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graphit

nhd. bis spez. · 6 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Graphīt

Bd. 8, Sp. 237
Graphīt (v. griech. graphein, schreiben; Reißblei, Ofenfarbe, Plumbago), Mineral, kristallisiert hexagonal-rhomboedrisch in dünnen Tafeln oder kurzen Säulen, findet sich aber meist derb in blätterigen, strahligen, schuppigen bis dichten Aggregaten, auch eingesprengt und als Gemengteil mancher Gesteine, ist eisenschwarz, metallglänzend, völlig undurchsichtig, in dünnen Blättchen biegsam, fühlt sich fettig an, färbt stark ab und gibt auf Papier einen grauen Strich. Der G. hat 2,1–2,3 spez. Gew., 0,5–1 Härte, leitet Elektrizität sehr gut, Wärme besser als Diamant, ist unlöslich in allen gewöhnlichen Lösungsmitteln, unschmelzbar, nicht flüchtig. Er besteht, wie der Diamant, nur aus Kohlenstoff, ist aber meist mit anorganischen Stoffen verunreinigt. Er verbrennt schwerer als Diamant, unter Hinterlassung von mehr oder weniger Asche, die aus Kieselsäure, Tonerde, Kalk, Magnesia, Mangan-, Eisenoxyd etc. besteht. Mit chromsaurem Kali und Schwefelsäure behandelt, oxydiert er zu Kohlensäure, mit chlorsaurem Kali und Salpetersäure gibt er Graphitoxyd, Graphitsäure und Mellitsäure. G. bildet mit andern Mineralien, zumal mit Quarz zusammen, den Graphitschiefer, der sich vielfach als Einlagerung in Glimmerschiefer, Gneis und Phyllit findet, und kommt auch ab und zu in reinen Nestern in diesen Gesteinen vor, so bei Passau (Bayern), in Böhmen, Salzburg, Tirol, auch in Neubraunschweig, Kanada und besonders in Sibirien (Distrikt Semipalatinsk, an der untern Tunguska, auch im Tunkinsker Gebirge) und in der Provinz Turin in den Kottischen Alpen (jährliche Produktion im Bezirk Pinerolo jetzt etwa 12,000 Ton.); ferner kommt er eingesprengt vor im Kalkstein von Wunsiedel, Pargas in Finnland und in sehr reinen Massen gangförmig im Granulit und Gneis auf Ceylon, im Gneis von Passau und im Porphyr von Borrowdale bei Keswick in Cumberland. Auch im Meteoreisen ist G. nachgewiesen; künstlich entsteht er beim Eisenhüttenprozeß als Ausscheidung aus dem Roheisen. Eine bergmännische Gewinnung von G. fand früher in Cumberland statt; der G. von hier bildete das erste und lange Zeit vorzüglichste Material für die Bleistiftfabrikation. Gegenwärtig ist das Lager so gut wie erschöpft und wird nun G. hauptsächlich in Ceylon (seit 1827) und in Ostsibirien (seit 1847), besonders auf den Alibertschen Gruben im Felsengebirge Batougol, 400 Werft westlich von Irkutsk, wo er sich in sehr bedeutender Menge und von vorzüglicher Beschaffenheit findet, gewonnen. In Europa liefern Böhmen, Mähren und die Gegend von Passau den meisten G. Den G. von dichtem Gefüge, wie er bei Passau, Wunsiedel und in Sibirien vorkommt, hat man, weil er sich chemisch anscheinend etwas anders verhält als der deutlich blätterige G. von Ceylon und New York, auch wohl mit dem Namen Graphitit belegt; indessen ist das abweichende Verhalten lediglich durch die abweichende Struktur veranlaßt. Vgl. Weinschenk, Zur Kenntnis der Graphitlagerstätten (Münch. 1897) und Der G. (Hamb. 1898). – Man reinigt natürlichen G. durch Schmelzen mit Kalihydrat, Auslaugen und Digerieren mit Salzsäure oder durch Erhitzen mit chlorsaurem Kali und Schwefelsäure, zuletzt unter Zusatz von Fluornatrium, Auswaschen, Trocknen und Glühen, wobei er stark aufschwillt. G. entsteht beim Ausbringen des Eisens, indem sich Kohlenstoff im geschmolzenen Eisen löst und sich beim Erstarren desselben teilweise als G. wieder abscheidet (vgl. Garschaum und Eisen, S. 480). So findet er sich im grauen Roheisen und bleibt beim Losen desselben in Salzsäure ungelöst zurück (Hochofengraphit). G. entsteht ferner bei Zersetzung gewisser Cyanverbindungen. Dergleichen finden sich in der Rohlauge bei Bereitung von Ätznatron, und wenn man diese verdampft und den Rückstand bei sehr hoher Temperatur mit Salpeter behandelt, so scheidet sich der Kohlenstoff des Cyans als G. ab. – G. dient zu Bleistiften und wegen seiner Unschmelzbarkeit zu Schmelztiegeln (Passauer Tiegel), Muffeln, Windröhren, Sandbadschalen, feuerfesten Ziegeln, Ofenplatten etc., ferner, da er die Elektrizität gut leitet, zum Überziehen der Formen in der Galvanoplastik. Fein gerieben, dient G. zum Putzen und Polieren von Kupfer und andern Metallen; als dauerhafte Anstrichfarbe mit Öl auf Holz und Stein, mit Wasser auf Tonwaren, um diesen das Ansehen des Gußeisens zu geben, wobei der ausgetrocknete G. mit einem wollenen Tuch eingerieben und geglänzt wird; zum Bronzieren von Gipswaren, zum Einreiben auf Gußeisen (besonders auf Ofen), um dies vor Rost zu schützen und ihm eine glänzende Oberfläche zu geben; zum Polieren des Schießpulvers, zu Elektroden, als Schmiermittel (trocken und mit Fett), als Zementierpulver beim Adoucieren von Gußeisen und im chemischen Laboratorium als Heizmaterial zur Erzeugung sehr hoher Temperaturen. Vgl. Donath, Der G. (Berl. 1904).
4782 Zeichen · 52 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    graphitm.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    graphit , m. , name eines kristallisierten kohlenstoffminerals, das als schreibmittel in blei- und zeichenstiften verwen…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Graphit

    Goethe-Wörterbuch

    Graphit a schwärzl, weiches Kohlenstoffmineral, auch ‘kristallisierter G.’; einmal im Hinblick auf verschiedene Varietät…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Graphit

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Graphit , s. Herder Reißblei .

  4. Spezial
    Graphit

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gra|phit m. (-s,-e) grafit (-ic) m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit graphit

18 Bildungen · 18 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von graphit 2 Komponenten

grap+hit

graphit setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

graphit‑ als Erstglied (18 von 18)

graphitähnlich

DWB

graphit·aehnlich

graphitähnlich , adj. : das molybdän findet sich in einem graphitähnlichen minerale, welches man wasserbley nennt Oken allg. naturgesch. (18…

graphitartig

DWB

graphit·artig

-artig , adj. : schwärzung ... mit irgend einem manganerze ..., welches ihren körpern ... einen graphitartigen glanz gibt Ratzel völkerkde (…

graphitfeder

DWB

graphit·feder

-feder , f. , bleifeder, bleistift: man nennt sie auch bleifedern oder graphitfedern Schedel waarenlex. (1834) 1, 146 . —

graphitgrube

DWB

graphit·grube

-grube , f. : die ... graphitgruben ... in Cumberland finden sich im thonschiefer des übergangsgebirges Muspratt chemie 4 (1893) 1546 . —

graphitieren

DWB

graphit·ieren

graphitieren , vb. , ' mit graphit bearbeiten ': die fertigen pulver werden häufig graphitiert Muspratt chemie 7 (1900) 945 ; Hellwig wb. d.…

graphitisch

DWB

graphit·isch

graphitisch , adj. : graphitische temperkohle, in ... säure unlöslich Muspratt chemie 2 (1889) 1111 . —

Graphitīt

Meyers

Graphitīt , Mineral, s. Graphit .

graphitlager

DWB

graphit·lager

graphitlager , n. : die ausgiebigen graphitlager bei Passau ... versorgen alle bleistiftfabriken des continents Karmarsch-Heeren techn. wb. …

Graphitoïd

Meyers

Graphitoïd , rußartige Überzüge auf den Schichtflächen mancher Glimmerschiefer u. Phyllite des sächsischen Erzgebirges, wurde mit dem Schung…

graphitpulver

DWB

graphit·pulver

-pulver , n. : alle ... im handel vorkommenden bleistifte sind aus graphitpulver gemacht Schedel waarenlex. (1834) 1, 144 . —

graphitstift

DWB

graphit·stift

-stift , m. , bleistift, zeichenstift: wenn sie ( die zeichnerin ) an ihrem reiszbrett mit graphit- und buntstiften hantierte Th. Mann Faust…

graphitwerk

DWB

graphit·werk

-werk , n. : es waren die kohlen-, erz- und graphitwerke zu Schuttenthal Rosegger schr. (1895) III 9, 45 ; Kluge Kortüm (1938) 206 .