gieszfasz,
n.,
schon mhd. bezeugt, reich vertreten vom 15.
bis 17.
jh., seitdem mehr und mehr auf südwestdeutsche mundarten zurückgedrängt. bedeutungen: 1)
gieszgefäsze verschiedener art (
gestalt und verwendung sind nicht in allen fällen klar):
ama voc. (1420) 5
b Schröer; gutturnium löcherotz gieszuas
voc. rer. (1468),
bei Diefenbach
nov. 199
b;
lavacrum voc. ex quo (1440),
ders. gloss. 321
a;
fusorium Brack
voc. rer. (1494) 29
a;
suffusorium voc. rer. (
anfg. 15.
jh., obd.),
bei Diefenbach 565
b;
urceus: eyn eymer gyeszfasz
gemma (1508) e 4 b 1;
guttus tropffgeschirr g. Frisius (1556) 615
b; gieszfasz mit einem engen hals.
guttus, aqualis, gutturnium Aler (1727) 1, 945
b.
insonderheit der (
oft sehr kostbare, aus zinn, silber oder gold bestehende)
krug für das bei tisch gereichte handwaschwasser: aquamanile voc. (
anfg. 15.
jh.),
bei Diefenbach
nov. 30
a;
lavatorium ... lavarium handtfas ...
voc. teuth. (
Nürnberg 1482) n 6
a;
manalis J. Pincianus
voc. rer. (1521) d 1
b;
handfasz gutturnium Stieler (1691) 436;
vas e quo affunditur aqua ad lavandas manus Frisch (1741) 348
c;
gern in verbindung mit dem zugehörigen becken: in zitlichem und varendem in nauch begriffner gestalt ir inzegeben ... an messen iii bekin und iiii gieszvasz
urk.-buch d. klosters Heiligkreuztal 2, 355 (1481); lieber knecht, ich sag dir das: raich mir peckh und giesfas
altdeutsche passionsspiele 367
Wackernell; und bei der hütten, darin der ochs gebraten worden, ein silbern vergült gieszfasz sampt einem becken und servieten abgeholt C. Ensz
fama Austriaca (1627) 272
a; der erbkämmerer ... brachte ein handbecken nebst gieszfasz und handquehle zurück Göthe I 26, 323
W. (
zum schwund dieser verwendung s. u. gieszbecken).
verschiedentlich auch feststehender oder hängender wasserbehälter mit hahn: da stuont von golde ein giezvaz, daz von im selben wazzer gôz, und ein beckîn, daz den flôz ab den henden schône enphie Konrad v. Würzburg
Partonopier 984; ûf dem selben palas stuont ein guldîner man, der hete in sînen henden zwei giezvaz wunnesam
Wolfdietrich b 811;
in der Schweiz als gesicht- und handwaschgerät '
noch heute eine fast stehende zierde der wohnstube wohlhabender bauern' Staub-Tobler 1, 1050; (
sie) ging zu einem blanken zinnernen gieszfasse, welches in gebohnter eichenholznische über einer schweren zinnernen schale hing, drehte den hahn und liesz sich das wasser über die kleinen gebräunten hände strömen G. Keller
ges. w. 1, 182. — 2)
gefäsz, in das etwas gegossen wird: fusorium ... ein giesuasz, est vas in quo aliquid funditur
gemma (1508) l 3
a: a) '
waschbecken'
: malluuium voc. ex quo (1429),
bei Diefenbach
nov. 244
a;
ebenso Maaler (1561) 182
d; darnach hat sie selb einer dienerinnen ambt vertreten, speise auffgesetzt, trincken zugereichet, wein eingeschenckt, gieszvasz und kanten zugetragen H. Fabricius
auszzug bewerter hist. (1599) 564. b)
der zum kochen von lauge verwendete laugentopf: laugenhaffen ...
voc. teuth. (
Nürnberg 1482) k 8
b; c) '
in eisenhämmern ein ausgehöhlter hölzerner klotz ... mit wasser gefüllt ... damit das setzeisen abgehärtet und der stahl beim ausschmieden abgekühlt wird' Blumhof
eisenhüttenkunde 2, 462. — 3)
übertragen: kelsucht oder halszgeswulst.
squinantia guttura idem oder gieszfasz
voc. teuth. (
Nürnberg 1482) q 2
b; die ritten also unverdrossen, sam si der regen hiet begossen. der erst was unser Triefnas, ein held reht sam ein giesfas H. Wittenweiler
ring 112
W. —
composita: