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grüsch

mhd. bis sprichw. · 8 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
8 in 8 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grüsch f.

Bd. 9, Sp. 980
grüsch, f. u. n., seltener m., 'kleie', vgl. auch krüsch teil 5, 2477. herkunft und form. mhd. grüsch; ahd. nicht vorhanden: anstelle des von Graff 4, 344 (mit berichtigung 1279) aus den Florentiner glossen verzeichneten crusc gibt Steinmeyer-Sievers 3, 616, 37 crus, vgl. Jud archiv f. d. stud. d. neueren spr. 126, 137. das relativ späte auftreten des wortes und seine beschränkung auf das schweizerische (Staub-Tobler 2, 817), schwäbische (Fischer 3, 884), elsässische (Martin-Lienhart 1, 284), tirolische (Schmeller-Fr. 1, 1015; Schöpf 214), luxemburgische (luxemb. ma. 250) u. rheinische (nach mitteilung Jos. Müllers nur in der westl. Eifel u. Köln), sowie vor allem das nebeneinander von gr- und chr- (bezw. kr-) im schweizerischen (Jud aao. 138 f.) u. rheinischen (mitteilung von Jos. Müller) führen auf entlehnung aus rom. *crūsca in südostfrz. krutze, rätoroman. crisca, nordital. crusca; crusca ist seit dem 13. jh. belegt: furfur crusca vel remula Löwe glossae nominum 148. auf *cruscum geht nach Jud burgund. krö zurück; auch das neutrum im deutschen könnte durch *cruscum [] veranlaszt sein, eher aber analogisch nach mehl. die kürzung des stammvocals ist vielleicht schon romanisch. der umlaut ist durch das folgende -sc- hervorgerufen. umlautsloses grusch ist belegt bei Diefenbach gl. 253a; nov. gl. 186b; Sebiz feldbau (1579) 81; Schottel 1331; Stieler 712; Kramer 1 (1700) 575a; ders. hochndd. (1719) 1, 535c; Fischer schwäb. 6, 2076. entrundetes ü zeigen grischen (acc. sing.) tirol. weist. 1, 26; 3, 245; grisch Österreicher Columella 2, 124; Serranus (1540) k 5a; Hulsius (1618) 142a; Marperger beschr. d. hanffs u. flachs (1710) 295. auf vermischung mit nicht hergehörigem grist (Basler chronik 1, 120 Vischer-Stern; Wickram 5, 233; Staub-Tobler 2, 820, vgl. bei griesgramen teil 4, 1, 6, 268 u. ags. grist molitura) beruhen grust, grüst Fischer schwäb. 3, 884; Martin-Lienhart 1, 284; Diefenbach gl. 253a; waytzingruste aus dem voc. theut. (Nürnberg 1482) ebenda 96a; auch grytsch gemma gemm. (1508) l 3a. unklar ist grünsch kleien, furfur Veneroni (Köln 1766) 78. das genus von grüsch ist femininum in einem teil des schweizerischen (Staub-Tobler 2, 817) und schwäbischen (Fischer 3, 884), im tirolischen (Schöpf 214) und in Köln; neutrum in den übrigen teilen der Schweiz und Schwabens, sowie im Elsasz (Martin-Lienhart 1, 284); masculinum in der Westeifel (mitteil. von Jos. Müller), Luxemburg (luxemb. maa. 250) und in Lusern (Bacher 264). literarisch ist es meist nicht sicher zu erkennen; neutrum bei Niclas v. Wyle translationen 267 Keller; masc. oder neutrum: viel gryschs und lützel melbs Ulmer ord. a. 1403 bei Brinkmeier gloss. dipl. 1, 939a; dem (gutem) grüsch Joh. Adolphus enchiridion (Basel 1520) t 2b; (1616) stadtrecht von Neuenburg 125 Merk; Frisius dict. 488; von den lexikographen gibt das femininum Kramer 1 (1700) 575, das neutrum Henisch 1760 an. der plural lautet grüschen im tirolischen (Schmeller-Fr. 1, 1015; Schöpf 214), vgl. auch grüschen quisquilia md. 15. jh. bei Diefenbach gloss. 480c, vereinzelt grüscher (wie spreuwer) im Elsasz (Martin-Lienhart 1, 284); die grüsch Kirchhoff schweiz. sprüchw. 296 kann f. sg. sein. bedeutung. kleie, getreiderückstände: swel pfister ... schuldig wirt, das er ze klain gebachen habe, der git von ieklicher becke an die stat drige schillinge phenninge, er swerre denne ... das er an der becke nit mer gewinne danne vier phenninge und sin grüsch (1331) stadtordnung von Frauenfeld in zs. f. ungedr. schweiz. rechtsquellen 2 (1847) 120; item wenn man von pillens (d. h. von rechts wegen) oder ander sachen wegen auffhebt, sobald sy widerumb auffgesetzt, soll sy der müller damit on underlasz mit seinem aigen gut nämlich ainer wannen vol spreuwer, grüsch oder kleyen und ainem metzlin herts koren bemalen und bestätigen bayr. recht a. d. j. 1346 bei J. Heumann opuscula (1747) 252; sô tuot er grüsch in das mel senken teufels netz 9431; sprichwörtlich (vgl. ital. farina del diavolo va tutta in crusca) des teufels mehl wird zu grüsch Kirchhofer schweiz. sprüchw. 35; Simrock sprüchw. 553; als schweinefutter: so verdirb ich under swinnen, dú man hort rúheln und grinen nach grúschen (den aswingen zerganklicher dingen) sœlden hort 4321 Adrian; daher sprichwörtlich: wer sich unter die grüsch mischt, den fressen die säue Kirchhofer schweiz. sprüchw. 296; als hundefutter (vgl. furfur i. hundaz ahd. gl. 4, 236, 3 u. ä.): do fiengent sie an, im (dem hunde) flaischsbrü zu geben mit brot usz grüsch gemacht Steinhöwel Äsop 221 Österley. zur bezeichnung des wertlosen und nichtigen: die sehs umm ain grsche (d. h. 'durchaus nicht') vorhten do den ainen Johann v. Würzburg 4700 Regel. selten anders, als glosse zu triestern grüsch, tröber glossar zum Basler neuen testament 1523 (Luc. 15, 16); abfall von holz, kleine holzstücke Staub-Tobler 2, 817. zusammensetzungen: grüschenbrot: darnach ist gesetzet, swer grússchin brot ald ungebachen brot git, [] der sol gen dem amman 5 , den burgern 5 . württ. gesch. qu. 21, 89 (Ravensberg 1378), kaum adjectiv Fischer schwäb. 6, 2076, vgl. kleienbrot teil 5, 1086 und grüschbrot Staub-Tobler 5, 960; Fischer schwäb. 6, 2076 und grüschmehl Fischer 2, 885; grischmehl Frommanns zs. 3, 464 (Tirol); grüschengrant truhe zur aufbewahrung von kleie: gruschen granndt 1495 Zingerle mittelalt. inventare 61a; grüschhengst, schimpfwort: wir müssend unglückhafft lut sin mit eym sölchen herlin (d. i. pfaffen) ... hettind wir inn vertriben lengst, was sol uns nun der grüschhengst? Utz Eckstein rychstag (1527) in Scheibles kloster 8, 834; grüschsack Staub-Tobler 7, 622; grüschentrog: auss dem vollen spiel- und sudel- in den sauberen grischen- oder kleyentrog Guarinonius greuel d. verwüstung (1610) 589.
5844 Zeichen · 143 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    grüschstn.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    grüsch stn. kleie S.Gall. ord. 193. Heum. 252. Mone z. 11,226. 13,276. sô tuot er grüsch in daʒ mel senken Netz 9731. gr…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grüsch

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Der Grüsch , des -es, plur. inus. im Oberdeutschen, die Kleye, S. Adelung Gries Anm.

  3. modern
    Dialekt
    Grüsch

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Grüsch , Krüsch [‘ X rî Fisl. Roppenzw. Olti. Attenschw. ; Krí Sier. Heidw. Hi. Mü. Steinbr. Obburnhaupt Dollern ; Kré…

  4. Sprichwörter
    Grüsch

    Wander (Sprichwörter)

    Grüsch Wer sich unter de Grüsch 1 mischt, den fressen die Säue. – Kirchhofer, 296. 1 )Auch Krüsch = Kleie. ( Stalder, II…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gruesch

5 Bildungen · 4 Erstglied · 1 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von gruesch 2 Komponenten

gru+esch

gruesch setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gruesch‑ als Erstglied (4 von 4)

gruesch als Zweitglied (1 von 1)

weizengrüsch

DWB

weizen·gruesch

weizengrüsch , f., n. ( m. ), auch weizengrüste kleie von weizen. nur in älteren vokabularien: cantabrum weisenkrüsch ( voc. opt. ed. Wacker…