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gottespfennig

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gottespfennig m.

Bd. 8, Sp. 1290
gottespfennig, m. 11) angeld, handgeld, haftgeld; vgl. gottesgeld 2, -groschen, -heller 1. dem mlat. denarius dei, denarius sanctus, denarius sancti spiritus (vgl. Du Cange gl. 3, 60) entsprechend, neben gleichbedeutendem des hileghen gheystes penninch (var. godes penninch) alt. lüb. recht 306 Hach; vgl. Haltaus gloss. 743; Frisch t.-lat. (1741) 1, 362b. der sache, als haftgeld, entsprechend, glossiert das wort gewöhnlich lat. arra, arrabo; vgl. (md., obd. 15./16. jh.) Diefenbach nov. gl. XVIII; 35a; gl. 50b; ebda s. v. dialis 179b; Frisius dict. (1556) 121a; Maaler t. spr. (1561) 190c; Stieler stammb. (1691) 1175. das wort begegnet überaus häufig im nd. und im westlichen md. bis ins 18. und 19. jh. hinein; vgl. auch mnl. godespenning Verwijs-Verdam 2, 2013; nl. godspenning woordenboek 5, 285; jünger nur noch vereinzelt, vgl. bes. rhein. wb. 2, 1328; in den hd. maa. findet es sich seltener und nur in älterer zeit; vgl. die mundartwbb.; es wird überall, dem sachlichen wandel (s. u.) folgend, abgelöst durch bildungen wie angeld, handgeld (s. d.), modern auch, der sache ungefähr entsprechend, anzahlung. 1@aa) gottespfennig meint das beim abschlusz von kauf- und dienstverträgen vom käufer oder dienstherrn zu zahlende, den vertragspartner zur vertragserfüllung verpflichtende angeld, handgeld; dieses wurde ursprünglich, regional begrenzt auch jünger noch, an die kirchen- oder armenkasse abgeführt (von da her die lat. und die dt. bildung, dem kompositionstyp gott I D 4 u. 5 entsprechend); vgl. handwb. d. dt. aberglaubens 3, 975; Haltaus a. a. o.; Schiller-Lübben mnd. wb. 2, 128b; Estor d. Teutschen rechtsgelahrth. 3 (1767) 1409; Westenrieder gl. germ.-lat. (1816) 213; Frischbier preusz. wb. 1, 247; 2, 525; ebda 1, 213 s. v. gadspfennig; Sallmann Estland (1880) 54; dt. rechtswb. 4, 1031: (dem meistbietenden bei einer versteigerung) überlasset man solch ligende stuck undt setzet ihne dessen auf erlegten gottspfänning, welcher in der sonder-siechen zu st. Jacob darzu habenden büchsen gehörig, in gewalt undt gewehr (1648) in: schweiz. id. 5, 1122; gottespfennig (beim grundstückskauf), so ohnedem vor die armen gegeben wird (1694) in: dt. rechtswb. 4, 1032. die belege erlauben keine sichere entscheidung darüber, seit wann (wohl regional verschieden) der vertragspartner selbst den gottespfennig erhält; lexikographen des 18. jhs. bezeichnen jedenfalls die abführung des geldbetrages an kirchen- oder armenkassen als der vergangenheit angehörig, vgl. Frisch a. a. o., Haltaus a. a. o., Scherz-Oberlin gl. germ. (1781) 563: wanne een man koft enen kop unde godespennyng darup gift (Hamburg 1270) in: dt. rechtswb. 4, 1031; item si duo eorum (der schuhmacher) vel plures venerint ad mercandum rem aliquam, nullus alius alium impediat in emendo, nisi aliquis arrhas, que vocatur godespenning, dederit super re emenda (Bremen 1300) bei Schiller-Lübben 2, 128b; wann man chawft oder hin geit, wann man leyt-chawf trinkcht oder gotsphenig geit, so ist der chawf stêt (um 1400) steierm. landrecht 148 Bischoff; wenn einer etwas kauft ..., so gibt er dem verkaufer etwas daruf, ein teil geltes ..., würt etwen genant ein gotzpfenning, den man daruf gibt und nit me Keisersberg seelenparadies (1510) 120a; dafür aber jhr euch vmb Jesu Christi willen hüten wollet: ... vnd, was sonst die gantze woche vber vorgangen, gehandelt, gekaufft vnd verkaufft worden, dasz man deszwegen am sonntag ... den weinkauff, den dingkauff, den hammen, den kolben, den gottespfennig, den marck, den krantz, den meyen verzehret vnd versaufft Moscherosch insomnis cura par. 111 ndr.; mein vater ... gab seinem sprachmeister ... einen zehrpfennig. eigentlich wars in hinsicht des mit ihm getroffenen contracts ein gottespfennig Hippel lebensläufe (1778) 1, 78. enger für die gabe zur besiegelung eines verlöbnisses: darup ... ein gadespenning van brüdegam undt brutt gegeven (1565) in: dt. rechtswb. 4, 1032; später in dieser anwendung noch bei Mensing schlesw.-holst. 2, 447. für Danzig wird gottespfennig älter als maklerlohn, der vom käufer und verkäufer zu zahlen ist, belegt bei Volckmann alte gewerbe (1921) 197. 1@bb) uneigentlich im sinne von unterpfand 2, teil 11, 3, sp. 1714: darum ist syn (Christi) beschneidung gewest recht als ein gotz pfennig ber den grossen kauff vnser erlöszung (um 1500) P. Stephan Fridolin dt. pred. 35 Schmidt; Keisersberg evang. m. ussleg. (1517) 206b; ich bitte euch, laszt mich. einen kusz hab ich euch zum gottespfennig erlaubt; ihr scheint (mit zu stürmischen zärtlichkeiten) aber schon von dem besitz nehmen zu wollen, was nur unter bedingungen euer ist Göthe I 8, 42 W. 22) zuwendung an geistliche einrichtungen, almosen, kollektengeld. wohl kaum aus der bedeutung 1, aber vom gleichen, dem kompositionstyp gott I D 5 entsprechenden ansatzpunkt entwickelt; zu vergleichen ist nl. godspenning in der bedeutung 'almosen, trinkgeld' woordenboek 5, 286. im dt. sprachgebiet weniger in nd. (wie die bedeutung 1) als hier und da in hd. maa. bezeugt: das dieser gottspfenning (den die kinder Elis empfangen sollen; vgl. 1. Sam. 2, 36) nach der kirchen müntz acht vierer golte Mathesius Sarepta (1571) 172a; (1647) bei Fischer schwäb. 3, 770; sonderlich werden die vermögenden ermahnet, dasz (sie) ... der armen schulen indenck seyn, und sie mit einem beliebigem gottes-pfennige bedencken wolten (1683) schles. kirchen- u. schulordn. 432 Jessen-Schwarz; (half,) als ... sein vater fuszschwach geworden war, mit dem klingsäckel die gottespfennige einsammeln W. Jordan d. Sebalds (1904) 1, 174. in übertragener bedeutung: aus langen wimpern einen seelenvollen blick herüber schleudern ..., war das werk dreier sekunden — der magre gottespfennig, mit welchem mein ungestüm pochendes herz sich wieder während langer, banger tagereisen beköstigen muszte Gaudy s. w. (1844) 18, 46. — eine anwendung auf das trinkgeld, das zu weihnachten und zum jahrmarkt gegeben wird, ist vermerkt bei Frischbier preusz. wb. 1, 247b. —
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gottespfênnig

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Gottespfênnig , des -es, plur. die -e, S. Adelung Gottesgroschen .

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gottespfennig

    Goethe-Wörterbuch

    Gottespfennig Unterpfand [ Marie zu Weisl, der sie umarmt: ] lasst mich. Einen Kuss hab ich euch zum G.[Gott’spfenning 8…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gottespfennig

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gottespfennig ( Denarius dei ), ursprünglich wohl eine in den Gotteskasten gelegte Gabe für die sichere Aufbewahrung ein…

  4. modern
    Dialekt
    Gottespfennig

    Bayerisches Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    Gottespfennig Band 2, Spalte 2,550f.

  5. Sprichwörter
    Gottespfennig

    Wander (Sprichwörter)

    Gottespfennig 1. Gottespfennig befestigt den Kauf. – Graf, 243, 118. Der Abschluss eines Vertrags beruht auf der Ueberei…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gottespfennig

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Zerlegung von gottespfennig 2 Komponenten

gottes+pfennig

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Cotta, M. (2026). „gottespfennig". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gottespfennig/dwb?formid=G23813
MLA
Cotta, Marcel. „gottespfennig". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gottespfennig/dwb?formid=G23813. Abgerufen 12. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gottespfennig". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gottespfennig/dwb?formid=G23813.
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@misc{lautwandel_gottespfennig_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„gottespfennig"},
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