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grabstätte

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grabstätte f.

Bd. 8, Sp. 1641
grabstätte, f. , neben und mehr und mehr anstelle von grabstatt (s. d.). zur formgeschichte von statt und stätte vgl. teil 10, 2, 1, sp. 953ff., 1006ff. im älternhd. variiert die lautgestalt des wortes stark, z. t. infolge doppelter vokalquantität des grundwortes: grabstätt, -stet, -stäte, -städte, -stette (s. u.). die im 18. jh. noch vorherschende vokallange form grabstäte gelegentlich noch im 19. jh.: grabstäten Holtei erz. schr. (1861) 15, 22, s. dazu auch s. v. stätte 1 b ende. der für das simplex stätte (s. d. 1 c) erst seit Möser nachgewiesene schw. pl. findet sich bei grabstätte bereits mehrfach in der zweiten hälfte des 17. und der ersten des 18. jhs.: grabstätten (n. pl.) J. Prätorius Turci-cida (1664) V 1a; (acc. pl.) Carpzov trost- u. leichenspr. (1698) 581; (n. pl.) Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 80 u. ö.; bei den im gleichen zeitraum erscheinenden st. pluralformen (s. z. b. unten 2 e) ist grundsätzlich nicht zu entscheiden, ob sie hierher oder zu grabstatt zu stellen sind. im 18. u. 19. jh. häufig grabesstätte, auch in ungebundener rede, vereinzelt auch grabestäte Stoppe Parnasz (1735) 172; die jüngere form gräberstätte s. unten 3. grabstätte, neben älterem grabstatt erst seit der wende vom 16. zum 17. jh. bezeugt, gewinnt bereits im 17. jh. und dann in steigendem masze die vorherrschaft über das ältere wort und wird auch durch jüngeres grabstelle (s. d.) kaum zurückgedrängt. 11) mit deutlicher ortsvorstellung und in diesem sinne einfaches grab ausdrücklich als 'grabstelle' charakterisierend. 1@aa) im engsten sinne der für eine (künftige) bestattung vorgesehene, zugewiesene oder ausgesuchte platz: allhie bey der noch ehrlichen begräbnisz desz verzweifflenden d. Fausti, fraget sichs, ob man den verzweifflern und selbstmördern eine ehrliche grabstätt auf dem kirchhof, neben andern ehrlichen leuten solle vergönnen und mittheilen Widmann Fausts leben 627 Keller; ich ... hiehergekommen bin, eine grabstette für meine meerkatze auszusuchen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 781; und welche grabstätte wird meinen leichnam empfangen? Schiller 6, 248 G.; ich (Nero) war unlängst im labyrinth, um mir zu überlegen, wie ich meine grabstätte ausbauen soll Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 240; vgl. 87. hierher: man redet nicht also, wenn man nicht seinen posten als seine grabstätte betrachtet Abbt verm. w. (1768) 2, 24 anm. 1@bb) der durch ein grab eingenommene platz, die stelle, an der ein toter begraben ist, die stätte eines grabes: dero (tartarischer könige oder kaiser) grabstätten sind in köstlichen capellen J. Prätorius Turci-cida (1664) V 1a; die einwohner erklärten uns, dasz sie auf diesem berge ihre todten begrüben und dasz die pfähle zur bezeichnung der grabstätten dienten J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 305; vgl. 4, 262; ihre grabstätten besetzen sie mit pyramidal aufgebauten denkmalen Ritter erdk. (1822) teil 1, 241; wie andere die grabesstätte mit blumen bepflanzen, so haben sie diese kräftigen geistigen blumen am grabe zwar, aber ohne umzäunung gesetzt Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 119; so ist denn trotz oft wiederholter bemühungen die grabstätte Mozarts nicht mit sicherheit ermittelt worden Jahn Mozart (1856) 4, 688. 1@cc) von b her in einem grab B 1 a entsprechenden bildlichen gebrauch für raum und ort, wo jemand den tod gefunden hat: was dem besem entrint, das find seine grabstet am galgen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Yy 1a; rechnet man nun noch die unglückseligen dazu, denen beide Indien haufenweise ihre grabstäte wurden Herder 13, 286 S.; seine gedichte konnten in der damals noch viel deutscheren Lombardei, die ihm zur grabstätte wurde, gunst und beifall finden Jac. Grimm kl. schr. (1864) 3, 9; ein furchtbarer kampf brach aus, von dem es wahr sein mag, dasz die grabstätten der gefallenen zugleich die ruinen ihrer wohnungen waren Ranke s. w. 14 (1875) 11; man hat nachricht in vielen grabschrifften der alten Römer und andern denkzeichen, so sie auf ihre grabstätten lassen setzen, dasz ihrer viel die unsterblichkeit der seelen gegläubet Scriver seelenschatz (1737) 1, 17a. 22) die ortsvorstellung kann ganz zurücktreten, doch behält das wort meistens auch dann, dem einfachen grab gegenüber, bestimmtere merkmale. 2@aa) so gern für prähistorische, antike oder primitive grabanlagen, hier z. t. vielleicht noch im hinblick auf ihren räumlichen umfang: heut hab ich die nymphe Egeria besucht, dann die rennbahn des Caracalla, die zerstörten grabstätten längs der Via Appia und das grab der Metella Göthe I 30, 213 W.; wohl an funfzig orten, und fast in allen nordamerikanischen geöffneten grabstätten fand man gröszere und kleinere stücke von glimmer ..., die höchstwahrscheinlich nur können zu spiegeln gedient haben W. v. Humboldt ges. schr. 6, 49 akad.; grabstätten der sogenannten steinepoche Mommsen m. gesch. 1 (1856) 9. 2@bb) in auszeichnendem sinne für ein vornehmes grab, ein künstlerisches grabmonument oder grabgebäude, eine familiengruft u. ä.: der ihrigen ausbündige thaten, und denkwürdigen tugendhandlungen immerwährend vorzustellen, künstlich-ausgehauene grabstette, kostbare gebeue, wolkenrührende pyramiden, wiederschallende gewelbe, und andere schöne denkmahle aufbauen und setzen Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 30; es seynd sechs und zwantzig grabstätten von schwarzem marmel in diesem panteon Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 2, 80; wie oft wanderten wir durch den feierlichen kreis der dunklen fichten, die die grabstätte der familie Humboldt umrahmen H. Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 229. 2@cc) ebenfalls auszeichnend von den gräbern bedeutender persönlichkeiten, zumal solchen, zu denen gewallfahrtet wird: siehestu nicht, dass in dieser stadt viel grabstätte sind, und unter allen ist nicht eine so berühmt als des Maarufs seine persian. baumgarten 56 in: Olearius verm. reisebeschr. (1696); abends oberbaudirector Coudray; Wielands grabstätte besprochen (1821) Göthe III 8, 23 W.; vgl. 38; so wie die Israeliten ... das gelobte land, wo Abrahams grabstätte war, wieder gewannen K. O. Müller die Dorier (1824) 1, 46; und (der engel) fuhr, als sie, mit hocherhobnen händen, sprachlos die grabesstätte (Christi) leer erschaut, in seiner hehren milde also fort H. v. Kleist w. 4, 16 E. Schmidt; seit die Angeln und Sachsen in England christen geworden waren, kamen alljährlich fromme pilger nach Rom zu den grabstätten der apostel G. Freytag ges. w. 17 (1887) 177. 2@dd) statt des einfachen grab in gehobener und poetischer sprache: doch die tugend unsers beygesetzten mitbruders zwinget mich diese bey gott angenehme grabstätte mit folgendem sinnbilde zu bezeichnen Chr. Weise polit. redner (1677) 443; sey ihm ein schwanenbette, nachtvolle grabesstätte, und deck ihn kühlend zu Schubart s. ged. (1825) 1, 296; warum konnte ich seinen (des sterbenden pflegevaters) seegen nicht selbst hören? warum benetzen meine thränen seine heilige grabstätte nicht? Sophie v. Laroche frl. v. Sternheim 93 lit.-denkm.; wie die geliebte frau im tiefen schmerz sich über die grabstätte neigte Clara Viebig d. schlaf. heer (1904) 2, 511. 2@ee) daneben gelegentlich aber auch unspezifisch für bloszes grab, vgl. die grabstătte le tombeau Schwan nouv. dict. (1783) 1, 781a: zum dritten ein grabstätte, mit einer grossen flaschen, das wolleben bildend Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 242; wie denn auch ohne disz dergleichen irrwische gar gemein um die grabstätte gefunden würden Lohenstein Arminius (1689) 1, 181b; vgl. 2, 599a; warumb ist dieser sobald heimb gangen? tröst ihn gott, er hat alle tag gefruhstuckt, vnd das hat ihme zum todt geholffen. in summa fast allenthalben sepulchra concupiscentiae, gräber oder grabstätte der begirigkeit Abr. a s. Clara Judas 4 (1695) 108. in vergleichend übertragenem zusammenhang: (er) meint es gut ... er will meinen frieden ... aber dieser friede ist der friede einer grabesstätte, und diese ruhe die ruhe der todten (1805) Creuzer in: d. liebe d. Günderode (1912) 179 Preisendanz. 33) soviel wie gräberfeld, friedhof, begräbnisplatz, vgl. grabstette cimiterio, luogo da sepelire M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 553b: daher (aus dem glauben an die auferstehung) auch von alters die christen ... jre begrebnis ... genennet nicht grabstete oder todtenhöfe, sondern coemeteria, dormitoria, schlaffheuser Luther 22, 403 W. (wenn nicht zu grabstatt, s. d. 4); endlich werden sie (die gefallenen) in die öffentliche grabstäte ... beigesezt Heilmann gesch. d. pelepon. krieges (1760) 211; wir werden alle ... auf ihre (der gefallenen) grabstätte gehen und zu ihrer ruhe beten Stifter s. w. 11 (1932) 53. in dieser bedeutung auch in der form gräberstätte: jedenfalls wird uns dieses frauenzimmer zu der gräberstätte führen (zu dem 'leichenacker' der keltischen gräberfelder bei Halstatt) W. Raabe s. w. I 6, 280 Klemm; aber wie erstaunte er, ... als er (durch die pforte) hindurchtretend einen groszen kirchhof, eine weite alte gräberstätte vor sich sah mit unzähligen grabhügeln, kreuzen, denksteinen V. v. Strausz lebensführungen (1888) 2, 105. 44) bildlicher gebrauch des wortes entspricht im allgemeinen dem bei grab gegebenen. 4@aa) umschreibend für eine stätte des untergangs, 1 b gegenüber auf sachlich-gegenständliches bezogen, vgl. grab B 1 a: zusammengestürzt bist du reich, zertrümmert deine triumphbogen, zerfallen deine palläste, mit sträuchen verwachsen und düster, und über deiner öden grabstätte dämmert nebel im sinkenden sonnenglanz Göthe I 38, 377 W. im zusammenhang eines ausgeführten bildes: die leichensteine auf den grabstätten der ... griechischen kunst ... erklärten uns diese gelehrten R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 3, 213; es war, als führen wir in einen begräbniszport hinein. Venezia ist todt ... unsere gondel hielt vor dem alten palazzo Giustiniani ... das war also die erste grabstätte Laube ges. schr. (1875) 8, 344. 4@bb) auf konkretes oder abstraktes bezogen, das als im grabe liegend vorgestellt wird, vgl. grab B 2: die karten oftmals des beutels sarg und grabstette ist Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 350; mein ernster vorsatz ist der tod, ... die grabstät aller pein vnd noht Königsberger dichterkreis 173 ndr.; mannigfaltige producte der tropenwelt, in ihren grabstätten verborgen, offenbart die kalte zone dem forschenden geognosten: coniferen, aufgerichtete stämme von palmenholz, baumartige farnkräuter A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 27. 4@cc) in freiem bildgebrauch soviel wie 'stätte des todes, der vergänglichkeit' oder 'ort der trauer': wenn mein unmuth mir die schöne erde zu einer grabesstäte machte Zimmermann einsamkeit (1784) 4, 218; er (der winter) macht die welt zur grabesstätte Körner w. 2, 16 Hempel.
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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grabstätte

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Die Grabstätte , plur. die -n, die Stelle eines Grabes, oder eines begrabenen Verstorbenen; ingleichen die Stätte oder S…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Grabstätte

    Goethe-Wörterbuch

    Grabstätte je einmal -stäte, Grabes- 1 Begräbnisplatz a die für eine Bestattung vorgesehene, ausgewählte, geeignete Stel…

  3. Spezial
    Grabstätte

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Grab|stät|te f. (-,-n) fossa (fosses) f.

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Wortbildung

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Ableitung von grabstaette

grabstatt + -e

grabstaette leitet sich vom Lemma grabstatt ab mit Suffix -e, mit Umlaut-Wechsel.

Zerlegung von grabstaette 2 Komponenten

grab+staette

grabstaette setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

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Cotta, M. (2026). „grabstaette". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 15. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/grabstaette/dwb
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Cotta, Marcel. „grabstaette". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/grabstaette/dwb. Abgerufen 15. May 2026.
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Cotta, Marcel. „grabstaette". lautwandel.de. Zugegriffen 15. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/grabstaette/dwb.
BibTeX
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