gieszkanne,
f.,
ein wort, das seit dem 16.
jh. hochsprachlich ständig an boden gewinnt und die provinzialen synonyma wie gieszkante, gieszer 2
u. a. verdrängt, '
gefäsz, aus dem man gieszt'. 1)
allg.: guttus ... aquam guttatim fundens B. Faber
thes. (1587) 370
a; '
ein gelten darausz man etwas gieszt' A. Corvinus
fons lat. (1646) 372;
guttus, gutturnium Stieler (1691) 927. 2)
tafelgerät, die hände zu reinigen, dass. wie gieszfasz 1:
vas e quo affunditur aqua ad lavandas manus Frisch (1741) 348
c;
aquimanarium igitur sive aquimanile B. Faber
thes. (1655) 82
a;
oft in verbindung mit becken: 1 gieszkanne und becken H. v. Schweinichen
denkw. 527
Öst.; zum heergeräte aber soll in diesem fürstenthumb hinforder gehören ... ein handbecken und gieszkanne Schickfus
chron. v. Schlesien (1625) 3, 348; die fürsten ... verehrten der
braut ... ein silbernes giesbecken und gieszkanne A. H. Bucholtz
Herkuliskus (1665) 1278; (
die gieszkanne) '
ist ein aus silber oder zinn in form eines würtzopfs mit einer schnauzen und henkel versehenes geschirr, in das gieszbecken gehörig, woraus man sich die hände wäscht' Amaranthes
frauenz.-lex. (1715) 670; und mir erlaubt, das becken euch zu halten. nimm, frau, die gieszkanne Tieck
schr. 3, 241; waschbecken und gieszkanne, die am ende der mahlzeit herumgeboten werden, heiszen elmurgifan Fr. Rückert 11, 346. 3)
biersprenger: dann folgen die kellera ..., in den händen volle, mit bändern geputzte biersprenger (gieszkannen)
F. M. Böhme
gesch. d. tanzes 197. 4)
heute geltende hauptbedeutung: '
gartengerät zum begieszen der pflanzen',
früher z. t. aus holz, jetzt meist blecherne kanne, mit henkel an der seite und bügel oben sowie schräg angesetztem ausguszrohr mit (
abnehmbarer)
brause: so habe ich auch gesehen, dasz sich etliche leute mit den gieszkannen und krügen drauff verstanden, dasz ... Prätorius
anthropod. Plut. (1666) 1, 245; das deutsche genre schien ihm ein so schwaches reis zu sein, wie die gieszkanne nötiger sei, als das gartenmesser Th. Abbt
verm. w. (1782) 3, 79; ihre (
der nuszmummeln frucht) gleicht wirklich einem wespennest oder der dille einer gieszkanne Oken
allg. naturgesch. 3, 461; von der gieszkanne lohnsüchtiger gärtner begossen Börne
ges. schr. 5, 97; er sah seine kleine hummel (
tochter) mit der gieszkanne über die beete fahren G. Freytag
ges. w. 6, 135; die jungen tabakspflänzchen müssen ... durch überbrausen mit einer feingelöcherten gieszkanne feucht erhalten werden J.
N. v. Schwerz
prakt. ackerbau 599;
im bild: wo sie sich selber gepflanzt hatte, und seitdem nur von ... den gieszkannen der berstenden wolken besprengt worden war Gaudy
s. w. 19, 107; es ist ein miszbrauch, den unser beichtvater mit dir treibt, dasz er deine augen als gieszkanne für die pflanze seines kummers benutzt Bismarck
br. an s. braut u. gattin6 57;
redensarten: en maul wie en g., en stemm wie en (alt, zerbroche, rostig) g. Müller
rhein. wb. 2, 1225. 5)
gieszgefäsz am wasserrad: als sie ans wasserrad kamen, das seine gieszkannen laut auf die blumensaaten ausschüttete Jean Paul
w. 7/10, 481
Hempel. 6)
übertr.: a)
soldatensprachl. für schrapnell (
wegen der wie durch eine brause auseinander gejagten kugeln): R. Delcourt
expressions d'argot 110
b; b)
männl. geschlechtsteil: Hentrich
Eichsfeld 43;
dazu niederer umgangs-, bes. soldatensprache zugehörig: sich die gieszkanne verbiegen '
geschlechtskrank werden'; c)
name der siebmuschel, arytaena, aspergillum, die an einem ende von einer an eine brause erinnernden durchlöcherten kalkscheibe verschlossen ist Oken
allg. naturgesch. 5, 270; Nemnich
polygl.-lex. unter serpula penis 4, 1287. —