grüsch,
f. u. n., seltener m., '
kleie',
vgl. auch krüsch
teil 5, 2477.
herkunft und form. mhd. grüsch;
ahd. nicht vorhanden: anstelle des von Graff 4, 344 (
mit berichtigung 1279)
aus den Florentiner glossen verzeichneten crusc
gibt Steinmeyer-Sievers 3, 616, 37 crus,
vgl. Jud
archiv f. d. stud. d. neueren spr. 126, 137.
das relativ späte auftreten des wortes und seine beschränkung auf das schweizerische (Staub-Tobler 2, 817),
schwäbische (Fischer 3, 884),
elsässische (Martin-Lienhart 1, 284),
tirolische (Schmeller-Fr. 1, 1015; Schöpf 214),
luxemburgische (
luxemb. ma. 250)
u. rheinische (
nach mitteilung Jos. Müllers
nur in der westl. Eifel u. Köln),
sowie vor allem das nebeneinander von gr-
und chr- (
bezw. kr-)
im schweizerischen (Jud
aao. 138
f.)
u. rheinischen (
mitteilung von Jos. Müller)
führen auf entlehnung aus rom. *crūsca
in südostfrz. krutze,
rätoroman. crisca,
nordital. crusca; crusca
ist seit dem 13.
jh. belegt: furfur
crusca vel remula Löwe
glossae nominum 148.
auf *cruscum
geht nach Jud
burgund. krö
zurück; auch das neutrum im deutschen könnte durch *cruscum
[] veranlaszt sein, eher aber analogisch nach mehl.
die kürzung des stammvocals ist vielleicht schon romanisch. der umlaut ist durch das folgende -sc-
hervorgerufen. umlautsloses grusch
ist belegt bei Diefenbach
gl. 253
a;
nov. gl. 186
b; Sebiz
feldbau (1579) 81; Schottel 1331; Stieler 712; Kramer 1 (1700) 575
a;
ders. hochndd. (1719) 1, 535
c; Fischer
schwäb. 6, 2076.
entrundetes ü
zeigen grischen (
acc. sing.)
tirol. weist. 1, 26; 3, 245; grisch Österreicher
Columella 2, 124; Serranus (1540) k 5
a; Hulsius (1618) 142
a; Marperger
beschr. d. hanffs u. flachs (1710) 295.
auf vermischung mit nicht hergehörigem grist (
Basler chronik 1, 120
Vischer-Stern; Wickram 5, 233; Staub-Tobler 2, 820,
vgl. bei griesgramen
teil 4, 1, 6, 268
u. ags. grist
molitura)
beruhen grust, grüst Fischer
schwäb. 3, 884; Martin-Lienhart 1, 284; Diefenbach
gl. 253
a; waytzingruste
aus dem voc. theut. (
Nürnberg 1482)
ebenda 96
a;
auch grytsch
gemma gemm. (1508) l 3
a.
unklar ist grünsch
kleien, furfur Veneroni (
Köln 1766) 78.
das genus von grüsch
ist femininum in einem teil des schweizerischen (Staub-Tobler 2, 817)
und schwäbischen (Fischer 3, 884),
im tirolischen (Schöpf 214)
und in Köln; neutrum in den übrigen teilen der Schweiz und Schwabens, sowie im Elsasz (Martin-Lienhart 1, 284);
masculinum in der Westeifel (
mitteil. von Jos. Müller),
Luxemburg (
luxemb. maa. 250)
und in Lusern (Bacher 264).
literarisch ist es meist nicht sicher zu erkennen; neutrum bei Niclas v. Wyle
translationen 267
Keller; masc. oder neutrum: viel gryschs und lützel melbs
Ulmer ord. a. 1403
bei Brinkmeier
gloss. dipl. 1, 939
a; dem (gutem) grüsch Joh. Adolphus
enchiridion (
Basel 1520) t 2
b; (1616)
stadtrecht von Neuenburg 125
Merk; Frisius
dict. 488;
von den lexikographen gibt das femininum Kramer 1 (1700) 575,
das neutrum Henisch 1760
an. der plural lautet grüschen
im tirolischen (Schmeller-Fr. 1, 1015; Schöpf 214),
vgl. auch grüschen
quisquilia md. 15.
jh. bei Diefenbach
gloss. 480
c,
vereinzelt grüscher (
wie spreuwer)
im Elsasz (Martin-Lienhart 1, 284); die grüsch Kirchhoff
schweiz. sprüchw. 296
kann f. sg. sein. bedeutung. kleie, getreiderückstände: swel pfister ... schuldig wirt, das er ze klain gebachen habe, der git von ieklicher becke an die stat drige schillinge phenninge, er swerre denne ... das er an der becke nit mer gewinne danne vier phenninge und sin grüsch (1331)
stadtordnung von Frauenfeld in zs. f. ungedr. schweiz. rechtsquellen 2 (1847) 120; item wenn man von pillens (
d. h. von rechts wegen) oder ander sachen wegen auffhebt, sobald sy widerumb auffgesetzt, soll sy der müller damit on underlasz mit seinem aigen gut nämlich ainer wannen vol spreuwer, grüsch oder kleyen und ainem metzlin herts koren bemalen und bestätigen
bayr. recht a. d. j. 1346
bei J. Heumann
opuscula (1747) 252; sô tuot er grüsch in das mel senken
teufels netz 9431;
sprichwörtlich (
vgl. ital. farina del diavolo va tutta in crusca) des teufels mehl wird zu grüsch Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 35; Simrock
sprüchw. 553;
als schweinefutter: so verdirb ich under swinnen, dú man hort rúheln und grinen nach grúschen (den aswingen zerganklicher dingen)
sœlden hort 4321
Adrian; daher sprichwörtlich: wer sich unter die grüsch mischt, den fressen die säue Kirchhofer
schweiz. sprüchw. 296;
als hundefutter (
vgl. furfur i. hundaz
ahd. gl. 4, 236, 3
u. ä.): do fiengent sie an, im (
dem hunde) flaischsbrü zu geben mit brot usz grüsch gemacht Steinhöwel
Äsop 221
Österley. zur bezeichnung des wertlosen und nichtigen: die sehs umm ain grsche (
d. h. '
durchaus nicht') vorhten do den ainen Johann v. Würzburg 4700
Regel. selten anders, als glosse zu triestern grüsch, tröber
glossar zum Basler neuen testament 1523 (
Luc. 15, 16);
abfall von holz, kleine holzstücke Staub-Tobler 2, 817.
zusammensetzungen: grüschenbrot: darnach ist gesetzet, swer grússchin brot ald ungebachen brot git,
[] der sol gen dem amman 5 , den burgern 5 .
württ. gesch. qu. 21, 89 (
Ravensberg 1378),
kaum adjectiv Fischer
schwäb. 6, 2076,
vgl. kleienbrot
teil 5, 1086
und grüschbrot Staub-Tobler 5, 960; Fischer
schwäb. 6, 2076
und grüschmehl Fischer 2, 885; grischmehl
Frommanns zs. 3, 464 (
Tirol);
grüschengrant truhe zur aufbewahrung von kleie: gruschen granndt 1495 Zingerle
mittelalt. inventare 61
a;
grüschhengst, schimpfwort: wir müssend unglückhafft lut sin mit eym sölchen herlin (
d. i. pfaffen) ... hettind wir inn vertriben lengst, was sol uns nun der grüschhengst? Utz Eckstein
rychstag (1527)
in Scheibles kloster 8, 834;
grüschsack Staub-Tobler 7, 622;
grüschentrog: auss dem vollen spiel- und sudel- in den sauberen grischen- oder kleyentrog Guarinonius
greuel d. verwüstung (1610) 589.