grillig,
grillicht,
adj.,
seit dem 17.
jh. erscheinend als ablösung von grillisch (
s. d.),
dem ältesten derivatum von grille;
doch lassen jüngere bildungen, namentlich grillenhaft,
das adj. grillig
bis zum ende des 18.
jhs. literarisch nicht hochkommen: 'grillig
und grillisch
für grillenhaft
und grillenfängerisch
sind keine zierde der guten schreibart' Heynatz
antibarb. 2, 76;
noch bei Adelung, Campe
hinter grillenhaft
zurücktretend; erst im 19.
jh. beginnt das adj. sich, in der bedeutung kaum differenciert, neben grillenhaft
durchzusetzen, um dies wort in der 2.
hälfte des jhs. zu überwinden. die bedeutung folgt den wandlungen von grille II: grillig, hirnwütig,
cerebrosus, qui habet perversum cerebrum; gestuosus, gesticulator Henisch 1744;
wunderlich, bizarr, grotesk (
vgl. grillenhaft 1): lasst phantaseyen, lasst chymeren sich zeigen unserm geist bey gantzen heeren in solcher ungeformt- und wüsten seltsamkeit, in solcher grilligen beschaffenheit, als nie gewesen sind und nimmer kommen können Brockes
ird. vergnügen 3, 31; so wie wir über des altertümlers (
von Scott) grilliges kostüm hinüber sind und den durchschnittsmenschen auch in ihm aufgefunden haben O. Ludwig 6, 120;
neben gewissen abstractis willkürlich, launisch (
vgl. grillenhaft 2): die grilligen einfälle dieses büreaus Gentz
schr. 2, 202
Schlesier; die entwicklung erschien mir willkührlich, grillig, der Hamlet selbst der unleidlichste gesell von der welt E. Devrient
an Tieck, br. 1, 175
Holtei; namentlich aber, zumal in jüngster zeit, von personen (
vgl. grillenhaft 2
und 3);
verschieden nüanciert: am widerwärtigsten sind die kricklichen beobachter und grilligen theoristen Göthe II 11, 129
Weim.; er behielt aber seine .. vorliebe für seltsame käuze und verkehrte gern mit leuten aus dem volk, mit echten Cockneys, grilligen originalen G. Freytag 16, 17;
je später, je stärker tritt der begriff des grämlichen, morosen in den vordergrund: (
der greise fürst) der jetzt kränkelnd immer grilliger und auffahrender wurde Treitschke
deutsche gesch. 3, 528; leidende sind nun schon mal grillig Stehr
drei nächte (1909) 146; man gebe ihnen alles, gesundheit, nahrung, wohnung, unterhaltung, — sie sind und bleiben unglücklich und grillig Nietzsche 4, 235.
in älterer zeit grillicht:
gr., grillenhaft
giribizzoso, capriccioso Kramer
teutsch-ital. 1, 565
a; Stieler 702;
nach Ersch-Gruber I 91, 79 grillicht
populär für grillig;
literarisch selten: [] fast zweifle ich, dasz die 'richterwespen' (
des Aristophanes), die speculativen 'wolken' .. die Athener entzückt haben würden, wenn alle diese grillichten seltsamkeiten ihnen .. als neue bekanntschaften entgegengetreten wären Immermann 20, 164
Hempel; vgl. was ernste liebhaberey, ja auch die leichteren und grillichern (vulgo steckenpferde genannt) dem armen .. menschen für willkommene schwimmwämser sind Göthe IV 27, 64
Weim.