gransen,
granzen,
vb. ,
älter auch grensen (
s. d.),
intensivum zu 1grannen (
s. d.)
wie grinsen, grinzen
zu grinnen,
seit dem 15.
jh. belegbar. das wort gehört dem mehr obd. grannen
gegenüber ins md. und nd., reicht vereinzelt aber auch südlicher, z. b. ins fränkische (
s. u. 2). Höfer
Österreich 1, 313
führt neben granen
auch gransen
auf, und Schmeller-Fr. 1, 1005
s. v. graunzen
belegt das wort aus junger bair. mundartdichtung (
s. u. 2).
in bair. schwäb. graunzen (
s. d.)
liegt wohl vermischung mit grunzen
vor. zur bildung durch die intensivierenden ableitungssilben vgl. s. v. 1grinsen A
sowie E. Hoffmann
d. ahd. u. mhd. deverbativa mit ableitenden suffixen (
diss. 1921) 49
ff. gransen,
die literarisch und mundartlich häufigere form, weist im ganzen mehr ins nd., granzen
eher ins md. literarisch ist gransen
länger lebensfähig als grannen,
das durch das schriftsprachlich siegreiche greinen
früher verdrängt wurde, daher halten es auch die wbb. länger fest als grannen,
vgl. z. b. gransen Rädlein (1711) 404
a; Dentzler
clavis ling. (1716) 139
b, granzen Schrader
dt.-frz. 1, 568;
junger gebrauch bei Brentano
und Tieck (
s. u.) ist freilich wohl als bewuszt volkssprachlich aufzufassen. 11)
etwa 1grannen 1
entsprechend, besonders wohl wie 1 a
für den laut des hundes, in glossierungen des 15.
jhs.: mutire gransen (
nd. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 374
b; (1421, 1429)
bei Schiller-Lübben 2, 143
b; bellen, gransen
baulare (1421)
ebda 139
b;
ringere granssen (
md. 15.
jh.), granzen (
nd. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 498
c.
hierher wohl auch: frendere gransen (
md. 1414;
nd. 15.
jh.)
ebda 246
c; (
obd. 1421)
nov. gl. 182
a.
literarisch nur vereinzelt: es gransen, reissen und beissen sich zcwuene hunde umb ainen grobn harten knuchen und bain A. Chrosner
ein sermon v. d. hl. christl. kirchen 68
Clemen. 22) '
brummen, murren, nörgeln, grollen',
1grannen 2 a
vergleichbar, aber auch mit der nuance echten und heftigen zürnens: odire haten; niden
vel gransen (
nd. 1425) Diefenbach
gl. 393
b;
sevire gransen
vel tornen (1445)
bei Schiller-Lübben 2, 139
b,
vgl. noch gransen, grillen, grimmen
murmurare, irasci v.
d. Schueren
teuthon. 132
b.
auch hier nur selten literarisch: sie fiengen an mit ganzen gemüt und unverzagt, die Tell auf her zu schanzen gerings umher mit granzen (
fränk. 1525)
hist. volkslieder 3, 478
a Liliencron. in moderner mundartdichtung des bairischen, wo sonst granen, gronen
gilt: grippeln und granssen und hausen und schrein bössert kain'n menschen (19.
jh.)
bei Schmeller-Fr. 1, 1005
s. v. graunzen.
mundartlich noch rhein. granzen,
auf der grenze zu 3, '
mürrisch weinen, nörgeln, nicht leicht zufrieden zu stellen sein, immer etwas auszusetzen haben und dabei über jede kleinigkeit in üble laune geraten'
rhein. wb. 2, 1352; '
murren'
luxemb. ma. 152.
dazu ableitungen wie granzig, granzerei, gegranz, granzer(t), granzersch
und zusammensetzungen mit der bedeutung '
mürrischer mensch'
wie granzarsch, granzkopf, granzsack
u. a., s. rhein. wb. a. a. o. u. unten 4. 33)
die literarisch (
zumal im gebiet von Leipzig und Halle)
und mundartlich vorherrschende bedeutung ist '
weinen'
; auch hier gern, wie unter 1grannen 2 b,
vom weinen der kinder: welche kindlein aber greinen, gransen, zannen, sawer und wüste sehen, die musz man auffziehen W. Bütner
epitome hist. (1596) 227
b; Hans, geh daher, gieb dem herrn eine hand. — nun sieh da, granst der grosze junge. komm, du bist doch sonst nicht so läppsch Tieck
schr. (1828) 2, 240.
ungewöhnlich in transitiver funktion: (
ich) gransste da wie ein klein junge rotz und wasser Chr. Reuter
Schelmuffsky 34
ndr.; vgl. noch Bock
pr. wb. 15.
und allgemein '
klagen, weinen, lamentieren'
: lacrimari gransen (1517) Diefenbach
gl. 315
a; da werden die citronen-fresser zittern ... und die pomeranzen-pänzsche granzen Joh. Prätorius
Saturnalia (1663) 59; was konte denn Hagar ihrem sohn Ismael helffen, als er für durst verschmachtete? ... mit ihrem gransen und heulen richtete sie nichts aus Carpzov
laichpred. (1698) 67; er (
Hampelmann) eilte glücklich fort und kam zu seinen Hanszen, potz stern! wie fing der knecht erschrecklich an zu gransen. er war, als wenn der blitz ihn durch und durch gerührt, und sprach: wer hat euch dann zu mir herein geführt? Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 286; helft ihr herren, soll ich tanzen, soll ich lachen, soll ich granzen? Brentano
ges. schr. (1852) 7, 336;
vgl. 5, 362.
mit verächtlichem nebenton: der altfrank zum dichter: so halt doch, kerl, die nase in die höh! wann sah man einen Deutschen je also die schuh besehn und granzen, auf so erbärmliche weis gramanzen? Tieck
schr. (1828) 13, 322;
vgl. ders., nov. (1823) 6, 41.
mundartlich namentlich md. u. ond., vgl. z. b. Vilmar
Kurhessen 134; Hertel
Thür. 109; Albrecht
Leipzig 125
a;
namentlich Müller-Fraureuth
obersächs. 1, 442,
hier auch mit zahlreichen literar. nachweisen aus dem 16.—19.
jh.; Frischbier
pr. 1, 250
a,
bei letzterem auch mit den ableitungen granserig, das gegranse.
schlesw.-holst. in abliegenderer bedeutung: granschen, granzen '
mit geräusch harte speisen (
bes. unreifes obst)
essen' Mensing 2, 466.
kaum hierher. 44)
von 3
aus in substantivischen zusammensetzungen: