gipfeln,
vb. ,
denominativum zu gipfel. 11)
zufrühest in der form des präteritalen partizips seit dem 16.
jh., im ganzen aber selten bezeugt, in ausläufern noch bis ins 19.
jh. hinein überliefert: iugosus gespitzt, gegipfelt Dasypodius (1536) c c 3
c; (
im jahr 1575) ist min motter mit ... einer gegiffelter laden (
begraben worden)
buch Weinsberg 2, 301
Höhlbaum, vergleiche dazu gipfel
vom sargdeckel am schlusz von gipfel 4 b
γ; (
der berg mit namen) Lazchenberg ... ist spitzig gegipffelt Valvasor
ehre d. herzogt. Krain (1689) 1, 221; gegipffeltes oder spitziges dach
tectum fastigiatum Aler
dict. (1727) 1, 483
a; (
das antike dach war) flach gegipfelt, wie noch itzo die häuser in Italien Winckelmann 1, 386
Fernow; gegipfelt, gefirstet wapen oder schild
culminatio, comignolato Kramer 2 (1702) 1252
c;
zuletzt verzeichnet als botanischer und technologischer terminus, z. b. gegipfelt
fastigiatus G. W. Bischoff
wb. d. beschr. bot. (1839) 245; gegipfelter pfahl
bei Mozin
deutsch-franz. (1856) 1, 757
a;
nach lateinischem vorbild: (
die den Aktäon in einen hirsch verwandelnde Diana) streckt in die länge den hals und spitzt die gegipfelten ohren (
summasque cacuminat aures) Voss
Ovid verwandlungen (1798) 1, 158. 22)
seit dem 17.
jh. bezeugte sporadische bildliche verwendung von gipfeln
bringt das verb auch in andern flexionsformen, frei als transitivum, intransitivum oder reflexivum behandelt; an gipfel '
wipfel'
und '
berggipfel'
sich anschlieszend, vgl. wipfeln 2. 3: ... weil dasz es (
Österreich) herrlich zweiget und gipfelt wolkenan S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 313; dasz ich gleich einer hohen fichten mich in die höhe gipffeln ... werde G. Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 261; des andern (
berges) wolckenhaupt sich in die lüffte gipffelt
ebda 1, 174; gipfelnde kunst steht auszerhalb aller geschichte, gipfel grüszt gipfel und die niederungen bleiben im schatten Chamberlain
lebenswege (1919) 225.
an gipfel 4 a
angelehnt: machte die kunst groszartigen stils und gipfelte thürmend den prachtbau mit erhabenem wort und mit groszen ideen Droysen
Aristophanes (1835) 1, 70. 33)
mit dem 19.
jh. begegnet gipfeln
in abgezogenem gebrauch im sinne von '
den höhepunkt, den höchsten grad, die höchste steigerung erreichen',
vgl. gipfel 5. 3@aa)
als reflexivum: so gipfelt sich das wachstum der menschheit Kürnberger
d. Amerikamüde (1855) 1; ich kannte die versuchung lange, ich sah sie kommen und sich gipfeln wie eine heranrollende woge C.
F. Meyer
Pescara (1901) 163;
mit präpositionaler bestimmung: mit Ottokar wollte sich Böhmen zu einer europäischen groszmacht gipfeln
F. G. Kühne
Wien (1855) 17; im laufe der zeit hat sich jedoch ein allgemeines übelbefinden so gesteigert und sich schlieszlich zu einem heftigen rheumatismus gegipfelt Fr. Reuter
briefe 601
Weltzien. 3@bb)
allgemeiner üblich ist die wendung gipfeln in etwas: die wissenschaftliche medicin, gipfelnd in Galenus Lange
gesch. d. materialismus (1866) 64; (
er liesz seine rede) in dem rufe gipfeln ... Bennigsen
die nationallib. partei (1892) 52; die gründe ... gipfelten in dem argument, dasz ... Bismarck
ged. u. erinn. (1898) 2, 47; des verfassers lehre gipfelte in den sätzen, die Germanen könnten in ihre historischen sitze nicht eingewandert sein
in: zs. f. dt. philologie 48 (1920) 500; gipfelt das stück des Hans Sachs in der scene, in welcher B. in das zimmer der königin stürmt
im jahrb. der Grillparzergesellsch. 3, 6; (
die verwaltung) gipfelte in dem geheimen finanzcollegium als centralbehörde Bernhardt
gesch. d. waldeigentums (1872) 3, 97. 44)
ein jüngeres concretes intransitives gipfeln
schlieszt sich an gipfel '
berggipfel'
an: die zweite familie (
von bergen), welche über 12,000' gipfelt, liegt in ewigen eismeeren begraben Tschudi
tierleben (1858) 459; der Finsteraarhorngipfel ... gipfelt oben in einer spitzen pyramide 461; noch zweimal gipfelt der grat H. v. Barth
nördl. Kalkalpen 77. 55)
gelegentlich für '
culminieren' (
astronomisch),
s. Mozin
dt.-franz. (1856) 1, 757
a;
vgl. gipfelung. 66)
mundartlich und fachsprachlich findet sich ein zu gipfel 3 '
baum- oder pflanzenspitze'
stimmendes gipfeln '
den gipfel an bäumen, pflanzen usw. entfernen' Fischer
schwäb. 3, 661; Schöpf
tirol. 191;
auch abgipfeln
rhein. wb. 2, 1241; Krafft
landwirtschaftslex. (1888) 376
b; das gipfeln befördert die reife der schoten um 14 tage v. Schwerz
ackerbau (1882) 412;
besonders bei der weinrebe, s. rhein. wb. 2, 1241
s. v. gippeln; Kehrein
Nassau 1, 165; v. Pfister 79; in dieser woche ist in den weinbergen rechts der Elbe mit dem gipfeln (verhauen) der reben begonnen worden
in: Leipziger tageblatt vom 24.
aug. 1889,
sp. 5281
d.
vgl. gleichbedeutendes rhein. und lothr. gippen,
ferner kipfen
und kippen,
teil 5, 781. 785;
sieh auch älteres wipfeln 1.