grundfeste,
f. im 16.
u. frühen 17.
jh. öfter, wohl von grund
beeinfluszt, als m.: tzu lob und breis dem glauben als dem gruntfest P. Amnicola
z. errettg. d. schwach. ordenspers. (1524) d 3
a; dis ist der rechtschaffene gruntfeste christliches trosts J. Barth
weiberspiegel (1565) p 2
a; das wort gottes ist ...
ein gewisser grundfest Joh. Mathesius
Syrach (1586) 158
a; es (
ist)
auch der wahre grund und apostolische grundfest J. Böhme 6, 176; eine uhrsach zum grundfest legen Schottel
haubtspr. 421;
selten als n.: die ihren reichthum auf nichts anders als auf fressen, saufen und lügen und also auf das sandige
gr. legten Matth. Abele
unordnung (1669) 2, 119,
offenbar nach fundament;
gr. ist ahd. und mhd. bezeugt, aber nicht mnl. mnd. nachgewiesen, vgl. Verwijs-Verdam 2, 2178;
seit dem 16.
jh. auch nl. nd.; als lehnwort im schwed. grundfäste
schwed. wb. 10, 1014,
vgl. dän. wb. 7, 175
und Falk-Torp 353.
herkunft und form. ahd. gruntfestî
fundamentum Graff 3, 718;
mhd. gruntveste;
erst spätahd. gebildet, vgl. Notker
cant. Habac. 3, 13
u. cant. deuteron. 32, 22,
während er sonst wie das ältere ahd. eingedeutschtes phundement, fundiment
beibehält, vgl. ps. 81, 5; 86, 1; 136, 7
u. fundamenta
Tatian 67, 13;
s. auch nidanentigi =
fundamenta ahd. gl. 1, 467, 37;
daneben mhd. gruntfestîn Graff 3, 719
und gruntvestene
Beheims evang.-buch Luc. 6, 48; 14, 29;
die alte pluralform mehrfach bis in das nhd. erhalten: diese heubter und grundfeste sind die könige Luther 19, 432
W., vgl. ps. 82, 5; die gruntvest der schwipogen Aventin
s. w. 4, 1, 701; Widmann
Fausts leben 444
K.; B. Schmolck
schr. 2, 259;
sonst auch im 16.
jh. grundfesten.
bedeutung und gebrauch. so deutlich gr. in den ältesten belegen lat. fundamentum entspricht, die anknüpfung an eine bestimmte bedeutung von grund
ist nicht ohne weiteres gegeben, zumal grund IV
im ahd. nicht bezeugt ist; doch wird man wie bei got. grunduwaddjus
die (
natürliche oder künstliche)
befestigung als unterster fester theil bzw. träger einer körperlichen masse als ausgangsbedeutung anzusehen haben, also gr. zu grund I
bzw. IV (
nicht grund III
wie de Vries - te Winkel 5, 1030)
stellen; doch wird nachträglich die beziehung auf grund III '
erdboden'
hergestellt (
s. u. 2);
mhd. geläufig für '
fundament' (
s. u.),
seit dem älteren nhd. mehr und mehr auf literarische sprache beschränkt, in jüngerer zeit nur in gehobener rede und in formelhaften verbindungen (
s. u. 1 g
β)
gebraucht, aber noch fachsprachlich bewahrt (
s. u. 1 d),
vgl. Adelung (1775) 2, 828
u. de Vries-te Winkel
a. a. o.; von der mundart kaum angenommen,
vgl. nur Bacher
Lusern 264;
irrig ist Frankes (
grundz. d. schriftspr. Luthers 2, 55)
ansatz, gr. sei zur zeit Luthers ausschlieszlich md. bzw. md.-nd. und erst durch Luther in die nhd. schriftsprache gekommen, vgl. dazu grundvestin
ordn. d. schul halben (
Stuttg. 1501)
bei Reyscher
wttbg. gesetze 11, 2, 2; Keisersberg
granatapfel (1510) e 2
a; G. Alt
buch d. chron. (1493) 23
a; Hartlieb
d. buch Ovidii v. d. liebe (1482) 69
a. 11) grundfeste
fundamentum Diefenbach 252
a;
nov. gl. 49
b; 185
b; Frisius 593
b;
noch nhd. als '
fundament, basis'
eines dinges, namentlich 1@aa)
eines bauwerkes, die als träger des gebäudes dienenden theile, steine, erdbefestigungen, pfahlwerk oder mauern: (
der jaspis) ... lît zaller unterist an der geruntfeste unte habet ûf daz gerüste
himml. Jerusalem 134
Waag; vgl. 55;
vgl. bildliches: sie ne sculin zimberon ufen die
χρς cruntfeste
diutisca 3, 119
Graff; dar umbe daz dâ würde erhaben ein tiefe gruntveste wît, dar ûffe er wolte bî der zît ein münster bûwen schône Konr. v. Würzburg
Silvester 1982
Gr.; der sîn hûs bûwit ûf die erden sunder gruntveste
Beheims evang.-buch Luc. 6, 49; anno 1356 jar huob man an die grundvest zuo dem newen chor zuo unser frawen zuo dem tuomb Sigm. Meisterlin
in chron. d. dtsch. st. 4, 308;
palatio eine
gr., an sumpfigten orten von lauter pfälen gemacht, do man wol gantze gebäu drauf aufführen kan Corvinus
fons latin. (1646) 618; die grundveste soll sonst doppelt so dick seyn als die mauren Hohberg
georg. cur. 1, 24;
im 19.
jh. meist pluralisch, in concreter bedeutung weniger häufig und als alterthümelnd anzusprechen: ein schlechtes gebäude, das ... ohne sichere grundfesten aufgeführt wird Chph. v. Schmid
ges. schr. 11, 38; als die werkmeister ... die trümmer und grundfesten (
des schlosses) untersuchten Grimm
dtsche sagen 1, 16; er begann ... die grundfesten eines hauses aufwerfen zu lassen Stifter
s. w. 2, 252
S., vgl. 117; auf den bau aber, auf die solidität der grundvesten kommt es an Hebbel
w. 11, 285
W.; in älterer sprache gern der sing. collectiv verwendet für die '
fundamente einer stadt': diu stat wart zefüeret gar ... daz beleip kûme gruntveste
obd. Servatius 1804
in zs. f. dt. alt. 5, 131; daselb setzet sie die grundtfest diser stat G. Alt
buch d. cron. (1493) 23
a; die mauren die vallend mit der gruntfest der statt
erste dtsche bib. 4, 266;
als (
steinerner)
unterbau im gegensatz zum oberen holzbau: ist diu gruntveste guot, so ist daz oberwerc wol behuot, daz ez niht mac gevallen Stricker
Karl 1651;
vgl. Thomasin
w. gast 12024
f.; auch daz ober zimmer allweg schöner ist dann die gruntvest Hartlieb
d. buch Ovidii v. d. liebe (1482) 69
a;
in ähnlichem sinne bildlich: (
gott,) send mir ûz dîner gotheit sark die gruntvest und daz zimmer
Kolmarer meisterl. 195, 4; (
meister,) die daz ûzer gezimber griffen an; des innern zimbers er selbe phlac, Kristus, diu gruntveste dâ under lac Albertus
s. Ulrichs leben 371
Schm.; dasz wie bei grundbau (
vgl. sp. 755)
nicht lediglich der in der erde liegende theil des mauerwerks als gr. aufgefaszt wird, ist selten deutlich: die grundvest des gemeuers war dreiszig schuech tief, achzig hoch Aventin
s. w. 4, 94 (
vgl. grundmauer);
so ist die vorstellung auch in folg. stellen: des werden alle grundfeste des landes umbfallen
ausleg. zu ps. 82, 5
B.-N. 3, 205;
vgl. Hesekiel 30, 4; reisz alle grundfest um, auf die der mörder baut A. Gryphius
trauersp. 542
Palm; als '
tiefenraum für die fundamente' grondveste
fundamentum: fossa ubi fit substructio Kilian (1605) 163
a;
vgl. dazu die alte formel die
gr. graben (
u. 1 g
α). 1@bb)
vielfach in festen verbindungen, meist biblischer sprache entstammend, auf welt, erde, berge, himmel, hölle
angewendet: auf das ... geoffenwart werden di gruntfesten der werld (
fundamenta orbis terrarum) Joh. v. Neumarkt
soliloqu. 11
Kl.; schon früher: dirre werlde gruntveste ob dem abgrunde was sein reste
anegenge 2, 28; wo warstu, do ich saczt die gruntfesten der erden? Hans Folz
meisterl. 100, 372
M. nach Hiob 38, 4; weil auch die grundfeste der erdn durch solches krachn bewogen werdn W. Alardus
bei Fischer-Tümpel 2, 161; die grundvest der erde sind Jehovas (
1. Sam. 2, 8 Luther der welt ende) Herder 12, 199
S.; die
gr. aber des erdreichs wird sich müssen erschüttert ... haben Schottel
friedenssieg 41
ndr.; die gruntveste des erdballs Fr. L. Jahn
w. 2, 259
E.; (
gott, du) urheber der grundfesten des landes G. Keller 5, 300;
gr. der berge
nach deuter. 32, 22: iz ... brennet die gruntfesti dero bergo Notker 2, 629; und (
das feuer) verbrent die gruontfest der berg
erste dtsche bib. 4, 238;
vgl. 5. Mose 32, 22
u. psalm 18, 8
nach Luther; die grundveste der berge regeten sich und bebeten Widmann
Fausts leben 444
K.; des schröcklichen gebürgs grundfest und eingewaid Weckherlin
ged. 2, 41
F.; quellen, die der
gr. dieses berges entströmen Pfeffel
pros. vers. 1, 119;
nach 2. Sam. 22, 8
gr. des himmels: was ist die erde?
gr. des himmels J. H. Vosz
krit. blätter 2, 134; ein dumpfes gebrülle ..., wovon die grundveste der hölle zittert Jung-Stilling
s. schr. 2, 40;
vgl.ut der helle gruntvesten Brun v. Schonebeck
Theophilus 27
in nd. jahrb. 30, 128;
vereinzelt als '
fester grund'
gegenüber dem wasser, mit grund I
sich berührend: der gestalt wird ... das meer alle seine grundveste entblöszen Meyfart
himml. Jerusal. (1630) 2, 35. 1@cc)
weniger häufig als '
basis, feste grundlage'
anderer körperhafter dinge: basis grundvesti, swelle, bodem Diefenbach 69
c;
solum grundveste eines jeden dings Frisius 1222
a; pfeiler mit iren erin gruntfesten (
columnae decem cum basibus suis aeneae)
erste dtsche bib. exod. 38, 12;
die Augsburger drucke nach 1475
ändern gruntfesten
in füssen
ebda 3, 352; die noch jetzt auf ihren alten grundfesten stehende säule H. Meyer
gesch. d. bild. 3, 229;
noch Kinderling
reinigk. d. dtsch. spr. 160
verdeutscht basis
in gr.;
hierher die verbindung gr. haben '
festen boden, standort haben': reht als ob ez (
das schiff) dâ gruntvest hab und dâ gewurzelt sei Konrad v. Megenberg
buch d. nat. 251
Pf.; won dú wurtze aller guoter wercke hat in dem hertzen ain gruntvesti
d. sog. Georgener prediger 261
R.; ins geistige gewendet '
grundlage, berechtigung': hât daz gruntvesten, sô bin ich golt und golde und silber ist nieman holt Hugo v. Trimberg
Renner 13369
E.; ähnlich gr. geben, '
grundlage, gewiszheit'
verschaffen: welches doch gleichwol, die warheit zu bekennen, noch gar keine
gr. gibt: zumal, weil hingegen andere behaupten wolten, er wäre an einer magenkrankheit gestorben E. Francisci
schau- u. ehrenpl. (1684) 17. 1@dd)
gr. als '
feste unterlage'
ist in älterer handwerkersprache mehrfach terminologisch geworden; hierher stellt sich gruntvest von holtz geschlagen
loramentum Diefenbach 336
b; gesmeid, pintung, grundfest
loramentum nov. gl. 239
a; gruntveste, hauptseul
columen (
textoris)
gl. 134
a,
vgl. th. 8, 65;
in der wassermüllerei: '
auszer dasz es (
das wort)
noch bey den wassermühlen vorkommt, wo die mahlpfähle ihre grundfesten
haben' Adelung (1775) 2, 828;
bei den buchdruckern: gr. heist ... die metallene platte, worauf die formenweise abgesetzten ... schriften gestellet werden
Noel Chomel 4, 1387;
in medizinischer sprache bis ins 17.
jh., wenn auch kaum eigentlich fachsprachlich: reht als die kruspeln in anderen glidern ain gruntvest sint Konrad v. Megenberg
b. d. natur 137, 4,
vgl. 130, 25; auch ist der ruck ein grundfest aller pein, dy darin gepflanczt sein
Aristotelis problem. (1492) 12
a,
wo aber gr. 2
hereinkreuzt; gruntvest
als '
schädelbasis' Hyrtl
kunstw. d. anatom. 181,
vgl.het (wiggebeen is) een deel ... van der herssenen grontvest (
v. 1660)
bei de Vries-te Winkel 5, 1001;
vergleichbar: die knochen (
sind) die grundfesten der bildung (
des schädels) Göthe 37, 347
W.; gelegentlich auch uneigentlicher: die grundfest des weins (
ist) die hefen Lehman
florileg. polit. (1662) 3, 375;
vgl. wesenkait, grunt, gruntfeste
substantia Diefenbach 561
c. 1@ee)
ausgebreiteter als eigentlicher gebrauch ist namentlich in neuerer sprache eine abgeblasztere verwendung im sinne von '
grundlage, stütze'
; aber stärker als bei grund IV A 2
bleibt bei gr. der bildcharakter spürbar; vgl. gruntfestin
firmamentum Diefenbach 236
b. 1@e@aα)
vielfach auf dinge, zustände und einrichtungen bezogen: es (
abenteuer) ist auch noch das peste und desz puches grundfeste Heinr. v. Neustadt
Apollonius 2302
S.; wie auch das alte testament die grundfest ist des newen testaments Mathesius
ausg. w. 3, 292; das gantze hochlöbliche haus in Osterreich, welches gott ... zur stütze und
gr. der baufälligen römischen monarchi verordnet H. Rätel
chron. d. hztm. Schlesien (1607) 266; die grundfesten des kriegs, sagte er (
Karl V.), weren gelt, proviant, soldaten Zinkgref
apophthegm. (1628) 101; der mittelstand, ... diese eigentliche ...
gr. aller freyen verfassungen Pestalozzi
s. schr. 6, 109; die territoriale abgrenzung ist eine der beiden grundvesten der Raiffeisenschen organisationen
hwb. d. staatswiss.2 3, 120;
auch in abstracteren bezirken: reht ... ist eine sture und eine gruntfeste aller guten dinge
keyserrecht (
hs. v. 1372) 1
Endemann; der hailig cristenlich gelaub ist die grundvest, dar auf du besteen muost Keisersberg
granatapfel (1510) e 2
a; gehorsam der unterthanen ... ist eines lands und stands grundfest Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 273; eine lautere, vernünftige religion (sey) die grundveste der thronen und staaten Herder 1, 22
S.; ordnung und recht (sey) die
gr. der gesellschaft Wieland I 2, 362
akad. ausg. 1@e@bβ)
häufig von ethischen und geistigen werthen oder mängeln, die einander bedingen; '
grundlage, voraussetzung': davon schetz ich einn steten muot ein gruntfest wol der ere H. v. Montfort 18, 222; die demutikgait sol unser gruntvest sein Tauler
sermones (1508) 95
b; ein grundtfest rechter tugent ist demütigkeit on argen list
Petrarcas zwei trostbücher (1559) 7
b; '
grundlage des wissens, der lehre'
u. ä.: gramatica, gruntfeste aller guten rede, enhilfet do nicht
ackermann a. Böhmen 61
B.; die kunstmeszige anweisung, welche nicht ohn arbeit und erkundigung anderer sprachen die rechten
gr. einzurichten bemühet ist Schottel
haubtspr. 10; aller weisheit
gr. (
ist) ein gutter, natürlicher verstand Butschky
Pathmos 78; Cartesius setzte mit recht als die grundveste alles nachdenkens den schlusz voraus Moses Mendelssohn
ges. schr. 2, 276; so ruht der styl auf den tiefsten grundfesten der erkenntnisz, auf dem wesen der dinge Göthe 47, 80
W.; gewiszheit bleibe die ewige grundveste des menschlichen geistes Herder 5, 457
S.; ähnlich: glaubet man in der that, dasz die poesie mit der zauberkunst eine gleiche
gr. habe? Bodmer
samml. crit.-poet. schr. 2, 113. 1@e@gγ)
vorwiegend älterer sprache ist übertragung auf personen eigen; besonders, aber nicht ausschlieszlich in religiöser sprache, hier wohl ausgehend von Eph. 2, 20; danck sag ich dir herr Jhesu Criste, du firmament und
gr. der engel
der hertzmaner (1495) 55
a; ihr (
der theologie) fundament und grundfest ist Christus Luther
tischr. 1, 72
W.; er (
Christus) ist die grundfest und der felsz ein könig worden unsers heils Kirchhof
wendunm. 3, 423
Ö.; der du (
gott) unfehlbar bist, die grundvest und verstand Opitz
opera (1645
f.) 3, 237;
im anschlusz an Matth. 16, 18: Peter war der êrst pâpst und ain gruntvest des hailigen rœmischen stuols K. v. Megenberg
b. d. natur 217, 4; er (
Jesus) und seine nachkomen die bischof zuo Rom, ein grundvest der kirchen Schade
sat. u. pasqu. 2, 15;
danach: zem keiser sprach er alsô: gruntveste der kristenheit ... Stricker
Karl 1849;
vgl. Reinmar v. Zweter 136, 3
R.; mehr im sinne '
bewahrer, urheber'
beim bezug auf persönliche eigenschaften: (
Maria) dû gruntvest stæter triuwen Reinmar v. Zweter 21, 6
R.; her (
Luppolt) mochte uns immer rouwen, her ist gruntveste allir trouwin Rother 4206
Rückert; (
Maria) du gruntfest aller guten handelung Hans Folz
meisterl. 30, 40
M.; fast im sinne '
repräsentant': (
Salomo,) den got ... hat irchorn ze gruntveste allir wisheit Rudolf v. Ems
weltchr. 28999. 1@ff)
ältere sprache geht in der auflösung des wortes zum abstracten noch weiter, vor allem im 15. 16.
jh.; die einzelnen entwicklungszweige sind deutlich abhängig von denen des synonymen grund IV. 1@f@aα)
gr. wie '
grundsatz, grundprincip'
verwendet: was die heylige facultet zu Parys thut, das ist so vill als eyn artickel und grundfest des glaubens Luther 8, 543
W.; (
ich) hon ... im yngang mynes urtails ain gemaine regel, grundtfestin, verfertigung, beschaid ... gemacht Joh. Reuchlin
verstentnusz (1512) a 2
b; sein nicht in ainer ygklichen kunst gemayne regel und gründtfäst Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 48; die prima principia, das ist die grundtfesten christlich glaubens Judas Nazarei
v. alt. u. neuen gott 9
ndr.; dann vergeblich disputiert man wider diejenigen, welche die principia oder grundveste leugnen J.
F. Castillioneus
grundtveste d. wahren lehr christl. relig. (1597) 13
a. 1@f@bβ)
als '
beweisstück, argument': bewisunge, gruntvestene, urkunde
argumentum K. v. Heinrichau
vocab. 385
a Gusinde; vgl. Diefenbach 47
c; dann es (
die zeugenaussage) gar ein herrlichs guts und starcks argument und grundfest ist Ayrer
hist. proc. juris (1600) 373; hab ich als ain
gr. und urkund unsrers ... christlichen glabens ... voran setzen wellen J. Keszler
sabbata 1, 9
Götzinger (1866); das künigkliche wort billich hand- und grundfest sin söltend 100;
anders, etwa '
document': die ersten fünf püecher in der bibel ..., ein grundvest aller göttlichen haimlikait Aventin
s. w. 4, 155;
ähnlich als '
grundlegende urkunde'
bereits vereinzelt mhd.: sin (
Christus) aygen pluot schraib den brief unser gruntfeste Wernher
Maria a 4579 (
s. 237)
Wesle; unser gruntfeste und privilegia zu vernichten (
v. j. 1496)
acten der ständetage Preuszens 5, 420. 1@f@gγ)
an den gebrauch von gr. 1 e
β anknüpfend, aber doch fühlbar unterschieden, entwickelt sich die verwendung '
ursprung, ursache, wurzel',
auch '
anfang',
öfter in zwillingsformeln; nach 1.
Thim. 6, 10: wan unmæzzige erge ist gruntveste aller ubele
vom rechte v. 320
in Waag
kl. dt. ged.2 80; swer gîtekeit und erge hât, deist gruntvest aller missetât Freidank 91, 2
Gr.; vgl. Rud. v. Ems
Barlaam 267, 5
Pf.; diz ist noch ein wurzele und ein gruntfestene alles krîges
mystiker 1, 44
Pfeiffer; die wurczel und grundfest aller einigkeit, ... die gleichheit
acta publica 2, 53
Palm; seine schriften ... schmeckend nach etlichen angezognen törechtigen und ungesaltznen ursachen und grundvesten, die von der warheit gäntzlich frembd seind
M. Pegius
geburtsstundenbuch (1570) V v 2
a; artzney, ... die der kranckheyt
gr. hinweg neme S. Franck
weltb. (1534) 11
a; wie nun kunig Heinrichs sachen ain anfang und ein grundtfeste, also ist auch das ende hernach gefolgt
zimmerische chron.2 4, 195
B.; ain anfang und gleichsam ain
gr. der weisheit G. Frölich
Stobäi scharpfsinn. spr. (1551) 131. 1@gg)
gr. tritt in einer reihe typischer und formelhafter verbalverbindungen auf. 1@g@aα)
auf den beginn des bauens mit der herstellung der gr. beziehen sich: die
gr. graben (
vgl.den grund graben IV A 3 a
sp. 705),
im ganzen wenig häufig: '
den erdraum der gr. ausheben' (
vgl. oben a
schlusz);
bereits mhd. vgl. Jans Enikel
weltchron. 24508
Str., vgl. 24511; und man gefunden hat (
einen schädel), da man die grundvest grueb (
des capitols) Aventin
s. w. 4, 279; (
es) hiesz ..., dasz schon gebaut werde, ... und dasz man bereits die grundfesten grabe Stifter 2, 252
S.; viel häufiger, aber mehr bildlich als im eigentlichen sinne verwendet und in neuerer sprache zurückgehend: die
gr. legen, setzen, bauen: wizzet daz er tiefe legen sol der diumüete gruntveste Thomasin v. Zircl.
welsche gast 12024; dû hâst nû der kristenheit eine gruntveste geleit Rudolf v. Ems
Barlaam 175, 4
Pf.; nach Luc. 6, 48 der ... sîne (
des hauses) gruntvestene gelegit hât ûf einen stein
Beheims evang.-buch 131; es ist nicht ein vestes gepeude, do der wille gruntvest gelegt hat
bei A. Zycha
böhm. bergrecht d. m.-a. 2, 71;
nhd. überwiegend pluralisch: dargegen sollen die stände ... zu einer grundfesten dess gantzen friedenswerck gelegt (
werden) Harsdörfer
secret. 2, 308; neue gebäude auf den von ihnen (
Wolf und Leibnitz) gelegten grundfesten (
aufrichten) Schwabe
belust. 8, 64; (
die asen) suchten ... den fernsten norden ... auf, um dort ... die grundvesten ihrer macht zu legen
dtsches museum 4, 323
Fr. Schlegel; als variante zu guten grund legen (
vgl. sp. 706) '
tüchtig essen': dann ist gut grundfest legen und auf ein sechspfündigen schuncken viermäszig getruncken Fischart
praktik (1623) 66;
seltener und in neuerer sprache ungebräuchlich setzen: und setzt die gruntfesten (
des hauses) auf einen stein
erste dtsche bib. 1, 227;
s. Domitianus (
hat) ... die ersten grundvesten der kirchen zu
M. gesetzt H. Megiser
annal. Carinthiae (1612) 10; biss widersprochen ist den neidern und gruntfest gesetzt und haidenschaft zurucken geschoben Sigm. Meisterlin
in chron. d. dtsch. städte 3, 56; Sigismundus (
wollte) die grundtveste seines throns allain auf die mildigkeit setzen v. Brandis
ehrenkr. (1678) 169;
vereinzelt bauen: alle die ir grundfest nit eynigk und alleyn uff den starken velsen Christum bawhen H. v. Cronberg
schr. 76
ndr. 1@g@bβ)
auf das zerstören oder gefährden bzw. gefährdet sein der gr. zielen verbindungen wie die
gr. aus (
der erde) brechen, graben, untergraben
u. ä., die keine gröszere ausbreitung gewonnen haben: die gruntveste er in sît ûz der erde brach
kaiserchron. 7269
Schr.; (
er gebot) ... graben die gruntveste ûz der erde Rudolf v. Ems
Barlaam 339, 13
Pf.; Euhemerus ..., welcher die
gr. der pöbelhaften religion untergrub Gottsched
neuest. 7, 931; er suchte ... die grundfesten der ehrfurcht zu untergraben Schiller 4, 123
G.; nhd. sprache bis in die gegenwart geläufig und heute nahezu die einzige formelhaft feste anwendung von gr. überhaupt ist die verbindung mit intr. verben wie beben, erbeben, schwanken, wanken,
insbesondere aber mit trans. erschüttern;
intr. verba: das sich bewegeten die
gr. des gefengnis
apostelgesch. 16, 26; das die grundfesten des landes darüber erbidmen Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 98
a; Constantinopel und Rom erbebten in ihren grundfesten E.
M. Arndt
ansicht. (1814) 154; die
gr. des hauses zitterte Klinger
w. 3, 14; wenn es (
das königreich) hoft stehn am besten, so macht er schwancken ir grundvesten Hans Sachs 20, 417
K.-G.; ihre (
der warte) grundvesten schwankten Fouqué
zauberring 2, 187; dreymahl wankte ihre (
der erde)
gr. Falk
satiren 2, 264; in den tagen der noth, da Österreich in seinen grundfesten schwankte
jahrb. d. Grillparzerges. 2, 330;
trans. vor allem (
seit dem 17.
jh.)
erschüttern: (
die teufel) erschüttern die fundamenta und
gr. an den gebäuen Prätorius
anthropod. pluton. (1666) 1, 92; die
gr. ... des erdreichs wird sich müssen erschüttert haben Schottel
friedenssieg 41
ndr.; wenn bald der komet ... mit der erde das zweytemal ringt und die grundfest erschüttert Bodmer
Noah (1752) 317; welche (
bücher) ... die grundveste desselben (
des christenthums) erschüttern Nicolai
literaturbr. 2, 236; der bürgerkrieg ..., welcher Frankreich unter vier ... regierungen in seinen grundvesten erschütterte Schiller 8, 3
G.; wir hatten das gefüge des feindlichen widerstandes bis in seine grundfesten erschüttert Hindenburg
a. m. leben (1920) 334. 22)
nur vereinzelt und nicht immer völlig deutlich hat ältere sprache gr. an grund II A 2 b
angeknüpft und als '
fester erdboden'
verstanden; so noch Henisch 1765: grund, die grundtfeste, das veste erdrich von natur, darauf der bau gesetzt wird
solidum, soliditas, wo unter gr. eine tiefere feste bodenschicht verstanden zu sein scheint, vgl. ein fundament bisz auf die
gr. graben 1767;
ähnlich schon mhd.: (
der ochse) speldet ... den vuz ..., so daz her durch daz weiche den vasten grunt gereiche, da zu daz her vaste dan ste. sam tut der lerer in der e; der vert zu der gruntveste ... Heinr. v. Hesler
apokalypse 8457
H.; etwas anders als der '
feste erdboden'
im gegensatz zum wasser: er sprach 'nu werde sundir wazzir von der erde daz si truchen werde. diu gruntveste si geschaffet die stetten sin gemachet, dei wazzir da enzwischen rinnen
Milst. genesis 2, 31
Diemer. 33)
gr. als name einer pflanze; für '
wiesenpippau' =
crepis biennis L. Hegi
ill. flora v. mitteleuropa 6, 2, 1162;
nach Pritzel-Jessen
für den '
dachpippau' =
crepis tectorum L. in Thüringen üblich 118;
andere wenden gr. auf alle arten der gattung crepis an v. Perger
stud. üb. d. dtsch. namen d. pfl. 1, 234;
der name ist nicht über das 18.
jh. hinaus zurückzuverfolgen, vgl. C.
F. Reusz
dict. botan. (1781)
und wohl kaum volksthümlich, vgl. Fischer
schwäb. 3, 876; Adelung (1775) 2, 828
erklärt: '
z. th. am strand wachsend und ihn bindend und festmachend',
was aber nur für crepis tectorum gilt, vgl. Hegi
a. a. o. 1167.