lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

graziös

nhd. bis spez. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
5 in 5 Wb.
Sprachstufen
4 von 16
Verweise rein
11
Verweise raus
2

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

graziös adj.

Bd. 8, Sp. 2252
graziös, adj. , anfangs aus lat. gratiosus, später mehr aus fr. gracieux, it. grazioso. die frühesten wortformen, die aber auch später noch möglich sind, knüpfen an das lat. vorbild an: graciossz (15. jh., s. u. 1), gracioselich (1507, s. u. 1), gratios Schopenhauer w. 1, 99 Gr.; Ayrenhoff w. (1814) 4, 248, grazios als bevorzugte form Goethes und Schillers noch Holtei erz. schr. (1861) 19, 164. in französierender form graciös, graziös, letztere schreibung seit dem 2. drittel des 19. jhs. allein gültig. zeitweilig lat.-fr. kompromiszformen wie gratieus (1700, s. u. 2), gratiös Sperander hdlex. (1728) 282b; Klinger w. (1809) 12, 98. eine adverbialform graziöse bei Heine s. w. 3, 166; 279 Elster. 11) 'gnädig, huldvoll, wohlwollend', etwa im sinne des ganz vereinzelten gebrauchs 1grazie 3, wenn auch wohl nicht im anschlusz daran, sondern über die entspr. bedeutung von lat. gratiosus, oder it. grazioso, später mehr fr. gracieux. als 'zuvorkommend, liebenswürdig' vereinzelt schon im mnd. des 15. jhs. nachweisbar, hier gewisz unter mnl. einflusz, s. Verwijs-Verdam 2, 2090, wie ebenfalls gracioselich (nrh. 1507) Diefenbach gl. 212a s. v. eucharis. in gleicher zeit aber auch obd. graciossz 'zuvorkommend (gegen kunden)' bei K. Krieger d. spr. d. Ravensburger kaufleute um d. wende d. 15. u. 16. jhs. (diss. Heidelb. 1935) 69. mit spontanem ansatz um 1700, zunächst offenbar für das verhalten des souveräns zum untergebenen: der groszhertzog ist so graciös, dasz er frembden cavaliers, welche audience bei ihm verlangen, dieselbe nicht gerne abschlägt Nemeitz nachlasz (1726) 361; der ursprung des graziosen lächelns einer standesperson Göthe IV 5, 287 W.; die königin (Luise v. Preuszen) ist sehr graziös und von dem verbindlichsten betragen (1799) Schiller br. 6, 65 Jonas. dann auch auf das verhalten zum gleichgestellten angewendet, soviel wie 'freundlich, liebenswürdig': das anziehende, gratiose, einnehmende des betragens, das liebevolle und freundliche Schopenhauer w. 1, 99 Gr. 2 gegenüber nur spärlich entwickelt, aber vielleicht noch hierher und nicht zu 2: obwohl sie ... sehr heiter und graziös gewesen sei (1838) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 302 Schulte-K. ironisch für ein heuchlerisch unterwürfiges betragen: sie (die Engländer) werden, wie sie immer gethan, der neuen macht (Ruszland) entgegenwedeln und graziöse lächeln H. Heine s. w. 3, 279 Elster. 22) als ästhetischer begriff, 'anmutig, gefällig, leicht, zierlich', dies zunächst von fr. gracieux her, dann aber mehr und mehr unter dem einflusz von 2grazie B, als dessen adjektivische vertretung es heute empfunden wird. schon ein relativ früher nachweis des wortes weist in die richtung des ästhetischen: dasz die allervortrefflichsten männer in der music, wenn sie an den pfeiffen was gratieuses und ihrem hohen geiste anständiges gefunden hätten, die pfeiffen und nicht die saiteninstrumente würden exerciret haben (1700) J. Kuhnau d. musical. quacksalber 204 lit.-denkm. um 1800 fest eingeführt. 2@aa) speziell und mit vorliebe anmutige bewegung in ihren verschiedenen formen kennzeichnend, wie der auch bei 2grazie B (s. d. 2 a α) häufigste gebrauch: weil eine solche figur (eine Terpsichore), in bewegung vorgestellt, einen graziöseren effekt macht (1796) Schiller br. 5, 36 Jonas; er (der arm) hebt sich so graziös Körner w. 4, 31 Hempel; mit einer graziösen verbeugung war die erscheinung (einer frau) verschwunden W. Raabe s. w. I 6, 157 Klemm; graziös und zierlich neigen sie (die jungen birken) sich Liller kr.-ztg. (auslese 1915) 2, 232; ihr graziöses tanzen W. v. Scholz erz. (1924) 55. 2@bb) auch in den selteneren fällen, in denen graziös mehr statuarisches wie haltung, gestalt oder auch die gesamterscheinung kennzeichnet, bleiben die gesichtspunkte der (angehaltenen) bewegung oder der beweglichkeit wohl ausgangspunkt des gebrauches: Maroraï war eine graziöse figur J. G. Forster s. schr. (1843) 1, 219; aber noch immer war ihr in der haltung jene graziöse lässigkeit eigen Storm s. w. (1900) 2, 126; die bejubelte graziöse kleine diva Binding erlebtes leben (1928) 151. durchaus ungewöhnlich in der beziehung auf gegenständlich unbewegtes: eine frau, die einen ... graziösen haarbeutel trägt Holtei erz. schr. (1861) 3, 141. 2@cc) in der kennzeichnung geistiger, künstlerischer oder menschlicher vorgänge und schöpfungen; auch hier meist vor dem hintergrund einer bewegungsvorstellung. 2@c@aα) 'zierlich, beweglich, leicht, elegant', als merkmal literarischer und poetischer äuszerungen oder begabungen, vgl. 2grazie B 2 b: die abhandlung ist sehr grazios und lebhaft geschrieben (1795) Schiller br. 4, 303 Jonas; eine sehr feine, graziöse novelle (1890) Rodenberg an C. F. Meyer in: br. 286 Langm. in gleichem sinne als stilmerkmal in der bildenden kunst: in der ausführung der ornamente weniger graciöses und weiches Ritter erdkde (1822) 1, 728; bei wesentlich gleichartigem stilmaterial ist diese schule anders im temperament als die kölnische, leichter, munterer, graziöser, irdischer Dehio gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 194. durch die naheliegenden gegenbegriffe des ernsten, kraftvollen, tiefen erhält graziös hier gelegentlich einschränkenden sinn: er (Tieck) ist eine sehr graziose, phantasiereiche und zarte natur, nur fehlt es ihm an kraft und tiefe (1801) Schiller br. 6, 235 Jonas. 2@c@bβ) in der charakterisierung menschlichen verhaltens, temperaments oder charakters liegt der gebrauch 1 'freundlich, liebenswürdig' nahe, doch wurzelt eine anwendung wie die folgende eher in einer art übertragung von 2 a her, vgl. 2grazie B 2 c: in jeder rolle geist und leben, die wahrste rührung oder der graziöseste muthwille (von einer schauspielerin) Tieck schr. (1828) 1, xiv. das gilt besonders für die nicht seltene anwendung auf negativ zu wertende begriffe, auf verhaltensweisen oder personen, deren fragwürdigkeit durch die leichte, elegante, gefällige form, in der sie sich äuszern, gemildert oder aufgehoben wird: dieser graziose schuldenmacher (Bassanio im 'kaufmann v. Venedig') Holtei erz. schr. (1861) 19, 164; die mit graziöser rücksichtslosigkeit geübte kunst, den schaum des lebens wegzuschlürfen Fontane ges. w. (1905) I 1, 393.
6222 Zeichen · 134 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    graziösadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    graziös , adj. , anfangs aus lat. gratiosus, später mehr aus fr. gracieux, it. grazioso. die frühesten wortformen, die a…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    graziös

    Goethe-Wörterbuch

    graziös 24 Belege, meist -ios, vereinzelt -tios, einmal -tiös ; auch subst A zu Grazie A 1 sinnl-konkr; von Gestalten, G…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grazĭös

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Grazĭös (franz. gracieux ), lieblich; mit Grazie (s. d.).

  4. Spezial
    graziös

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    gra|zi|ös adj. grazius (-sc, -iosa).

Verweisungsnetz

14 Knoten, 10 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 1 Kompositum 9 Sackgasse 4

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grazioes

2 Bildungen · 1 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

grazioes‑ als Erstglied (1 von 1)

graziösnaiv

GWB

grazioes·naiv

graziös-naiv pejor, bezogen auf affektierte Mimik [ mBez auf Charakterkopf der Sängerin HSontag ] Und deshalb achte und liebe ich sie .. nic…

Ableitungen von grazioes (1 von 1)

ungraziös

DWB

ungraziös , -os , adj. adv. , gth. v. graziös ( s. d. ). mnl. ongracioos ingratiosus, acaris. mnl. nl. ongracelijc. ingraciös Heyse-Böttger …

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „grazioes". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grazioes/dwb?formid=G27052
MLA
Cotta, Marcel. „grazioes". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grazioes/dwb?formid=G27052. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „grazioes". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grazioes/dwb?formid=G27052.
BibTeX
@misc{lautwandel_grazioes_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„grazioes"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/grazioes/dwb?formid=G27052},
  urldate      = {2026-05-17},
}