gräblein,
n. ,
dimin. zu graben,
m. im 13.
jh. vereinzelt, seit dem 15.
jh. häufiger belegbar, in alem.-bair.-fränk. und ostmd. quellen verbreitet. unter den verschiedenen formen des suffixes überwiegen -lin
bzw. -lein,
schwäb.-alem. -le, -li,
die in der regel umlaut bewirken. aber: grablin (
Augsburg 16.
jh.)
dt. städtechron. 2, 5.
alem. und fränk. begegnen verschiedentlich, namentlich in älterer zeit, -elin, -elein, -ela,
bair. -el.
vereinzelt bleibt: gräbenlein (
Nürnberg) Volkamer
Nürnberger hesperides (1708) 23,
singulär vielleicht auch -en
für -el: negst ... bedeutem gräben (
nähe Braunau 1619)
in: arch. f. österr. gesch. 102, 369.
als flexivische besonderheit ist singuläres gräblinen Calepinus (1579) 507
a für den dat. pl. zu verzeichnen, der sonst gräblin, -lein
lautet. das suffix, das hier in der regel die kleinheit des grabens bezeichnet, hat jedoch gelegentlich auch bloszen gefühlswert: ich (
die ziege) sprang nur über gräbelein und fand kein einzig blättelein: meh! meh! br. Grimm
kinder- u. hausmärchen 1, 254
Helbling. 11)
in eigentlicher bedeutung: '
kleine, künstlich angelegte vertiefung',
meist im erdboden. 1@aa) '
kleine vertiefung von offener, länglicher form'
: fossale grebelin (
md. 15.
jh.) Diefenbach
gl. 244
c; und (
das äuszere tor) was sunst nit anderst umbfangen dann mit ainem schlechten zaun, und ain klain grasigs grablin darvor, kaum ain klafter dieff (
Augsburg 15.
jh.)
städtechron. 2, 5;
fossula ein gräblein Calepinus xi
ling. (1598) 574
b; dahero (
um die bäume zu bewässern) man dann um den stamm herum die erde ein wenig zu erhöhen, und wie ein kleines gräbenlein zu machen pfleget, worein man das wasser giesset Volkamer
Nürnberger hesperides (1708) 23; gräblein
scrobs, fossula. ein gräblein machen
facere scrobem Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 628.
so von bestimmten arten kleiner gräben, meist in entsprechung zu graben,
m.: 1@a@aα)
als kleiner be- und entwässerungsgraben, s. graben A 1 a
ζ: hyrvmb sol ein flissiger husz vatter vorsorgen by sinen eckern ... vnd durch den acker machen clein seye greblyn durch daz vbrige wasser absige in den grossen graben
Petrus de Crescentiis opus ruralium ... zu teutsch (
Speyer um 1495) 146
b; als sie aber zu einem kleinen gräblein in einer wiesen kamen, darinnen regenwasser stund Hertzog
schiltwache (
o. j.) C 1
b. 1@a@bβ)
als sonstiger kleiner zu- oder ableitungsgraben, wie graben A 1 a
η: demnach hat der Gnotzamer ... ein schutzprett machen lassen auf sein kost und ein greblein ... graben lassen, dardurch im der vischpach förderlich in den undern weier ... geet (
Nürnberg 15.
jh.) Tucher
baumeisterbuch 218
lit. ver.; der platz, wo man bleichet, kan mit zwey oder drey gräblein, ... darein sich das wasser samlet, (
versehen sein) Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 74; 's gräbli
wasserrinne, gosse Seiler
Basel 145; Martin-Lienhart
elsäss. 1, 266
a. 1@a@gγ)
als kleiner grenzgraben, vgl. graben A 1 a
ε: es ist nit allain die landtschaft und die statt Pregenz, sonder auch das schlosz gethailt gewesen, darin ein klains greblin zu ainer undermark gewesen
Zimmer. chron. 21, 346
Barack. 1@a@dδ)
für einen kleinen hindernisgraben zur sicherung eines feldlagers, s. graben A 1 a
ι: vnnd gebott, das sie vil kleyner greblin vor jn machten kneüsz tieff vor eynander all vmb sein heer Carbach
Livius (1551) 43
b. 1@a@eε)
als kleiner graben zum fang von tieren, vgl. graben A 1 a
γ: ferner machen sie (
zum vogelfang) vor die gräblein der garne, so lang sie seyn, auff jede seite ein schwanckes rundes stänglein Aitinger
jagd- u. waidbüchl. (1681) 256. 1@a@zζ)
über den gebrauch bei graben,
m. hinaus von einem kleinen markierungsgraben, z. b. bei erdarbeiten, s. auch 2gräbchen
ende: damit nun die werck- und bau-leute sich desto besser darnach richten können, pfleget man von einem stande oder pfahle zu dem andern ein klein gräblein auf etliche zoll breit und tieff ringsherum zu machen, welches dann die erste grund-linie ... bedeutet Gruber
friedens- u. kriegsschule (1697) 295.
ähnlich von einer startlinie bei einem mittelalterlichen pferderennen: wenn man die rosz (
rennpferde) anläszt, musz er (
ein zimmermann) das gräblein wider schnuerkrat machen und ausraumen. ist ettwa ungevarlich 3 oder 4 zwerchfinger brait und gar seicht. das muez er mit spreuil ausfüllen. daran stellt man die rennrosz (
Augsburg 16.
jh.)
städtechron. 32, 483; wann die rennrosz gleich am greblin nacheinander steen, so schreiet der herren ainer: hauet darauf!
ebda 482. 1@bb)
auch '
kleine grube',
wohl nur vereinzelt: das (
kind Jesus) ging und machet eine gruben in die erden mit seinem finger, aus dem selben gräblein entsprung ein schöner brunn J. Prätorius
saturnalia (1663) 376. 22)
in erweiterter bedeutung und in übertragenem gebrauch weniger entwickelt. 2@aa)
in erweiterter bedeutung als benennung kleiner natürlicher vertiefungen, so vom grübchen im kinn, der anwendung graben A 2 a
γ vergleichbar: sinwel waz daz kinne sin (
Christi) und ein kleines gräbelin, als es woll kinne zam waz enmitten dar an Walther v. Rheinau 111
a, 14
Keller. anders in einer glosse zu lev. 14, 37
für kleine vertiefungen in einer hauswand: valliculas grAeblin (
Konstanz 1463)
in: zs. f. dt. wortforsch. 1, 111 (Luther: grblin). 2@bb)
mundartlich in vergleichend übertragenem gebrauch, so in redensarten wie: d meide
n hann s gräbli (
den scheitel) in de
r mittle Martin-Lienhart
elsäss. 1, 266
a; er het s gräbli in der mittle
ist eingebildet, hochmütig ebda 266
b; klena graweli seun glei voul (
wenn ein kleiner oder unbedeutender mensch gleich den beleidigten spielt) Ruckert
unterfränk. ma. 64.