gottespfennig,
m. 11)
angeld, handgeld, haftgeld; vgl. gottesgeld 2, -groschen, -heller 1.
dem mlat. denarius dei, denarius sanctus, denarius sancti spiritus (
vgl. Du Cange
gl. 3, 60)
entsprechend, neben gleichbedeutendem des hileghen gheystes penninch (
var. godes penninch)
alt. lüb. recht 306
Hach; vgl. Haltaus
gloss. 743;
Frisch t.-lat. (1741) 1, 362
b.
der sache, als haftgeld, entsprechend, glossiert das wort gewöhnlich lat. arra, arrabo; vgl. (
md., obd. 15./16.
jh.) Diefenbach
nov. gl. XVIII; 35
a;
gl. 50
b;
ebda s. v. dialis 179
b; Frisius
dict. (1556) 121
a; Maaler
t. spr. (1561) 190
c; Stieler
stammb. (1691) 1175.
das wort begegnet überaus häufig im nd. und im westlichen md. bis ins 18.
und 19.
jh. hinein; vgl. auch mnl. godespenning Verwijs-Verdam 2, 2013;
nl. godspenning
woordenboek 5, 285;
jünger nur noch vereinzelt, vgl. bes. rhein. wb. 2, 1328;
in den hd. maa. findet es sich seltener und nur in älterer zeit; vgl. die mundartwbb.; es wird überall, dem sachlichen wandel (
s. u.)
folgend, abgelöst durch bildungen wie angeld, handgeld (
s. d.),
modern auch, der sache ungefähr entsprechend, anzahlung. 1@aa) gottespfennig
meint das beim abschlusz von kauf- und dienstverträgen vom käufer oder dienstherrn zu zahlende, den vertragspartner zur vertragserfüllung verpflichtende angeld, handgeld; dieses wurde ursprünglich, regional begrenzt auch jünger noch, an die kirchen- oder armenkasse abgeführt (
von da her die lat. und die dt. bildung, dem kompositionstyp gott I D 4
u. 5
entsprechend);
vgl. handwb. d. dt. aberglaubens 3, 975; Haltaus
a. a. o.; Schiller-Lübben
mnd. wb. 2, 128
b; Estor
d. Teutschen rechtsgelahrth. 3 (1767) 1409; Westenrieder
gl. germ.-lat. (1816) 213; Frischbier
preusz. wb. 1, 247; 2, 525;
ebda 1, 213
s. v. gadspfennig; Sallmann
Estland (1880) 54;
dt. rechtswb. 4, 1031: (
dem meistbietenden bei einer versteigerung) überlasset man solch ligende stuck undt setzet ihne dessen auf erlegten gottspfänning, welcher in der sonder-siechen zu st. Jacob darzu habenden büchsen gehörig, in gewalt undt gewehr (1648)
in: schweiz. id. 5, 1122; gottespfennig (
beim grundstückskauf), so ohnedem vor die armen gegeben wird (1694)
in: dt. rechtswb. 4, 1032.
die belege erlauben keine sichere entscheidung darüber, seit wann (
wohl regional verschieden)
der vertragspartner selbst den gottespfennig
erhält; lexikographen des 18.
jhs. bezeichnen jedenfalls die abführung des geldbetrages an kirchen- oder armenkassen als der vergangenheit angehörig, vgl. Frisch
a. a. o., Haltaus
a. a. o., Scherz-Oberlin
gl. germ. (1781) 563: wanne een man koft enen kop unde godespennyng darup gift (
Hamburg 1270)
in: dt. rechtswb. 4, 1031;
item si duo eorum (
der schuhmacher)
vel plures venerint ad mercandum rem aliquam, nullus alius alium impediat in emendo, nisi aliquis arrhas, que vocatur godespenning,
dederit super re emenda (
Bremen 1300)
bei Schiller-Lübben 2, 128
b; wann man chawft oder hin geit, wann man leyt-chawf trinkcht oder gotsphenig geit, so ist der chawf stêt (
um 1400)
steierm. landrecht 148
Bischoff; wenn einer etwas kauft ..., so gibt er dem verkaufer etwas daruf, ein teil geltes ..., würt etwen genant ein gotzpfenning, den man daruf gibt und nit me Keisersberg
seelenparadies (1510) 120
a; dafür aber jhr euch vmb Jesu Christi willen hüten wollet: ... vnd, was sonst die gantze woche vber vorgangen, gehandelt, gekaufft vnd verkaufft worden, dasz man deszwegen am sonntag ... den weinkauff, den dingkauff, den hammen, den kolben, den gottespfennig, den marck, den krantz, den meyen verzehret vnd versaufft Moscherosch
insomnis cura par. 111
ndr.; mein vater ... gab seinem sprachmeister ... einen zehrpfennig. eigentlich wars in hinsicht des mit ihm getroffenen contracts ein gottespfennig Hippel
lebensläufe (1778) 1, 78.
enger für die gabe zur besiegelung eines verlöbnisses: darup ... ein gadespenning van brüdegam undt brutt gegeven (1565)
in: dt. rechtswb. 4, 1032;
später in dieser anwendung noch bei Mensing
schlesw.-holst. 2, 447.
für Danzig wird gottespfennig
älter als maklerlohn, der vom käufer und verkäufer zu zahlen ist, belegt bei Volckmann
alte gewerbe (1921) 197. 1@bb)
uneigentlich im sinne von unterpfand 2,
teil 11, 3,
sp. 1714: darum ist syn (
Christi) beschneidung gewest recht als ein gotz pfennig ber den grossen kauff vnser erlöszung (
um 1500) P. Stephan Fridolin
dt. pred. 35
Schmidt; Keisersberg
evang. m. ussleg. (1517) 206
b; ich bitte euch, laszt mich. einen kusz hab ich euch zum gottespfennig erlaubt; ihr scheint (
mit zu stürmischen zärtlichkeiten) aber schon von dem besitz nehmen zu wollen, was nur unter bedingungen euer ist Göthe I 8, 42
W. 22)
zuwendung an geistliche einrichtungen, almosen, kollektengeld. wohl kaum aus der bedeutung 1,
aber vom gleichen, dem kompositionstyp gott I D 5
entsprechenden ansatzpunkt entwickelt; zu vergleichen ist nl. godspenning
in der bedeutung '
almosen, trinkgeld'
woordenboek 5, 286.
im dt. sprachgebiet weniger in nd. (
wie die bedeutung 1)
als hier und da in hd. maa. bezeugt: das dieser gottspfenning (
den die kinder Elis empfangen sollen; vgl. 1. Sam. 2, 36) nach der kirchen müntz acht vierer golte Mathesius
Sarepta (1571) 172
a; (1647)
bei Fischer
schwäb. 3, 770; sonderlich werden die vermögenden ermahnet, dasz (
sie) ... der armen schulen indenck seyn, und sie mit einem beliebigem gottes-pfennige bedencken wolten (1683)
schles. kirchen- u. schulordn. 432
Jessen-Schwarz; (
half,) als ... sein vater fuszschwach geworden war, mit dem klingsäckel die gottespfennige einsammeln W. Jordan
d. Sebalds (1904) 1, 174.
in übertragener bedeutung: aus langen wimpern einen seelenvollen blick herüber schleudern ..., war das werk dreier sekunden — der magre gottespfennig, mit welchem mein ungestüm pochendes herz sich wieder während langer, banger tagereisen beköstigen muszte Gaudy
s. w. (1844) 18, 46. —
eine anwendung auf das trinkgeld, das zu weihnachten und zum jahrmarkt gegeben wird, ist vermerkt bei Frischbier
preusz. wb. 1, 247
b. —