gotteslohn,
m. ,
älter, besonders vom md., nd. her, auch n. wie das grundwort lohn teil 6,
sp. 1132;
vgl. Göpfert
sächs. Erzgeb. 54; Lessing 13, 7
L.-M.; anders ist ein neutraler gebrauch herzuleiten, wie er unter 1 b
δ erscheint. 11)
die von gott für eine gute tat gewährte (
nicht zeitliche)
belohnung, gnade. 1@aa)
im freien gebrauch selten anstelle der älteren genitivverbindung (
s. unter gott
sp. 1041): darbey man mercket gotteslohn, wer recht vrthail läszt ergan J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 117
b; gotteslohn darf man nicht verschmähen, aber den weltlohn begehr ich nicht Jer. Gotthelf
ges. schr. (1855) 9, 96; Hans Grimm
volk ohne raum (1926) 600. 1@bb)
meist in festen wendungen, deren religiöser gehalt sich in jüngerem gebrauch oft verflüchtigt. 1@b@aα) (sich) einen gotteslohn verdienen, erwerben
u. ä.: das keiser und frsten kein grosser gotts lohn verdienen kondten, denn so sie diese ketzerey (
der evangelischen) ausrotten (1539) Luther 46, 16
W.; ein armer mensch, ... an dem man sich einen gotteslohn verdient, wenn man ihm hilft Tieck
schr. (1828) 14, 272; die schulbehörde, die endlich gründlich mit diesem kauderwälsch aufräumen wollte, die würde sich ums deutsche volk einen wahren gotteslohn verdienen Dehmel
ges. w. 8 (1909) 123; kindliche dankbarkeit ... erwirbt ... gotteslohn Zschokke
s. ausg. schr. (1824) 18, 244; W. Raabe
s. w. I 6, 410
Klemm; die kugel dieser stücke rächt an Napoleon dies land, und schafft im himmel mir ewigen gotteslohn Gaudy
s. w. (1844) 7, 57.
so auch mundartlich: dor het he sik gottslohn an verdeint (
mecklenb)
in: korrespondenzbl. d. ver. f. nd. sprachf. 15, 19
b;
vgl. Schmeller-Fr.
bair. 1, 959; 1482; Woeste
westf. 82
a. 1@b@bβ)
die vielleicht im anschlusz an α entstandene wendung einen gotteslohn tun
umschreibt in elliptischer form eine gute tat, d. i. eine tat, die auf göttlichen lohn anspruch hat. älterer gebrauch zielt vereinzelt auf eine gerechte göttliche strafe, die an jemandem vollzogen wird: sein vater wär im pan, darumb tät er ein gotslon, wen er in ... erwürget Aventin
bayer. chron. 2, 306
Lexer. sonst immer im positiven sinne einer wohltat: wenn man aber ainem armen mennschen nur solt ain haller geben, ... wurd man mainen, man hette unsern herrgot mit den henden in himel hinauff gehebt unnd ain grossen gotslon thon Montanus
schwankb. 165
lit. ver.; einen gottslohn thun
rem deo gratissimam facere Dentzler
clavis germ.-lat. (1716) 139
a.
so besonders in jüngeren mundarten: e gottslohn duhn '
eine wohltat erweisen'
rhein. wb. 2, 1327;
vgl. Schmeller-Fr.
bair. 1, 959; 1482;
schweiz. id. 3, 1288; Fischer
schwäb. 3, 770.
in anderer verbaler umschreibung: speise und trank ist nicht der gröszte gotteslohn, den das fromme ehepaar an ihm (
dem fremden kind) ausübt, sondern die christliche zucht, die väterliche erziehung und die mütterliche pflege Hebel
w. 2, 244
Behaghel. 1@b@gγ)
vielleicht von den wendungen unter α und β her und wie unter β ebenfalls elliptisch, nur im älteren nhd., es ist ein gotteslohn.
freilich zielt in den wenigen bezeugungen dieser wendung gotteslohn
stets auf die gerechte göttliche strafe, die jemandem zuteil wird; insofern ist auch die annahme einer ironischen anwendung auf die strafe unmittelbar wie unter ζ möglich: (
Christoph will einem kardinal kein geleit geben) und were ein gottslohn, wa er ufgeriben wurde (1557) Christoph v. Wirtemberg
briefw. 4, 435
Ernst; es ist ein gottslohn, wenn man den bösewicht strafet
historisch in: schweiz. id. 3, 1288. 1@b@dδ)
seit dem 18.
jh. auch als ausruf des dankes für eine erwiesene wohltat, oft in dem sinne, dasz eine materielle belohnung nicht erfolgen wird: sie haben also für meine jambisirte Ilias gestritten? gotteslohn dafür! Bürger
s. w. 175
b Bohtz; gotteslohn für diese blumen! Holtei
erz. schr. (1861) 16, 262.
aus der form des ausrufs gelöst, für das '
dank sagen',
und daher mit neutralem genus: gib mir von deiner portion und nimm dafür mein gotteslohn Bürger
s. w. 94
a Bohtz; ein mörder, der immer erst bettelt, um das herz der menschen auf die probe zu stellen. bald als blinder, bald als greis pp., ... und von dem andern hängt es ab, ob er den tod will, ob ein gotteslohn (1841) Hebbel
tageb. 2, 86
Werner; ist es (
das mahl) euch eines gotteslohnes werth, so mag es mich freuen Rosegger
schr. (1895) I 13, 42.
hierher gehört wohl auch der folgende beleg: mit dem (
betteln) überkäme ich vil geld, dann ich hatte des gutzlons und bettlens wohl gewohnt (16.
jh.) Th. Platter (1793) 61
Baldinger, wo der herausgeber freilich gutzlon
verlesen hat aus gutzlen '
dringend werben, betteln'
seiner quelle in: miscellanea Tigurina 3 (1724) 238.
in der umschreibung eines solchen dankes begegnet auch der plural: er müsse ihm sieben gotteslöhne wünschen, dann würde er erlöst Hoffmeister
hess. volksdicht. (1869) 60.
selten in einer verbalen wunschformel, die freilich logisch dem ausruf des dankes zugrunde liegt: nehmt gotteslohn, ihr süszen brüder (
genien)! Göthe I 16, 365
W. 1@b@eε)
etwas für,
jünger um einen gotteslohn
tun. über δ hinaus geradezu im sinne von '
umsonst, gratis': (
wohl hierher und nicht zu δ:) ihr (
Cynthias) guter ruf sogar wär als ein rauch entflohn, gäb es nicht nymphen hier, die für ein gotteslohn in süszer schwärmerei ihn zu erhalten dächten Thümmel
reise (1791) 2, 199; ich wurde ein feind des tages, aller tage, die dazwischen lagen, und die ich für einen gotteslohn verschenkt hätte A. Ruge
s. w. (1847) 7, 279; an allen diesen festen hatte er ... noch die grosze glocke zu läuten, wozu er zwei männer brauchte, die er um gotteslohn anstellte Hansjakob
schneeballen v. Bodensee (1894) 166; schon einmal hast du mich in deinem boot über dies wasser gefahren, um gotteslohn Herm. Hesse
d. weg nach innen (1932) 118.
besonders in dieser wendung in den mundarten weit verbreitet. 1@b@zζ)
ironischer gebrauch für eine gerechte strafe, wie ihn das simplex lohn
häufig zeigt (
vgl.lohn 3 b
u. 4 a,
teil 6,
sp. 1134),
ist nur vereinzelt in jüngerer mundart bezeugt: he krigt ok noch gottslohn '
seine strafe' (
mecklenb.)
in: korrespondenzbl. d. ver. f. nd. sprachf. 15, 19
b. 22)
okkasionell in umgekehrter blickrichtung, ein lohn, der gott zukommt: mit dem heiligen sakrament kann ich nicht handel treiben. der opferpfennig ist gotteslohn Ina Seidel
Lennacker (1938) 113.