübte neige ..., schimlichte gr. ... vom jüdenthum Luther 53, 501 W.; eine form, welche ihren geist überlebt hat, ... (ist) die gr. menschlicher erkenntnisz Fr. Schlegel pros. jugendschriften 2, 73; vereinzelt auch neutral 'das, was zurückbleibt': das kaum die hefen und grundsup vom volck selig werde Luther bei Diez 2, 180a; dasz sie sich für dem groszen haufen nichts entsetzen dürffen, es weren nurt die gr. und der nachrest von denen, die sie ... one alle mühe abgeschlagen Schütz hist. rer. pruss. (1592) 78b; in zeitlicher hinsicht mit negativem accent gr. der welt u. ä.: in der letzten gr. der welt Luther 36, 482 W.; bericht von der gr. der welt, wie man sich in diese letzte, allerärgste, greulichste zeit zu schicken Ambrosius Taurer (1589) titel; epicureer und spötter, derer diese letzte grundesup der welt voll ist Daniel Schaller theol. herolt (1604) 23; als wäre nunmehr in der letzten gr. dieser welt erst ein stern aufgegangen Chr. Weise polit. näscher (1679) 83; so leben wir doch in der gr. der letzten welt Harsdörfer t. secretarius 2, 91; bis es sich ... in der gr. der tage ... sein naturrecht erfände Herder w. 6, 312 S.; anders mit dem beisinn der letzten, höchsten steigerung (s. u.c), vgl. etwa redensartlich es kommt am dicksten: dasz diser stern darumb eben die letzte grundsuppen ausgüssen und die welt damit eingehen werde J. Kepler opera 8, 1, 317; (Trinculo:) ich will mich hier einwickeln, bis die gr. des gewitters vorüber ist Shakespeare 3, 65; die batterien spieen einander die gr. ins gesicht Jer. Gotthelf bei Staub-Tobler 7, 1237; wenn er (der papst) gleich die gr. und gantze helle seiner ungnad ... uber uns ausschuttet Luther 32, 339 W.; die gr. alles unrechts (ist) ... über den erdboden gleichsam auszgeschüttet Schottel friedenssieg 71 ndr.; die gr. der sünde war noch nicht über ihn ausgeschüttet Zinzendorf Londoner pred. (1756) 1, 338. 3@cc) von der vorstellung ausgehend, dasz gr. sich aus der ablagerung aller dicken, übeln bestandtheile bildet, gilt gr. als das product, der inbegriff aller schlechten dinge: der bapst ..., der fast alle ketzerey zu sich yn ein grundsuppen samlet Luther 7, 441 W., vgl. 10, 1, 1, 236; das bapsthumb, welches eine gr. ist, darinnen alle andere ketzereien zusammen gerunnen und in eins geflossen Cyr. Spangenberg wider d. böse sieben (1562) l 3b; in diese letzte welt (ist) alle sünde ... als in eine gr. zusammen geflossen J. Prätorius catastrophe muh. (1663) 82; es werde diese unsere muttersprach ... zu einer endlichen grundsuppen, darein aller andern sprachen unart ... zusammen flieszet Schill ehrenkranz (1644) 123; die gr., in der alle niedertracht der gegenwart zusammenbrodelt Auerbach schr. 11, 200; häufig mit dem genitiv des zu steigernden abstractums verknüpft: ein gr. ... aller greuel und ketzerey Luther 23, 723 W.; bisz endtlich gar die gsellschaft lebt in grundsup aller boszheyt schwebt Hans Sachs 3, 447 K.; in summa, bey in ist zu finden ein grundsup aller laster fast Fischart s. Dominici leben 4045 Kurz; das grosze bubenstück und grundsupp aller schanden G. Treuer dtsch. Dädalus (1675) 1, 216; bei ... dem Zeisigbauer sei aber die gr. des übels zusammengeflossen W. Raabe unsers herrgotts kanzlei4 377; absolut: das ist die grundtsuppe und die helle selbs Luther 30, 2, 288 W.; die Sarracen, die erstlich disen greuel und grundsup einnamen Seb. Franck weltbuch (1534) 98a; ein grundsupp und recht Sodoma und erbpardel findstu allda (zu Rom) Kirchhof wendunmuth 2, 114 Österley; mit persönlichem subject: (Luther ist) nach der bäpst urtheil ein ertzketzer und grundtsupp aller ketzerey Seb. Franck chron. (1585) 3, 422; die grundtsuppe des wuochers, der dieberey und rauberey sein unser herren und fürsten flugschr., kampf der schwärmer gegen Luther 25 ndr.; er ist neidig, geitzig ..., ja ein rechte grundsup aller ubertrettung und laster worden J. Gretter erklerung (1566) 306; die gr. des wuchers ... sind unsere groszen Heine s. w. 5, 156 E. 3@dd) in abstrahierender anlehnung an grund IV B 2 im sinne 'ursprungsstätte, brutstätte', vgl.ursprung und urhab alles unraats, grundsupp seminarium Frisius 1196b; der recht ursprung alles lasters, die grundsupp und hauptsächer ders. dict. (1541) 139b; Thomas von Aquin, der born und gr. aller ketzerey, yrthum und vertilgung des evangelii (wie seyne bucher beweysen) Luther 15, 184 W.; denn ich zuvor aus andern büchern hab, was ich gewuszt hab, und den heubtbrun oder gr. nicht also gesehen 39, 13 W.; man sehe nur zum ursprung und grundtsupp der Frantzosen Seb. Franck paradoxa (1558) 191b; müsziggang, eine grundsupp aller versuchungen J. Wirz spiegel (1560) bei Staub-Tobler 7, 1237; dasz mich die menschen selbst die wurtzel alles übels, das ist ein ursprung, cloac und gr. nennen alles desjenigen Grimmelshausen 2, 845 Keller; die almosen (können) eine gr., eine grundursach aller lasteren sein A. Klingler summ. bericht (1693) bei Staub-Tobler a. a. o. 3@ee) typische verbindung hefe und gr.: die hefen und gr. vom volck Luther bei Diez 2, 180a; und die hefen und gr. wird dir gespart A. Pape garteteufel (1586) d 8b; in der hefen und grundsuppen der versammleten aberglauben Grimmelshausen 4, 265 Kurz; das gemeine volck in einem staate, welches gleichsam die hefen und gr. ist Chr. v. Ryssel v. d. seelenfrieden (1685) 321. —
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grundsuppe

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Grundsuppe , plur. die -n, der dicke schlammige Bodensatz eines flüssigen Körpers. In der Seefahrt ist es dasjenige …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grundsuppe

    Goethe-Wörterbuch

    Grundsuppe (ungenießbarer) Bodensatz, in polem Metaphorik [ Andrason beim Ausschütten eines Sacks mit Büchern: ] Empfind…

  3. modern
    Dialekt
    Grundsuppe

    Rheinisches Wb.

    Grund-suppe -tsǫpə uWupp f.: 1. der dickere Teil auf dem Boden der S. — 2. Schlamm in einem Teiche.

  4. Sprichwörter
    Grundsuppe

    Wander (Sprichwörter)

    Grundsuppe 1. Die Grundsuppe ist für die Gottlosen. Holl. : Het grondsop is voor de goddelozen. ( Harrebomée, I, 261. ) …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grundsuppe

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Ableitung von grundsuppe

grundsupp + -e

grundsuppe leitet sich vom Lemma grundsupp ab mit Suffix -e.

Zerlegung von grundsuppe 2 Komponenten

grund+suppe

grundsuppe setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

Keine Komposita gefunden — grundsuppe kommt in keinem anderen Lemma als Erst- oder Zweitglied vor.

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APA
Cotta, M. (2026). „grundsuppe". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grundsuppe/dwb?formid=G31290
MLA
Cotta, Marcel. „grundsuppe". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grundsuppe/dwb?formid=G31290. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „grundsuppe". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grundsuppe/dwb?formid=G31290.
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