grundherrschaft,
f.; gr.,
dominium directum vel proprietatis Schottel 380;
gr.,
patronanza, signoria territoriale Kramer
teutsch-ital. 1, 573
c;
das wort ist mit dem 16.
jh. zu belegen (
s. u. 2). 11)
jung (
s. o. und Adelung [1775] 2, 829)
ist die abstracte verwendung (
vgl.herrschaft 2
th. 4, 2, 1152)
im sinne '
die institution des herrschaftsrechtes über grund und boden',
wobei die verschiedenartige wirtschaftliche und rechtliche stellung des grundherrn (
s. o. sp. 826)
in betracht zu ziehen ist; über die entwicklung und die arten der gr. vgl. G. Aubin '
gr. und gutsherrschaft'
in: relig. in gesch. u. gegenw. 2 (1928), 1503
ff.; aus dem rein persönlichen mundium entwickelte sich ... eine die person ergreifende
gr. Schwappach
hb. d. forst- u. jagdgesch. 1, 12; schon herzog Ludwig hatte in den bezirken seiner
gr. landrichter gesetzt Zschokke
s. ausg. schr. 30, 357; die
gr. über alle bestandtheile des reiches gebührt niemand als der nation J. v. Müller
s. w. 9, 113;
in volkswirtschaftlicher hinsicht unterscheidet man rentengr.
und betriebsgr. (
s. o. grundherr
sp. 825) Aubin
a. a. o. 1505,
letztere berührt sich mit dem begriff der gutsherrschaft: an die stelle der mit spärlichem eigenbetrieb verbundenen grundherrschaften trat die gutsherrschaft Schröder
rechtsgesch. 881; altdeutschland war das gebiet der
gr., das koloniale das der gutsherrschaft Conrad
hwb. d. staatswiss., erg.-bd. (1929) 449
a. 22)
bis in das frühe 16.
jh., vermutlich noch ins 15.,
reicht gr. zurück in der concreten bedeutung (
vgl.herrschaft 4),
in der regel collectiv '
die die herrschaft über grund und boden besitzenden und ausübenden personen oder körperschaften'
; ältere sprache verwendet dafür neben grundherr
das simplex herrschaft
vgl. österr. weisth. 5, 16
v. j. 1381; so soll ... unserm gotshausz als gruntherschafft unser straff gegen demselben verbrecher hiemit auch unbenommen sein (
v. j. 1529) v. Lori
sammlg. d. baier. bergrechts 189; mit vorwissen und willen bemelter gruntherrschaft zu st. Görgen (
v. j. 1534)
österr. weisth. 2, 163; erstlich hat kein obrigkeit noch landgericht auszer der gruntherrschaft mit fueg in dise dörfer zu greifen (
v. j. 1597) 10, 168; damit aber unter den landgerichten und grundherrschaften keine irrung sich ereignen möchte Hohberg
georg. cur. 1, 34; jeder hauswirth (
soll) ... einem ... gestrengen rath der königlichen haupt- und residenzstadt Breslau als
gr. dieses orthes ... allen unterthänigen gehorsam leisten
cod. dipl. Siles. 4, 125; das recht des bierbrauens übte in der regel die
gr. Raumer
gesch. d. Hohenst. 5, 373; auch eine strasze wurde von der
gr. über die heide gebaut Stifter
s. w. 1, 187; fällt dem bauer ein stück vieh, so musz die
gr. es ersetzen Moltke
ges. schr. 2, 152;
in zwillingsformeln: one bewilligung der grunt- oder lehensherrschaft (16.
jh.)
österr. weisth. 5, 664; der innere theil des thales, dessen grund- und gerichtsherrschaft einst das stift Sonnenburg gewesen Steub
drei sommer in Tirol 2, 379; gehorsam war früher der unterthan seiner grund- und gutsherrschaft schuldig gewesen Meinecke
gener. v. Boyen 2, 259;
personell gewendet: die
gr. ist der herr von Zorn Nicolai
reise d. Dtschld. 3, 18; wenn das die frau Cölestine wüszte ...; und meints noch so gut zu dir, die gnädige
gr. Holtei
erz. schr. 17, 152; i bewahre, ... unsere
gr. ist das gnädige fräulein Sybilla da drauszen Eichendorf
s. w. 3, 446
f. 33)
weniger häufig im territorialen sinne '
der bereich, bezirk einer gr.' (
vgl.herrschaft 3): auf diese weise zerfiel jede gröszere
gr. in eine anzahl hufenmäszig, nicht räumlich geschlossener meiereibezirke Conrad
hwb. d. staatswiss.4,
erg.-bd. (1929) 438
b; (
es) wurde ... hanf und flachs versponnen, ... in den klöstern wie auf den ... grundherrschaften Doren
Florentiner wolltuchindustr. 13; hier, sagte er, ... hört meine
gr. auf Holtei
erz. schr. 2, 242. —