grasteufel,
m. ,
ein als häszlich und schrecklich vorgestelltes zwerghaftes wesen der niederen mythologie. 11)
in eigentlicher anwendung: als Galaor sich von dem zwerg also verfolgt sahe, sagt er zu sich selbs: ich wil diesen graszteufel vmbringen, wo ich jhn erreich, oder wil darüber sterben
Amadis 1, 133
Keller; bchsen vnd hAefen, wie wir sie heut in den apotheken stehen sehen, von aussen bemalet mit ... erschrecklichen hAew- vnnd graszteuffeln, wie sie ausz Pandore bchs fligen Fischart
Garg. 17
ndr.; ebda 45; wenn nun das kothige geschmiere an der kinder stirn eine hlffe wieder neid und zauberey seyn soll, so kan es wohl auff keine andere weise seyn, als wenn die zauberer und der satan solche beschmutzte kinder vor junge grase-teuffel ansehen, und dencken, weil sie ohne dem in ihre koth-zunfft gehOereten, so hAetten sie nicht nOethig, ihren zunfft-genossen schaden zu thun J. G. Schmidt
rockenphilos. (1706) 1, 364; satyr faun bacchant oder grasteufel — so heiszen diese waldkavaliere wohl in deutscher übersetzung Fr. Arndt
bei E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 60.
ähnlich von einer vom teufel besessenen person: er hab auch vorm thor gesehen, dass die eine besessene, welche den klopfteuffel gehabt, angefangen zu lachen, vnd zu ihrer mittgefährden gesagt, du grasteuffel itzo ist hexenfleisch da, der teuffel sitzt dir itzo in den füssen (1658)
bei Vilmar
Kurhessen 410. 22)
vergleichend oder prägnant auf menschen bezogen. 2@aa)
im vergleich von einem häszlichen, schreckenerregenden oder verkommen aussehenden menschen; vgl. süht ut as'n grasdüwel Mi
Mecklenb. 28
b: der capiteyn aber oder oberste ... hat (
bei einem fest in Guinea) viel junge gesellen mit schilden vnd wurffpfeilen neben jhm, welche vnter jhrem angesicht, vnd am gantzen leibe, mit rother vnd gelber erden angestrichen seyn, vnnd auszsehen wie die grasz teuffel Hulsius
schiffahrt 7 (1606) 159; erinnern sich königliche hoheit der worte des groszen königs, als general Lehwald ihm seine dreimal geschlagenen regimenter in parade vorführte? 'propre leute', hiesz es. 'da seh er meine, sehen aus wie die grasdeibel, aber beiszen' Fontane
ges. w. (1905) I 3, 225; seit drei tagen ungewaschen, sehen wir wie zwei richtige grasteufel aus Bröger
d. unbek. soldat (1917) 27. 2@bb)
prägnant von personen. 2@b@aα)
von einem furcht, schrecken oder abscheu erregenden menschen: (
dasz sich die frau) gegen dem man in aller freuntlichkeyt vnd vnderthenigkeyt erzeyge vnd ergebe ... was? dem man? ich hab mit eynem jungen grasteufel zuschaffen Fischart
w. 3, 327
Hauffen; der pfarrer beschreibt den procesz (
der teufelsaustreibung) also: zu erst haben dise zwen jesuiter des papsts ordenliche vnd bestellte, wider die landfahrende vnd hungerige grasteufel, betteluOegt, sich verfaszt gemacht mit ettlichen stucken, deren sie bedrfft, vnd haben drauff ein prob gethon S.
Huber erklär. d. grossen abentheurl. abentheurs (1590) 17; die Türken, die man ... als lebendige grasteufel schilderte, sind ... elende memmen (1789)
bei Fischer
schwäb. 3, 801; wir (
Deutsche) sind ganz fürchterliche grasteufel, wir sind so berühmt geworden, dasz die anderen vor neid mit steinen werfen (1871) G. Freytag
an Stosch 75
Helmoldt; habt ihr noch niemals so einen fuchshaarigen grasteufel vor euch gesehen, wie ich einer bin? Rosegger
schr. (1895) I 13, 78. 2@b@bβ)
im mundartlichen und von da her auch in literarischem gebrauch umgedeutet auf einen jungen und unreifen, auch lebhaften und unternehmungslustigen menschen (
vgl. etwa gras-
kompositionstypen 5
und bes. grasaffe).
so wohl schon: kennete ich den jungen grasz-teufel, so wolte ihr eine antwort geben, die gar übel klingen würde
d. verliebte u. galante student (1741) 136.
bes. im bayr.-österr., z. t. fast liebkosend; vgl. Hügel
Wien 70
a; Schuster
altwienerisch (1950) 71: schau, du grasteufel! du hast 's not, af lottereien z'denken, sagte der Sternsteinhofer (
zu seinem sohn) Anzengruber
ges. w. (1890) 1, 183; Burgerl kniff die lippen ein und sah mit verschmitzt lachenden augen auf. 'schau einer! du grasteufel, beginn' du schon 's reden mit dö augen! damit hat's noch weil'!' schalt der alte (
der groszvater der Burgerl)
ebda 2, 262; dö grasteufeln (
die jungen mägde) macheten unsern herrgott selbst zum kuppler (
indem sie der jungen burschen wegen zur kirche gehen)
ebda 6, 109; er brachte es zu einem alter, das ihn berechtigte, uns ... per grüne grasteufel ... zu traktieren
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 2, 311; vater vertrug es nicht, wenn ein junger grasteufel sich über das lustig machen wollte, was er als von den vätern überkommen ansah Scheicher
erlebnisse (1907) 1, 271.
aber auch sonst; vgl. '
junger unvergohrener, läppischer bursche' Fischer
schwäb. 3, 801;
scherzhaft '
für ein kleines, unruhig hin und her kriechendes kind' Vilmar
Kurhessen 411. 2@b@gγ)
anders vom ungebildeten bauern und dorfbewohner, im gegensatz zum feineren städter: die Berliner autochthonen stehen mindestens so naiv zum landleben, zu frischer butter und fingerdickem rahm, wie die elementaren grasteufel in Westpreuszen und Polen zur literatur und residenz B. Goltz
typen d. gesellsch. (1860) 2, 115; auch ich halte die stuben-gelehrten, trotz ihrer gelehrten teufeleien und narrheiten, für spiritueller und edler, als die grasteufel auf dem dorf
ders., hinter d. feigenblättern (1862) 1, 84. —