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grundfeste

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grundfeste f.

Bd. 9, Sp. 801
grundfeste, f. im 16. u. frühen 17. jh. öfter, wohl von grund beeinfluszt, als m.: tzu lob und breis dem glauben als dem gruntfest P. Amnicola z. errettg. d. schwach. ordenspers. (1524) d 3a; dis ist der rechtschaffene gruntfeste christliches trosts J. Barth weiberspiegel (1565) p 2a; das wort gottes ist ... ein gewisser grundfest Joh. Mathesius Syrach (1586) 158a; es (ist) auch der wahre grund und apostolische grundfest J. Böhme 6, 176; eine uhrsach zum grundfest legen Schottel haubtspr. 421; selten als n.: die ihren reichthum auf nichts anders als auf fressen, saufen und lügen und also auf das sandige gr. legten Matth. Abele unordnung (1669) 2, 119, offenbar nach fundament; gr. ist ahd. und mhd. bezeugt, aber nicht mnl. mnd. nachgewiesen, vgl. Verwijs-Verdam 2, 2178; seit dem 16. jh. auch nl. nd.; als lehnwort im schwed. grundfäste schwed. wb. 10, 1014, vgl.n. wb. 7, 175 und Falk-Torp 353. herkunft und form. ahd. gruntfestî fundamentum Graff 3, 718; mhd. gruntveste; erst spätahd. gebildet, vgl. Notker cant. Habac. 3, 13 u. cant. deuteron. 32, 22, während er sonst wie das ältere ahd. eingedeutschtes phundement, fundiment beibehält, vgl. ps. 81, 5; 86, 1; 136, 7 u. fundamenta Tatian 67, 13; s. auch nidanentigi = fundamenta ahd. gl. 1, 467, 37; daneben mhd. gruntfestîn Graff 3, 719 und gruntvestene Beheims evang.-buch Luc. 6, 48; 14, 29; die alte pluralform mehrfach bis in das nhd. erhalten: diese heubter und grundfeste sind die könige Luther 19, 432 W., vgl. ps. 82, 5; die gruntvest der schwipogen Aventin s. w. 4, 1, 701; Widmann Fausts leben 444 K.; B. Schmolck schr. 2, 259; sonst auch im 16. jh. grundfesten. bedeutung und gebrauch. so deutlich gr. in den ältesten belegen lat. fundamentum entspricht, die anknüpfung an eine bestimmte bedeutung von grund ist nicht ohne weiteres gegeben, zumal grund IV im ahd. nicht bezeugt ist; doch wird man wie bei got. grunduwaddjus die (natürliche oder künstliche) befestigung als unterster fester theil bzw. träger einer körperlichen masse als ausgangsbedeutung anzusehen haben, also gr. zu grund I bzw. IV (nicht grund III wie de Vries - te Winkel 5, 1030) stellen; doch wird nachträglich die beziehung auf grund III 'erdboden' hergestellt (s. u. 2); mhd. geläufig für 'fundament' (s. u.), seit dem älteren nhd. mehr und mehr auf literarische sprache beschränkt, in jüngerer zeit nur in gehobener rede und in formelhaften verbindungen (s. u. 1 g β) gebraucht, aber noch fachsprachlich bewahrt (s. u. 1 d), vgl. Adelung (1775) 2, 828 u. de Vries-te Winkel a. a. o.; von der mundart kaum angenommen, vgl. nur Bacher Lusern 264; irrig ist Frankes (grundz. d. schriftspr. Luthers 2, 55) ansatz, gr. sei zur zeit Luthers ausschlieszlich md. bzw. md.-nd. und erst durch Luther in die nhd. schriftsprache gekommen, vgl. dazu grundvestin ordn. d. schul halben (Stuttg. 1501) bei Reyscher wttbg. gesetze 11, 2, 2; Keisersberg granatapfel (1510) e 2a; G. Alt buch d. chron. (1493) 23a; Hartlieb d. buch Ovidii v. d. liebe (1482) 69a. 11) grundfeste fundamentum Diefenbach 252a; nov. gl. 49b; 185b; Frisius 593b; noch nhd. als 'fundament, basis' eines dinges, namentlich 1@aa) eines bauwerkes, die als träger des gebäudes dienenden theile, steine, erdbefestigungen, pfahlwerk oder mauern: (der jaspis) ... lît zaller unterist an der geruntfeste unte habet ûf daz gerüste himml. Jerusalem 134 Waag; vgl. 55; vgl. bildliches: sie ne sculin zimberon ufen die χρς cruntfeste diutisca 3, 119 Graff; dar umbe daz dâ würde erhaben ein tiefe gruntveste wît, dar ûffe er wolte bî der zît ein münster bûwen schône Konr. v. Würzburg Silvester 1982 Gr.; der sîn hûs bûwit ûf die erden sunder gruntveste Beheims evang.-buch Luc. 6, 49; anno 1356 jar huob man an die grundvest zuo dem newen chor zuo unser frawen zuo dem tuomb Sigm. Meisterlin in chron. d. dtsch. st. 4, 308; palatio eine gr., an sumpfigten orten von lauter pfälen gemacht, do man wol gantze gebäu drauf aufführen kan Corvinus fons latin. (1646) 618; die grundveste soll sonst doppelt so dick seyn als die mauren Hohberg georg. cur. 1, 24; im 19. jh. meist pluralisch, in concreter bedeutung weniger häufig und als alterthümelnd anzusprechen: ein schlechtes gebäude, das ... ohne sichere grundfesten aufgeführt wird Chph. v. Schmid ges. schr. 11, 38; als die werkmeister ... die trümmer und grundfesten (des schlosses) untersuchten Grimm dtsche sagen 1, 16; er begann ... die grundfesten eines hauses aufwerfen zu lassen Stifter s. w. 2, 252 S., vgl. 117; auf den bau aber, auf die solidität der grundvesten kommt es an Hebbel w. 11, 285 W.; in älterer sprache gern der sing. collectiv verwendet für die 'fundamente einer stadt': diu stat wart zefüeret gar ... daz beleip kûme gruntveste obd. Servatius 1804 in zs. f. dt. alt. 5, 131; daselb setzet sie die grundtfest diser stat G. Alt buch d. cron. (1493) 23a; die mauren die vallend mit der gruntfest der statt erste dtsche bib. 4, 266; als (steinerner) unterbau im gegensatz zum oberen holzbau: ist diu gruntveste guot, so ist daz oberwerc wol behuot, daz ez niht mac gevallen Stricker Karl 1651; vgl. Thomasin w. gast 12024 f.; auch daz ober zimmer allweg schöner ist dann die gruntvest Hartlieb d. buch Ovidii v. d. liebe (1482) 69a; in ähnlichem sinne bildlich: (gott,) send mir ûz dîner gotheit sark die gruntvest und daz zimmer Kolmarer meisterl. 195, 4; (meister,) die daz ûzer gezimber griffen an; des innern zimbers er selbe phlac, Kristus, diu gruntveste dâ under lac Albertus s. Ulrichs leben 371 Schm.; dasz wie bei grundbau (vgl. sp. 755) nicht lediglich der in der erde liegende theil des mauerwerks als gr. aufgefaszt wird, ist selten deutlich: die grundvest des gemeuers war dreiszig schuech tief, achzig hoch Aventin s. w. 4, 94 (vgl. grundmauer); so ist die vorstellung auch in folg. stellen: des werden alle grundfeste des landes umbfallen ausleg. zu ps. 82, 5 B.-N. 3, 205; vgl. Hesekiel 30, 4; reisz alle grundfest um, auf die der mörder baut A. Gryphius trauersp. 542 Palm; als 'tiefenraum für die fundamente' grondveste fundamentum: fossa ubi fit substructio Kilian (1605) 163a; vgl. dazu die alte formel die gr. graben (u. 1 g α). 1@bb) vielfach in festen verbindungen, meist biblischer sprache entstammend, auf welt, erde, berge, himmel, hölle angewendet: auf das ... geoffenwart werden di gruntfesten der werld (fundamenta orbis terrarum) Joh. v. Neumarkt soliloqu. 11 Kl.; schon früher: dirre werlde gruntveste ob dem abgrunde was sein reste anegenge 2, 28; wo warstu, do ich saczt die gruntfesten der erden? Hans Folz meisterl. 100, 372 M. nach Hiob 38, 4; weil auch die grundfeste der erdn durch solches krachn bewogen werdn W. Alardus bei Fischer-Tümpel 2, 161; die grundvest der erde sind Jehovas (1. Sam. 2, 8 Luther der welt ende) Herder 12, 199 S.; die gr. aber des erdreichs wird sich müssen erschüttert ... haben Schottel friedenssieg 41 ndr.; die gruntveste des erdballs Fr. L. Jahn w. 2, 259 E.; (gott, du) urheber der grundfesten des landes G. Keller 5, 300; gr. der berge nach deuter. 32, 22: iz ... brennet die gruntfesti dero bergo Notker 2, 629; und (das feuer) verbrent die gruontfest der berg erste dtsche bib. 4, 238; vgl. 5. Mose 32, 22 u. psalm 18, 8 nach Luther; die grundveste der berge regeten sich und bebeten Widmann Fausts leben 444 K.; des schröcklichen gebürgs grundfest und eingewaid Weckherlin ged. 2, 41 F.; quellen, die der gr. dieses berges entströmen Pfeffel pros. vers. 1, 119; nach 2. Sam. 22, 8 gr. des himmels: was ist die erde? gr. des himmels J. H. Vosz krit. blätter 2, 134; ein dumpfes gebrülle ..., wovon die grundveste der hölle zittert Jung-Stilling s. schr. 2, 40; vgl.ut der helle gruntvesten Brun v. Schonebeck Theophilus 27 in nd. jahrb. 30, 128; vereinzelt als 'fester grund' gegenüber dem wasser, mit grund I sich berührend: der gestalt wird ... das meer alle seine grundveste entblöszen Meyfart himml. Jerusal. (1630) 2, 35. 1@cc) weniger häufig als 'basis, feste grundlage' anderer körperhafter dinge: basis grundvesti, swelle, bodem Diefenbach 69c; solum grundveste eines jeden dings Frisius 1222a; pfeiler mit iren erin gruntfesten (columnae decem cum basibus suis aeneae) erste dtsche bib. exod. 38, 12; die Augsburger drucke nach 1475 ändern gruntfesten in füssen ebda 3, 352; die noch jetzt auf ihren alten grundfesten stehende säule H. Meyer gesch. d. bild. 3, 229; noch Kinderling reinigk. d. dtsch. spr. 160 verdeutscht basis in gr.; hierher die verbindung gr. haben 'festen boden, standort haben': reht als ob ez (das schiff) dâ gruntvest hab und dâ gewurzelt sei Konrad v. Megenberg buch d. nat. 251 Pf.; won dú wurtze aller guoter wercke hat in dem hertzen ain gruntvesti d. sog. Georgener prediger 261 R.; ins geistige gewendet 'grundlage, berechtigung': hât daz gruntvesten, sô bin ich golt und golde und silber ist nieman holt Hugo v. Trimberg Renner 13369 E.; ähnlich gr. geben, 'grundlage, gewiszheit' verschaffen: welches doch gleichwol, die warheit zu bekennen, noch gar keine gr. gibt: zumal, weil hingegen andere behaupten wolten, er wäre an einer magenkrankheit gestorben E. Francisci schau- u. ehrenpl. (1684) 17. 1@dd) gr. als 'feste unterlage' ist in älterer handwerkersprache mehrfach terminologisch geworden; hierher stellt sich gruntvest von holtz geschlagen loramentum Diefenbach 336b; gesmeid, pintung, grundfest loramentum nov. gl. 239a; gruntveste, hauptseul columen (textoris) gl. 134a, vgl. th. 8, 65; in der wassermüllerei: 'auszer dasz es (das wort) noch bey den wassermühlen vorkommt, wo die mahlpfähle ihre grundfesten haben' Adelung (1775) 2, 828; bei den buchdruckern: gr. heist ... die metallene platte, worauf die formenweise abgesetzten ... schriften gestellet werden Noel Chomel 4, 1387; in medizinischer sprache bis ins 17. jh., wenn auch kaum eigentlich fachsprachlich: reht als die kruspeln in anderen glidern ain gruntvest sint Konrad v. Megenberg b. d. natur 137, 4, vgl. 130, 25; auch ist der ruck ein grundfest aller pein, dy darin gepflanczt sein Aristotelis problem. (1492) 12a, wo aber gr. 2 hereinkreuzt; gruntvest als 'schädelbasis' Hyrtl kunstw. d. anatom. 181, vgl.het (wiggebeen is) een deel ... van der herssenen grontvest (v. 1660) bei de Vries-te Winkel 5, 1001; vergleichbar: die knochen (sind) die grundfesten der bildung (des schädels) Göthe 37, 347 W.; gelegentlich auch uneigentlicher: die grundfest des weins (ist) die hefen Lehman florileg. polit. (1662) 3, 375; vgl. wesenkait, grunt, gruntfeste substantia Diefenbach 561c. 1@ee) ausgebreiteter als eigentlicher gebrauch ist namentlich in neuerer sprache eine abgeblasztere verwendung im sinne von 'grundlage, stütze'; aber stärker als bei grund IV A 2 bleibt bei gr. der bildcharakter spürbar; vgl. gruntfestin firmamentum Diefenbach 236b. 1@e@aα) vielfach auf dinge, zustände und einrichtungen bezogen: es (abenteuer) ist auch noch das peste und desz puches grundfeste Heinr. v. Neustadt Apollonius 2302 S.; wie auch das alte testament die grundfest ist des newen testaments Mathesius ausg. w. 3, 292; das gantze hochlöbliche haus in Osterreich, welches gott ... zur stütze und gr. der baufälligen römischen monarchi verordnet H. Rätel chron. d. hztm. Schlesien (1607) 266; die grundfesten des kriegs, sagte er (Karl V.), weren gelt, proviant, soldaten Zinkgref apophthegm. (1628) 101; der mittelstand, ... diese eigentliche ... gr. aller freyen verfassungen Pestalozzi s. schr. 6, 109; die territoriale abgrenzung ist eine der beiden grundvesten der Raiffeisenschen organisationen hwb. d. staatswiss.2 3, 120; auch in abstracteren bezirken: reht ... ist eine sture und eine gruntfeste aller guten dinge keyserrecht (hs. v. 1372) 1 Endemann; der hailig cristenlich gelaub ist die grundvest, dar auf du besteen muost Keisersberg granatapfel (1510) e 2a; gehorsam der unterthanen ... ist eines lands und stands grundfest Lehman florileg. polit. (1662) 1, 273; eine lautere, vernünftige religion (sey) die grundveste der thronen und staaten Herder 1, 22 S.; ordnung und recht (sey) die gr. der gesellschaft Wieland I 2, 362 akad. ausg. 1@e@bβ) häufig von ethischen und geistigen werthen oder mängeln, die einander bedingen; 'grundlage, voraussetzung': davon schetz ich einn steten muot ein gruntfest wol der ere H. v. Montfort 18, 222; die demutikgait sol unser gruntvest sein Tauler sermones (1508) 95b; ein grundtfest rechter tugent ist demütigkeit on argen list Petrarcas zwei trostbücher (1559) 7b; 'grundlage des wissens, der lehre' u. ä.: gramatica, gruntfeste aller guten rede, enhilfet do nicht ackermann a. Böhmen 61 B.; die kunstmeszige anweisung, welche nicht ohn arbeit und erkundigung anderer sprachen die rechten gr. einzurichten bemühet ist Schottel haubtspr. 10; aller weisheit gr. (ist) ein gutter, natürlicher verstand Butschky Pathmos 78; Cartesius setzte mit recht als die grundveste alles nachdenkens den schlusz voraus Moses Mendelssohn ges. schr. 2, 276; so ruht der styl auf den tiefsten grundfesten der erkenntnisz, auf dem wesen der dinge Göthe 47, 80 W.; gewiszheit bleibe die ewige grundveste des menschlichen geistes Herder 5, 457 S.; ähnlich: glaubet man in der that, dasz die poesie mit der zauberkunst eine gleiche gr. habe? Bodmer samml. crit.-poet. schr. 2, 113. 1@e@gγ) vorwiegend älterer sprache ist übertragung auf personen eigen; besonders, aber nicht ausschlieszlich in religiöser sprache, hier wohl ausgehend von Eph. 2, 20; danck sag ich dir herr Jhesu Criste, du firmament und gr. der engel der hertzmaner (1495) 55a; ihr (der theologie) fundament und grundfest ist Christus Luther tischr. 1, 72 W.; er (Christus) ist die grundfest und der felsz ein könig worden unsers heils Kirchhof wendunm. 3, 423 Ö.; der du (gott) unfehlbar bist, die grundvest und verstand Opitz opera (1645 f.) 3, 237; im anschlusz an Matth. 16, 18: Peter war der êrst pâpst und ain gruntvest des hailigen rœmischen stuols K. v. Megenberg b. d. natur 217, 4; er (Jesus) und seine nachkomen die bischof zuo Rom, ein grundvest der kirchen Schade sat. u. pasqu. 2, 15; danach: zem keiser sprach er alsô: gruntveste der kristenheit ... Stricker Karl 1849; vgl. Reinmar v. Zweter 136, 3 R.; mehr im sinne 'bewahrer, urheber' beim bezug auf persönliche eigenschaften: (Maria) dû gruntvest stæter triuwen Reinmar v. Zweter 21, 6 R.; her (Luppolt) mochte uns immer rouwen, her ist gruntveste allir trouwin Rother 4206 Rückert; (Maria) du gruntfest aller guten handelung Hans Folz meisterl. 30, 40 M.; fast im sinne 'repräsentant': (Salomo,) den got ... hat irchorn ze gruntveste allir wisheit Rudolf v. Ems weltchr. 28999. 1@ff) ältere sprache geht in der auflösung des wortes zum abstracten noch weiter, vor allem im 15. 16. jh.; die einzelnen entwicklungszweige sind deutlich abhängig von denen des synonymen grund IV. 1@f@aα) gr. wie 'grundsatz, grundprincip' verwendet: was die heylige facultet zu Parys thut, das ist so vill als eyn artickel und grundfest des glaubens Luther 8, 543 W.; (ich) hon ... im yngang mynes urtails ain gemaine regel, grundtfestin, verfertigung, beschaid ... gemacht Joh. Reuchlin verstentnusz (1512) a 2b; sein nicht in ainer ygklichen kunst gemayne regel und gründtfäst Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 48; die prima principia, das ist die grundtfesten christlich glaubens Judas Nazarei v. alt. u. neuen gott 9 ndr.; dann vergeblich disputiert man wider diejenigen, welche die principia oder grundveste leugnen J. F. Castillioneus grundtveste d. wahren lehr christl. relig. (1597) 13a. 1@f@bβ) als 'beweisstück, argument': bewisunge, gruntvestene, urkunde argumentum K. v. Heinrichau vocab. 385a Gusinde; vgl. Diefenbach 47c; dann es (die zeugenaussage) gar ein herrlichs guts und starcks argument und grundfest ist Ayrer hist. proc. juris (1600) 373; hab ich als ain gr. und urkund unsrers ... christlichen glabens ... voran setzen wellen J. Keszler sabbata 1, 9 Götzinger (1866); das künigkliche wort billich hand- und grundfest sin söltend 100; anders, etwa 'document': die ersten fünf püecher in der bibel ..., ein grundvest aller göttlichen haimlikait Aventin s. w. 4, 155; ähnlich als 'grundlegende urkunde' bereits vereinzelt mhd.: sin (Christus) aygen pluot schraib den brief unser gruntfeste Wernher Maria a 4579 (s. 237) Wesle; unser gruntfeste und privilegia zu vernichten (v. j. 1496) acten der ständetage Preuszens 5, 420. 1@f@gγ) an den gebrauch von gr. 1 e β anknüpfend, aber doch fühlbar unterschieden, entwickelt sich die verwendung 'ursprung, ursache, wurzel', auch 'anfang', öfter in zwillingsformeln; nach 1. Thim. 6, 10: wan unmæzzige erge ist gruntveste aller ubele vom rechte v. 320 in Waag kl. dt. ged.2 80; swer gîtekeit und erge hât, deist gruntvest aller missetât Freidank 91, 2 Gr.; vgl. Rud. v. Ems Barlaam 267, 5 Pf.; diz ist noch ein wurzele und ein gruntfestene alles krîges mystiker 1, 44 Pfeiffer; die wurczel und grundfest aller einigkeit, ... die gleichheit acta publica 2, 53 Palm; seine schriften ... schmeckend nach etlichen angezognen törechtigen und ungesaltznen ursachen und grundvesten, die von der warheit gäntzlich frembd seind M. Pegius geburtsstundenbuch (1570) V v 2a; artzney, ... die der kranckheyt gr. hinweg neme S. Franck weltb. (1534) 11a; wie nun kunig Heinrichs sachen ain anfang und ein grundtfeste, also ist auch das ende hernach gefolgt zimmerische chron.2 4, 195 B.; ain anfang und gleichsam ain gr. der weisheit G. Frölich Stobäi scharpfsinn. spr. (1551) 131. 1@gg) gr. tritt in einer reihe typischer und formelhafter verbalverbindungen auf. 1@g@aα) auf den beginn des bauens mit der herstellung der gr. beziehen sich: die gr. graben (vgl.den grund graben IV A 3 a sp. 705), im ganzen wenig häufig: 'den erdraum der gr. ausheben' (vgl. oben a schlusz); bereits mhd. vgl. Jans Enikel weltchron. 24508 Str., vgl. 24511; und man gefunden hat (einen schädel), da man die grundvest grueb (des capitols) Aventin s. w. 4, 279; (es) hiesz ..., dasz schon gebaut werde, ... und dasz man bereits die grundfesten grabe Stifter 2, 252 S.; viel häufiger, aber mehr bildlich als im eigentlichen sinne verwendet und in neuerer sprache zurückgehend: die gr. legen, setzen, bauen: wizzet daz er tiefe legen sol der diumüete gruntveste Thomasin v. Zircl. welsche gast 12024; dû hâst nû der kristenheit eine gruntveste geleit Rudolf v. Ems Barlaam 175, 4 Pf.; nach Luc. 6, 48 der ... sîne (des hauses) gruntvestene gelegit hât ûf einen stein Beheims evang.-buch 131; es ist nicht ein vestes gepeude, do der wille gruntvest gelegt hat bei A. Zycha böhm. bergrecht d. m.-a. 2, 71; nhd. überwiegend pluralisch: dargegen sollen die stände ... zu einer grundfesten dess gantzen friedenswerck gelegt (werden) Harsdörfer secret. 2, 308; neue gebäude auf den von ihnen (Wolf und Leibnitz) gelegten grundfesten (aufrichten) Schwabe belust. 8, 64; (die asen) suchten ... den fernsten norden ... auf, um dort ... die grundvesten ihrer macht zu legen dtsches museum 4, 323 Fr. Schlegel; als variante zu guten grund legen (vgl. sp. 706) 'tüchtig essen': dann ist gut grundfest legen und auf ein sechspfündigen schuncken viermäszig getruncken Fischart praktik (1623) 66; seltener und in neuerer sprache ungebräuchlich setzen: und setzt die gruntfesten (des hauses) auf einen stein erste dtsche bib. 1, 227; s. Domitianus (hat) ... die ersten grundvesten der kirchen zu M. gesetzt H. Megiser annal. Carinthiae (1612) 10; biss widersprochen ist den neidern und gruntfest gesetzt und haidenschaft zurucken geschoben Sigm. Meisterlin in chron. d. dtsch. städte 3, 56; Sigismundus (wollte) die grundtveste seines throns allain auf die mildigkeit setzen v. Brandis ehrenkr. (1678) 169; vereinzelt bauen: alle die ir grundfest nit eynigk und alleyn uff den starken velsen Christum bawhen H. v. Cronberg schr. 76 ndr. 1@g@bβ) auf das zerstören oder gefährden bzw. gefährdet sein der gr. zielen verbindungen wie die gr. aus (der erde) brechen, graben, untergraben u. ä., die keine gröszere ausbreitung gewonnen haben: die gruntveste er in sît ûz der erde brach kaiserchron. 7269 Schr.; (er gebot) ... graben die gruntveste ûz der erde Rudolf v. Ems Barlaam 339, 13 Pf.; Euhemerus ..., welcher die gr. der pöbelhaften religion untergrub Gottsched neuest. 7, 931; er suchte ... die grundfesten der ehrfurcht zu untergraben Schiller 4, 123 G.; nhd. sprache bis in die gegenwart geläufig und heute nahezu die einzige formelhaft feste anwendung von gr. überhaupt ist die verbindung mit intr. verben wie beben, erbeben, schwanken, wanken, insbesondere aber mit trans. erschüttern; intr. verba: das sich bewegeten die gr. des gefengnis apostelgesch. 16, 26; das die grundfesten des landes darüber erbidmen Joh. Mathesius Sarepta (1571) 98a; Constantinopel und Rom erbebten in ihren grundfesten E. M. Arndt ansicht. (1814) 154; die gr. des hauses zitterte Klinger w. 3, 14; wenn es (das königreich) hoft stehn am besten, so macht er schwancken ir grundvesten Hans Sachs 20, 417 K.-G.; ihre (der warte) grundvesten schwankten Fouqué zauberring 2, 187; dreymahl wankte ihre (der erde) gr. Falk satiren 2, 264; in den tagen der noth, da Österreich in seinen grundfesten schwankte jahrb. d. Grillparzerges. 2, 330; trans. vor allem (seit dem 17. jh.) erschüttern: (die teufel) erschüttern die fundamenta und gr. an den gebäuen Prätorius anthropod. pluton. (1666) 1, 92; die gr. ... des erdreichs wird sich müssen erschüttert haben Schottel friedenssieg 41 ndr.; wenn bald der komet ... mit der erde das zweytemal ringt und die grundfest erschüttert Bodmer Noah (1752) 317; welche (bücher) ... die grundveste desselben (des christenthums) erschüttern Nicolai literaturbr. 2, 236; der bürgerkrieg ..., welcher Frankreich unter vier ... regierungen in seinen grundvesten erschütterte Schiller 8, 3 G.; wir hatten das gefüge des feindlichen widerstandes bis in seine grundfesten erschüttert Hindenburg a. m. leben (1920) 334. 22) nur vereinzelt und nicht immer völlig deutlich hat ältere sprache gr. an grund II A 2 b angeknüpft und als 'fester erdboden' verstanden; so noch Henisch 1765: grund, die grundtfeste, das veste erdrich von natur, darauf der bau gesetzt wird solidum, soliditas, wo unter gr. eine tiefere feste bodenschicht verstanden zu sein scheint, vgl. ein fundament bisz auf die gr. graben 1767; ähnlich schon mhd.: (der ochse) speldet ... den vuz ..., so daz her durch daz weiche den vasten grunt gereiche, da zu daz her vaste dan ste. sam tut der lerer in der e; der vert zu der gruntveste ... Heinr. v. Hesler apokalypse 8457 H.; etwas anders als der 'feste erdboden' im gegensatz zum wasser: er sprach 'nu werde sundir wazzir von der erde daz si truchen werde. diu gruntveste si geschaffet die stetten sin gemachet, dei wazzir da enzwischen rinnen Milst. genesis 2, 31 Diemer. 33) gr. als name einer pflanze; für 'wiesenpippau' = crepis biennis L. Hegi ill. flora v. mitteleuropa 6, 2, 1162; nach Pritzel-Jessen für den 'dachpippau' = crepis tectorum L. in Thüringen üblich 118; andere wenden gr. auf alle arten der gattung crepis an v. Perger stud. üb. d. dtsch. namen d. pfl. 1, 234; der name ist nicht über das 18. jh. hinaus zurückzuverfolgen, vgl. C. F. Reusz dict. botan. (1781) und wohl kaum volksthümlich, vgl. Fischer schwäb. 3, 876; Adelung (1775) 2, 828 erklärt: 'z. th. am strand wachsend und ihn bindend und festmachend', was aber nur für crepis tectorum gilt, vgl. Hegi a. a. o. 1167.
23600 Zeichen · 685 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grundfêste

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Grundfêste , plur. die -n. 1) Der Grund eines Gebäudes, worauf dessen Festigkeit beruhet, in der höhern Schreibart. …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grundfeste

    Goethe-Wörterbuch

    Grundfeste auch -v- (Schreiberh); meist pl stabiles Fundament, tragendes Element; vorwiegend in (abgeblaßter) Bildlichke…

  3. modern
    Dialekt
    Grundfestef.

    Mecklenburgisches Wb.

    Grundfeste f. ä. Spr. Grundlage: fundamentum 'grundfeste, Fundament' Chytr. 398.

  4. Spezial
    Grundfeste

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Grund|fes|te f. (-,-n) fondamëntes f.pl. ▬ das Haus ist bis auf die Grundfeste n abgebrannt la ciasa é vardüda jö cina s…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grundfeste

1 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von grundfeste

grundfest + -e

grundfeste leitet sich vom Lemma grundfest ab mit Suffix -e.

Zerlegung von grundfeste 2 Komponenten

grund+feste

grundfeste setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

grundfeste‑ als Erstglied (1 von 1)

grundfesten

FWB

1. ›etw. auf ein Fundament aufbauen‹.; 2. ›etw. in stabiler Weise auf etw. gründen, basieren; etw. stabilisieren, sichern; etw. fest veranke…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „grundfeste". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grundfeste/dwb?formid=G31033
MLA
Cotta, Marcel. „grundfeste". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grundfeste/dwb?formid=G31033. Abgerufen 18. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „grundfeste". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grundfeste/dwb?formid=G31033.
BibTeX
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  title        = {„grundfeste"},
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