gotteswort,
n. ,
älter auch gottswort, gotzwort,
vereinzelt gottwort Fischart
v. s. Dominici artl. leben 226
Kurz. 11)
ganz überwiegend in biblisch verwurzeltem gebrauch wie gottes wort
auf sp. 1071
f. und wort gottes
s. v. wort I C,
teil 14, 2,
sp. 1492
ff. als festes kompositum gelegentlich schon mhd., bei Luther
vorwiegend noch in getrennter schreibung. 1@aa)
kollektiv und allgemein für die in der bibel enthaltene offenbarung, botschaft und willenserklärung gottes an die menschen: durch der êwigen speis willen, sam daz gotswort ist Konrad v. Megenberg
b. d. natur 304
Pf.; richte nach dem gottes-wort dein sach gentzlich an allem ort Hans Sachs 19, 37
lit. ver.; wenn Luther ... die unchristlichen und ungereimten texte und worte ausstiesz, so sorgte er natürlich eher dafür, dasz das gotteswort im kleide der ächtheit und wahrheit, als in dem der schönheit auftrat Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 3, 10.
unter dem einflusz der reformation, die dem wortgebrauch starken auftrieb gibt, oft mit kennzeichnendem epitheton: ich hab auff das gwiss gottes-wort ... thon von grundt meines hertzen bawen Hans Sachs 11, 465
lit. ver.; o christenhait, merck eben auf das war gottes-wort!
ebda 22, 93; gleich als vermöge ein kaiserlicher befehl etwas gegen das unwandelbare gotteswort Ranke
s. w. (1867) 2, 8.
gelegentlich auch artikellos, ein gebrauch, der sonst der genitivverbindung gottes wort
vorbehalten bleibt; im ersten beleg der bedeutung '
theologie'
nahe: und dieses ist der ort (
die hohen fürstenschulen), wo sich die jugend übet, wo einer gotteswort, das hoch geheimnus, liebet, ein ander thut das sein, erforschet tag und nacht, was von Justinian zusammen ist gebracht Rachel
satyr. ged. 69
ndr.; dasz die bettelleute nicht mehr vor den thüren singen und beten sollen, ist offenbar wider gotteswort
portraits (1779) 27; ein verwetterter, leichtfertiger camerad, der ... selbst gotteswort nicht verschonte, weshalb ihn die leute für einen atheisten hielten Immermann
w. 2, 140
Hempel. artikellos auch in uneigentlichem, gattungsmäszigem gebrauch, der den biblisch-christlichen begriff voraussetzt: einige leute, die ... alles gleich für gotteswort halten was ein prediger schreibt Lichtenberg
aphorism. 2, 184
lit.-denkm.; alle wahrheit ist mir gotteswort Lavater in:
schr. d. Goetheges. (1885) 16, 238. 1@bb)
vorwiegend die biblische botschaft, sofern sie der christlich-kirchlichen verkündigung in ihren verschiedenen formen zugrundeliegt. so in festen verbalverbindungen; auch hier oft mit reformatorisch inspirierten beiwörtern: wan got gab den zwelfpoten und der pfaffhait die gâb allain, daz si daz gotswort scholten predigen Konrad v. Megenberg
b. d. natur 217
Pf.; so beger wyr, dasz wyr versaret werde mit ene pfarer, der uns brege das luder klar gotzwart (1525)
d. dt. bauernkr. aktenbd. 147
Franz; und das liebe gotteswort hehä? das ich morgen predigen soll? G. Hauptmann
einsame menschen (1897) 12;
ders., d. weber (1892) 74; du solt dem volck das goczwort kúnden
summerteil d. heyligen leben (1472) L 2
b; und er bekam das pastorat, wo er noch bis diese stunde gotteswort rein und lauter ... verkündiget Hippel
lebensl. (1778) 1, 260.
in der verbindung das gotteswort hören
geradezu '
die predigt hören, den gottesdienst besuchen': es ist ein fein ding in einer stat, da mag man das gotswort hören, mesz hören Keisersberg
brösamlin (1517) 66
b;
ders., granatapfel (1510) B 3
d; F 4
c; zu bequemer stund lass sy (
deine tochter) das gotswort hören vnd ir gebät zu got thun Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 30
ndr.; ein lange zeit am selben ort (
einer zerstörten kirche) hat man gehört kein gotteswort (1584) Uhland
hoch- u. niederdt. volkslieder (1881) 740.
auch sonst der prägnanten bedeutung '
predigt, biblische verkündigung'
nahe: so lang Elie schüler mit gotteswort vnd seliger kinderzucht herberg vnd vnterschleiff haben Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Ss 7
b; wildesz de drei jungen preister-kannedaten up de kanzel in angst un bangen ... ein jeder up sine ort mit gotteswurd nah' de preisterstäd' smet Fr. Reuter
w. 2, 426
Seelmann. 1@cc)
prägnant für die bibel, die heilige schrift: dasz solche euer ... handlung furnehmblich dem heiligen gotswort und der bekanntnus und apologie ... nit zuwider sei Luther
br. 8, 8
W.; was für frewde es einem ... gottliebenden vatter sein musz, wo er ... von seinen ... vnschuldigen kindern ausz gottes-wort höret her erzehlen Moscherosch
insomnis cura 80
ndr.; gotteswort und heldenmären Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 12; Mensing
schlesw.-holst. 2, 448. 1@dd)
prägnant für die reformation, vgl. schon: als wir (
Gustav v. Schweden) auch bald vom anfang vnsers königlichen regimentz dem wahren vnd lautern gotz wort ... seind anhengig gewesen (1540) Luther
br. 9, 214
W.; aber das wahre gotteswort wird (ob gott will) wol bleiben dort (
in dem von katholiken bedrohten Frankfurt) (1619)
bei Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 23. 1@ee)
von einem bestimmten wort gottes in vereinzelndem sinne: was dem Horaz die musen sind, sind dem ebräischen dichter heilige gottesworte Herder 12, 272
S. besonders von einem biblischen einzelspruch: was mocht lieplichersz gesagt werdenn, den solche wortt ... (
von bestimmten bibelworten)? o das unss der teuffel durch des bapsts gesetz solch lautter gottisworth alsso gar iamerlich vordruckt hatt Luther 10, 1, 1, 99
W.; wenn ich aber nu nicht gelauben wil, das der bapst mit den bischoffen das haupt der kirchen sey, so bin ich darumm kein ketzer, denn es ist kein gotteswort da Agricola
sprüchw. 2 (1529) 42; das herrliche gotteswort: meine stunde ist noch nicht gekommen Claus Harms
verm. aufs. u. kl. schr. (1853) 31; versunken ist in ihm das gotteswort (
der bibelspruch 2.
Petr. 3, 8) W. v. Scholz
ges. w. (1924) 4, 298. 1@ff)
in redensartlich-scherzhaftem gebrauch, an die bedeutungen a-c
anknüpfend. personifizierend gotteswort vom lande
für den landgeistlichen: es ist auch keiner seele eingefallen, nach 'gotteswort vom lande' zu schicken Holtei
erz. schr. (1861) 16, 89.
mundartlich Bernd
Posen (1820) 78; Brendicke
Berliner wortsch. 129; Mensing
schlesw.-holst. 2, 449; Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 657
b.
von da aus auch für ein ländliches mädchen, eine '
unschuld vom lande': sie sagte, ... sie wäre nie in honetter gesellschaft gewesen — und das mit so viel naiveté und wahrem ausdruck von gotteswort vom lande, dasz gewisz keine mannsperson gegenwärtig war, die nicht eine honette zusammenkunfft mit ihr gewünscht hätte (1788) Lichtenberg
br. (1901) 2, 323; Mensing
a. a. o. hierher auch mundartliche zusammensetzungen in scherznamen wie gotteswoordshandlanger
für den küster C. Schumann
wortsch. v. Lübeck 69;
vgl. Fischer schwäb. 3, 771;
für den küster oder organisten Mensing 2, 449;
für den pastor Doornkaat-Koolman 1, 657
b, gotteswoordsklopper
für den buchbinder C. Schumann
a. a. o.;
vgl. Fischer
a. a. o., goddswoordnaharker
für den küster Mensing
a. a. o. gottswort, rein gottswort
für '
schnaps'
bei Mensing 2, 449;
vgl. Frischbier pr. 1, 248; Meyer
d. richtige Berliner (1925) 88.
weitere scherzhafte redensarten bei Doornkaat-Koolman 1, 657
b; Mensing 2, 448
f. 22)
selten von göttlichen worten, religiöser bekundung, unabhängig von der biblischen botschaft im engeren sinne: es drang zu seinen (
kaiser Alexanders) ohren ein hohes gotteswort, da hat er sich verschworen der freiheit held und hort Schenkendorf
ged. (1815) 4.
metaphorisch: Bertha fühlte sich dreifach erbaut: durch die ernsten gottesworte, die hoch über den wolken hinrasselten (
die donnerschläge) Fouqué
zauberring (1812) 3, 3.
personifizierend auf einen menschen übertragen: es ist ein lang stück leben, das wir dem staube geben, ein ausgeklungen gotteswort (
auf einen verstorbenen neunzigjährigen) G. Keller
ges. w. (1889) 10, 53. 33)
auf menschliche worte übertragen, '
worte göttlicher würde und weisheit': ein mensch, der die würde dieses gliedes (
nämlich des mundes) kennte, ... er spräche gottesworte Lavater
physiogn. fragm. (1775) 3, 121; man ... darf ... von ihnen (
den mit brahmanen verglichenen philologen) wohl dann und wann ein gotteswort erwarten. und wirklich erwarten wir diesz ... dasz einmal aus dieser wundervollen sphäre ein mensch heraustrete ... ohne gelehrtensprache und gräszliche zitate R. Wagner
ges. schr. u. dicht. (1897) 9, 298. 44)
vereinzelt in älterer sprache für die nennung des göttlichen namens im fluchwort, von gott I J 5
her: wellicher bürger in seinem haus oder anderswo mit gotsworten oder andern heiligen schildt (
gotteslästerung begeht) (1543)
österr. weist. 8, 538. —