glänzig,
glanzig,
adj. , '
glänzend, leuchtend'.
in der neueren schriftsprache nicht mehr gebräuchlich und vom part. adj. glänzend (
s.glänzen I E)
verdrängt; in den mundarten öfter begegnend und als bildkräftiges wort auch noch von neueren autoren verwendet, vgl. dialektisch glanzig Schmeller-Fr. 1, 975, Unger-Khull
steir. 294
a; glänzig Staub-Tobler 2, 639; klentsic Meisinger
Rappenau 73
a; glanzig Martin-Lienhart 1, 260
b; glanzich Follmann
lothr. 207
a; glensich Lambert
rheinpf. 66
b; glänzich Kisch 93
a; glènzig Hertel
Thür. 107; glänzig Müller-Fraureuth 1, 423
a; glansîg Doornkaat-Koolman 1, 631
b.
die frühesten belege sind lexicographisch, vgl. candidus glantzig (15.
jh., md.) Diefenbach
gl. 94
c;
fulvus glantzig (
anf. d. 15.
jhs.)
ebda 251
b; glanczig (
v. j. 1466)
fulvus nov. gloss. 185
a (
sieh auch die var. durchglentzig [
von gezierde
gesagt]
zu jüng. Titurel 3324
H. im druck von 1477
bl. 164
a). 11) '
leuchtend, strahlend hell' (
vgl.glanz A);
von lichtschein: ein feurig glentzigk schwert (
nach 1. Mos. 3, 24) Luther 14, 154
W.; wol leucht alles gestirn wie die lichte son, so glentzig frey Seb. Wildt
tragöd. (1566) l 1
b; uns gnügen neune hier (
lichter), sie brennen hell und glanzig Rückert
erz. d. Brahm. (1839) 408; das glänzge mondesbild verschwand H. v. Kleist
w. 2, 350
E. Schm. von einem heiligen (
vgl.glanz A 4): (
der alte mann) ward ein schöner glänziger heiliger Göthe 39, 138
W.; von klarem wetter der nacht (
vgl.glanz A 2):
ut praenitens luna vast heyter und glantzig Frisius
dict. (1556) 1042
b. 22) '
glänzend, blinkend, schimmernd' (
vgl.glanz B): zwey gläntzige schwerdt Seb. Wildt 12
comöd. (1566) Hhh 4
b; starckem, hellen, im strahl der sonne glänzigen kupfer H. v. Kleist 3, 387
E. Schm.; da liegt es golden, glanzig, das erbetete, erjammerte, verfluchte, gesegnete gold E. v. Handel-Mazzetti
Jesse und Maria (1915) 1, 316.
im sprichwort: s isch nit alles gold, was glanzich isch Follmann
lothr. 207
a, Martin-Lienhart 1, 210
b; wann solche pflasterstein abgeschliffen und wol poliert und glentzig gemacht seind, sol man gestoszen marbel darauff rein siben G. Rivius
Vitruv (1575) 469; (
andere hauswirte) überstreichen das brod (
ehe es gebacken wird, mit wasser) so wirds noch gläntziger Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 201; so ein verborgne röte auflieff mit brennen und glantzig, und weret in dasz dritt oder sechst jar, dasz sein zeichen zum heiszen brand Paracelsus
chir. schr. (1618) 445;
von haarglanz: denn düe haar
glanzüg werden wüe samett Samuel Kiechel
reisen 413
H.; 'glanzig ...
glänzend, feiszt, von pferden'
M. R. Buck
medicin. volksglaube (1865) 34; warf bei dem hellen scheine der lampe einige rasche konturen auf das feine glänzige papier Gaudy
s. w. (1844) 23, 57; wo des schilfes fahnen wehen zwischen breitem, glänzgem blatt 7, 14; glanzig gschir Seiler
Basel 138
a; glänzger ströme lauf Eichendorff
s. w. (1864) 1, 394. 33)
bergmännisch entsprechend glanz B 2 a
vom aussehen von mineralen, vor allem glanzerz (
vgl.glanz F 1) '
glitzernd',
vgl.: der lebendig schwebel, vom feur noch nit berürt, klar, glantzig W. H. Ryff
spiegel u. regim. (1544) 95
b;
pyrites colore galenae similis ein glantziger kisz Agricola
bergmannus sive de re metallica (1530) 134; nachdeme die maisten gang bleich und glanzig geng führen, und am gehalt des silbers nit so reich sein, wie auf andern silberbergwercken (
v. j. 1548) v. Lori
baier. bergrecht 245; auff die flüssigen milden ertz, als die eyssenschüssig und glantzig und die ohne kiesz seyn Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 51
b; blendertz ... es sey gediegen, gläntzig und kiesig, so bestehet das nicht, und trägt gar wenig die kost Kirchmaier
instit. metall. (1687) 78; glantzertz ist ein glauch und glantzig ertz Löhneysz
ber. v. bergw. (1690) 22; so wirstu ein gar schön farbig und hell glantzig gold finden
J. B. Porta natürl. magia (1713) 489; glanzig wiszmutherz Jacobsson
technol. wb. (1793) 5, 681
a,
s. noch Beil
technol. wb. (1853) 1, 247. 44)
zu glanz C;
von den augen (
s.glanz C 2): und fand ihn endlich hinter einer dichten hecke, längshin ins gras gestreckt und das gesicht mit seinen zwar glänzigen, aber mutlosen und schamvollen augen gegen den boden gekehrt Federer
berge u. menschen (1911) 564;
von leuchtender farbe, besonders der haut (
s.glanz C 1): wann aber der Mars allein wirt sein ein bedeuter der geburt, und wurd auffgängig sein in der welt, ... so wirts bedeuten, das der geborne werde keiner glantzigen farb sein, er wirt auch zuom theil einer weiszen doch nit gar klaren farb sein, auch etwas rötlecht, doch nit recht rötlecht
M. Pegius
geburtstundenbuch (1570) J i 1
a;
dazu auch glanzig
rotbackig Fischer
schwäb. 3, 667; '
hell, durchsichtig' (
vgl.glanz C 1)
von einer flüssigkeit: im wirtshause gab uns hr. Bogner rothen glanzigen brantwein der sehr stark war und daher mich bald sehr lustig machte Ph. H. Patrick
tagebuch 1, 162. 55)
uneigentlich. '
ansehnlich, kostbar',
zu glanz D 2: dan was ist doch zartlichers, zirlichers und vollustigers, dan die reichen? ... wer hat schöner statlicher häuser? wa ist alles also gemachlich, ... glanzig ... als daselbs? Fischart 3, 89
Hauffen; doch zeucht sich euer man yetz glentzig mit seyner klaydung hurtig und fentzig mehr dann in seinen jungen tagen H. Sachs 1, 451
K.; und drinnen (
im hause) wie glanzig alles und rein! das prächtige bett, der spiegel, der schrein Chamisso
w. (1839) 6, 264. '
blühend, schön'
entsprechend glanz D 1 a
u. b: dann hast du (
das lied) badefrische, glänzge glieder, ... zum tanz gebrauchet Immermann 13, 251
Boxb.; grün war die weide, der himmel blau, wir saszen beide auf glänzger au Eichendorff
s. w. (1864) 1, 262.