griesgrämig,
grämisch,
grämlich,
adj. ,
mürrisch, übellaunig, miszgestimmt; seit dem 14.
jh. vereinzelt zu belegen (
s. u. 2),
aber erst seit dem letzten drittel des 18.
jh. reichlicher gebraucht; Kinderling
empfindet griesgramig
als '
verneuertes wort'
reinigk. d. dtsch. spr. 397;
bei Adelung
noch fehlend, bei Campe, Heinsius
als griesgrämisch. 11)
die häufigste form ist griesgrämig;
in der regel von personen: deshalb denn auch auf jene griesgrämigen pädagogen keineswegs zu achten ist Göthe IV 35, 98
Weim.; sie geberden sich ja wie der griesgrämige major Tellheim Bauernfeld 7, 81; ich gebe daher jedem sauertöpfischen, griesgrämigen manne unrecht, der damengesellschaft scheut Castelli 10, 156;
besonders vom alter: dasz ein so hochbegabtes, schönes ... geschöpf nicht geboren sei, ihr leben ... an der seite eines griesgrämigen alten mannes zu vertrauern Spielhagen 3, 248; alte griesgrämige ... männchen werden gewöhnlich von dem rudel .. verbannt Brehm
thierl. 1, 26
Pechuel-Lösche; dann auch vom gesicht, blick: sie mag nichts von deinen griesgrämigen gesichtern sehen Bauernfeld 1, 5; begegnete den giftigen blicken dreier .. nebenbuhlerinnen und dem griesgrämigen ihres wächters Gaudy 14, 15; nur müszte man nicht so griesgrämig, wie es würdige historiker .. gethan haben, auf dichter und chronikenschreiber herabsehen Göthe II 3, 132
Weim.; das ölbildnisz des alten herrn .., das griesgrämig genug von der wand ... heruntersieht Justi
Winckelmann 1, 121;
anderes seltener: so finden wir nicht ... einen naturwüchsigen ausbruch des zornes über die schmach seines volkes, sondern ein griesgrä miges epigramm über staatsmänner Treitschke
histor. u. polit. aufsätze 1, 466; gab die tanzkunst es auf, der griesgrämisch-tendenziös .. schulmeisternden dichtkunst länger .. die hand zu reichen R. Wagner 3, 76;
auch im dialect: grīs-,
auch grūsgrēmig Fischer
schwäb. 3, 842; kriiskreemic Meisinger
rappenau. 78; gr
eīsgraem
eh Bauer-Collitz 41
a; grisgrämig
verdrieszlich, alles schwarz sehend Mi 29
a. 22)
älter ist die umlautlose form: wirdelos und grisgramig sterbet und in der helle erstinket
ackermann aus Böhmen 12, 18,
hier wohl noch in der alten bedeutung '
zähneknirschend' (
s. o. griesgramen); griesgramicht
stomachose, intemperanter Stieler 704;
die form ist im 18.
jh. nicht selten, später durch griesgrämig
verdrängt: einen alten grisgramigen affen Bode
Yorick 1, 118; die dame war eben nicht in ihrer festagslaune und überhaupt ein wenig griessgramich Wetzel
kakerlak 37; er verzog sein grieszgramiges gesicht zu einer art lächeln Gaudy 2, 43;
dialectisch: grisgrâmig Schöpf 215; griasgramich Hügel 71; gritzgrāmig Fischer
schwäb. 3, 842; jrísjrámig Hertel
thür. 108; Liesenberg
Stieger ma. 147; grîsgramig Frischbier 1, 254.
nach dem muster des verb. (
s. griesgramen
form 2)
sind auch hier formen mit kurzer stammsilbe zu erwarten: eim wilden griszgrammigen alten H. Sachs 7, 48
Keller; zwanzigtausend menschen, die ein einziger criminalist durch schwert, beil, galgen und rad mit 'grieszgrammigem leuengesicht' vom leben zum tode bringt Cramer
Neseggab 4, 349 (
vgl. griesgramen
bed. 1); ein griesgrammiger alter herr E. Th. A. Hoffmann 2, 98
Grisebach; griesgrammig Schemionek
elbing. 14. 33)
mit anderem suffix: ein griszgrämisches gesicht Hippel
lebensläufe 2, 157; ich bin kein griessgrämischer richter und verdammer der freude Arndt
schr. f. u. a. s. l. Deutschen 2, 162; und griesgrämisch begann er hier eine predigt zu halten Rückert 5, 273; was mischen wir wünsche wie farben und wirken unserm leben aus launen ein griesgrämisches kleid Eulenberg
Anna Walewska (1899) 36;
auch dies ohne umlaut: sie haben recht, man musz nicht so griesgramisch seyn Bürger
an Gleim, Strodtmann 3, 274; dabei ist er jetzt griess-gramisch geworden Schopenhauer
briefe 263
Grisebach; mit kürze: griesgrammisch Martin-Lienhart 1, 272
a. 44)
in anlehnung an grämlich
auch griesgrämlich,
namentlich, aber nicht ausschlieszlich auf nordd. boden: griesgrämliche richter mit vertrocknetem herzen Göthe 42, 2, 483
Weim.; wer ist jemals mit einem grisgrämlichen gesichte zu gaste gegangen Wieland
Lucian 1, 253; der verfasser ist ein griesgrämlicher liberaler, der es nicht versteht, in einen sauren apfel zu beiszen und dabei zu lächeln Börne 2, 73; ich will heute keinen griesgrämlichen sittenprediger vorstellen Bogumil Goltz
jugendleben 3, 254; mit säuerlicher schärfe und griesgrämlicher verdächtigung wurde von stund an alles französische besprochen Gutzkow 12, 399; und zöge sicherlich nicht so verdrossen und griesgrämlich einher und langweilte die menschheit Raabe
Abu Telfan (1870) 116; gar zu griesegrämlich schauet er (
der himmel) herein W. Müller
ged. 298
Hatfield; grisgrēməlk Schmidt-Petersen 54
a; griesegrammlich Weinhold
schles. 29. 55)
dialectisch beschränkt ist die bedeutung '
grimmig kalt' Fischer
schwäb. 3, 842;
vgl. 2griesgram
und griesgramen 5.