gezählen,
gezahlen,
verstärkte formen zu den schwachen verbis, die von dem oben besprochenen fem. zal (
s.zahl)
ursprünglich in verschiedener richtung abzweigten: als transitivum zaljan (
s. Graff 5, 644) zellen, zählen;
als intransitivum zalôn (
s. 5, 643).
die gebrauchsentwicklung (
objecte neben zalôn),
noch mehr aber die formelle kreuzung im part. des prät. (gezahlt)
verwischte die grenzlinie immer wieder, bis sich diese infolge secundärer bedeutungsentwicklung in anderer richtung festsetzte und danach auch die formen des präteritums in neuerer weise abstufte: zählen, gezählt; zahlen, gezahlt (
s. d.).
für die formen mit präfix ist diese neuere entwicklung wenig wirksam geworden; das präfix stirbt ab, noch ehe sich die gruppe von zahlen, zahlte
gegen die von zählen, zählte,
richtig abgegrenzt hatte und ist auch in den übergangszeiten auf einen kleineren kreis eingeschränkt geblieben. 11)
nur in den verwendungen, die auf das abstractere gebiet der zahl sich beschränken, wechseln beiderlei arten der ableitung: zaljan
und zalôn,
während da, wo mit der aufzählung auch vom inhalt des aufgezählten etwas mit einflieszt, wo also der berührungspunkt von zählen
und erzählen
liegt, nur formen zu zaljan
sicher gestellt werden können. 1@aa)
das vom hause aus intransitive verbum, das ohne präfix bei Notker
beobachtet ist, vor allem in der umfassenden (
ursprünglicheren?)
bedeutung einer geistigen thätigkeit (nachsinnen, überlegen, berechnen),
läszt sich 1@a@aα)
viel früher schon in formen mit präfix aus dem Heliand bei gleicher bedeutung und unter zutritt eines reflexiven dativs belegen: is is gilôBo sô gôd, talôd imu hwô he ôðrana_eft gihwerBie mên-dâdigan man,_that is môd draga hluttra trewa_te heBan-kuninge.
Heliand 2472;
genau so 4494;
in gleicher richtung hält sich ein beleg aus Notker,
der ein object der sache beifügt, so dasz die bedeutung des verbums auf ermessen, abschätzen, berechnen
zielt; wer mag wiʒʒen dia maht dînero abolgi ... unde wer mag siâ gezalôn (
dinumerare)
psalm 89, 11
s. Hattemer 2, 327 (wer kennet die macht deines zornes Luther
psalm 90, 11,
in den ersten ausgaben)
; vgl. auch gezalot
recenset Mart. Capella, vgl. recensit, kizalazit
Keronische glossen s. Steinmeyer-Sievers 1, 241. 1@a@bβ)
die mit transitiven fügungen verknüpfte bedeutung des zählens
ist hier erst später für sichere formen mit präfix festgestellt; in den nachweisbaren fällen mit accusativ des objects: und hies in uffsehen zuo himelrich und die sternen zelen ... do sprach Abraham zuo gotte: 'ich enmag'. do sprach unser herre: 'also wenig du macht den somen gezalen, den ich dir geben wil'
s. historienbibeln 644
Merzdorf; gedenke ob du mügest gezalen die sternen an dem himel Königshofen
s. dtsch. städtechron. 8, 306; do schreip Darius ... und trowete Allexandro ... und schihte ime einen sag mit magesot (
mohnsamen) und sprach: 'also wenig du disen magesot maht gezalen, also wenig mahtu min volg gezalen' 307;
dazu vgl. gezalen
inf. (zählen)
Frankfurter stadtbuch [
handschr. 15.
jahrh.] 3, 25
b s. Diefenbach-Wülcker 620. 1@a@gγ)
der bedeutungsübergang von zählen, aufzählen (
von geldstücken)
zu zahlen
im heutigen sinne ist für zusammengesetzte verba jetzt auf bezahlen
und abzahlen
beschränkt. dasz auch das präfix ge
hier nicht ausgeschlossen war, zeigt ein beleg, für den jedoch weitere parallelen noch fehlen: bit ich ... erkennen das er mir solich hundert guldin zwifach gezalen soll unnd das er mirs gebe
clag, antwurt und auszgesprochne urteil (
Augsburg 1497;
in den anderen ausgaben bezalen;
das gleiche in S. Brants
clapspiegel [1522] 40
a) 49
b;
dagegen: das er mir solch hundert gulden vierfach bezalen wöll 50
a. 1@bb)
die zeugnisse für das präteritum erfordern besondere betrachtung (
s. auch sp. 6890),
da in der form gezalte
belege zu gizalôn
mit solchen zu gezellen (gizalta Otfrid 1, 17, 3
und noch 17
mal gegen gizelita 3, 11, 23. 48; 24, 27; 5, 9, 37; 7, 40)
im lauf der entwicklung zusammentreffen. einige anhaltspunkte giebt schon die verwendung, um so mehr, als für den gebrauch bei Otfrid
nur das transitive verbum —
und dieses in ausgiebigster weise sicher belegt ist. kennzeichnend ist andererseits, dasz die bedeutung von nachsinnen, berechnen
in diesen formen nicht beobachtet ist. 1@b@aα)
für die engere bedeutung des zählens
sind hier noch wenig anhaltspunkte gegeben: 1@b@a@11))
dinumeraverunt omnia ossa mea, sie gezalton alliu miniu bêin Notker
psalm 21, 18
s. Hattemer 2, 79 (si czalten
Trebnizer psalmen); da sie gezalten ir here daʒ wiʒʒent wole zware, dru hundert tusint ir waren.
Trierer sylvester 64
Kraus. 1@b@a@22))
vereinzelt ist die —
namentlich neben persönlichem object —
beliebte verbindung mit zielbestimmungen belegt, die deutlich in den bereich von gezaljan
weist: wanta iagilich tho thar instuant,thaʒ ther man scolta wesan guat, zi guaten sih gezeliti,ther suntigan so queliti. Otfrid 3, 17, 48;
ähnl. 3, 20, 99;
s. u. 1@b@bβ)
häufiger ist die bedeutung, in der sich zählen
mit erzählen
berührt, in dieser form beobachtet: wio manag wuntar wurtizi theru druhtines giburti bithiu, thaʒ ih irdualta,thar forna ni gizalta, scal ih iʒ mit willennu sumaʒ hiar irzellen. Otfrid 1, 17, 3;
ebenso (ni giscreip ... ni gizalta) 4, 1, 28; (sagetun ... gizelitun) 5, 9, 37; (gizalta ... zellu) 2, 6, 1
u. a.; niht sie entwalten unʒ si im'ʒ alleʒ gezalten.
genesis 91, 20
Diemer; der aventr wunder die man da wolt halten, daʒ si im dis gezalten alles samt besunder. Johannes v. Würzburg
Wilhelm v. Österreich 13550
Regel. 1@cc)
für die beiden letzten verwendungen sind sichere formen von gezellen
von anfang belegt; in reichlichster fülle bezeugt führen sie mit einzelnen nachzüglern bis ins 16.
jahrh. hinein: 1@c@aα)
auch hier ist die engere bedeutung des zählens: 1@c@a@11))
in der ältesten zeit weniger entwickelt: nist man, thoh er wolle,thaʒ gumisgi al gizelle. Otfrid 1, 3, 21.
vielmehr gehen auch hier verbindungen mit zielbestimmungen neben persönlichem oder sächlichem object voran: thie ih zithiu gizellujoh suntar mir irwellu. thie eigun min io minnajoh horent mina stimma. Otfrid 3, 22, 21;
desgl. 3, 12, 12;
ähnlich 1, 27, 20;
vgl. auch adscribit, pizelit, gizelot
glossen zum ecles. 29, 20 Steinmeyer-Sievers 1, 577 (
deines bürgen ... er hat sich selbs fur dich versetzt Luther
Syrach); der mek leider an minem geistliken rechte wol getelen mach to einem unnutten knechte. Eberh. v. Gandersh. 1605
Weiland; vgl. Wernher
Maria s. fundgruben 2, 159;
vgl. auch (
mit sächlichem object) Notker
zu psalm 28, 11
s. Hattemer 2, 96
b;
vgl.(zeren gezeln)
minnes. v. d. Hagen 2, 63
b; nu kan ich niht dir kain beʒʒers für gezeln; ich laʒ dich tailn und weln und lebe auch gern wie dich luste. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Oesterreich 1597
Regel. andererseits vgl.: swaʒ her der mac gezeln uʒ der christenheite, des wirt her bereite. Heinrich v. Hesler
apokalypse 17330
Helm. 1@c@a@22))
für den einfachen zahlbegriff werden die zeugnisse erst im übergang zur mittelhochdeutschen zeit reicher; es lassen sich folgende formeln unterscheiden. 1@c@a@2@aa)) wer möhte ir namen hie gezeln, die nâch hôher werdekeit dâ rungen ûf dem plâne breit. Konrad v. Würzburg
Pertonopier 16034; wer kunde dine tugende rîche volliclîch gezeln?
meisterlieder der Kolmarer handschr. 102, 56 (
s. 446);
desgl. 105, 36 (
s. 453); wer kan die trit und die scrit alle gezellen alder gemeʒʒen
predigten 1, 165
Grieshaber. 1@c@a@2@bb)) so tusent jar sint uʒ gezilt so ist eʒ umb wurf gespilt und vahint hundert an niht me ich gezellen kan. H. v. Langenstein
Martina 255, 4. ich mac ir aller niht gezellen. Ottokar 25110. 1@c@a@2@cc)) sô kunde iu nieman gezelen die witwen, die hie worden sint. Stricker
Daniel v. d. blühenden tal 6406
Rosenthal; ebenso vgl. schon Eneide 39, 12;
Reinhart Fuchs 1822; e hat man alle ertorreten bluomen wider ergrnet und ellú regentrOephlú wider gesamnet, e man min minne ze dir und ze allen menschen mug gezellen (
var. zellen) Seuse (
büchl. d. ew. weisheit cap. 4) 210
Bihlmeyer; und das ir so vil weren, das sie nimant gezelen kunde Joh. v. Neumarkt
leben des heil. Hieronymus (103) 222
Benedict; desgl. (17) 143;
desgl. (getellen)
Magdeburger schöppenchron., s. dtsch. städtechron. 7, 3; ob etlicher der mensch mag getzelen das gestüpp der erde. und er mag getzelen dein samen
erste deutsche bibel 1. Mos. 3, 16
s. Kurrelmeyer 3, 81 (
die späteren: zelen,
desgl. Luther); eine grosse unzehliche schar, welche niemand gezehlen kund. Hans Sachs (
apocalipsis 7.
cap.) 15, 443
Keller-Götze. 1@c@bβ)
hier wird an einzelnen wendungen besonders deutlich, wie die aufzählung in der erzählung liegt. dazu stellt schon der reichlich entwickelte gebrauch bei Otfrid
belege: zi thiu mag man ouh ginoto managero thioto hiar namon nu gizellen joh suntar ginennen. Otfrid 1, 1, 12;
ganz ähnl. 5, 8, 9;
vgl. auch das einfache zaljan 1, 9, 21,
vgl. (imo es zala irgabin,
ut describeretur) 1, 11, 5; ni mag that gitellian man ... hwat thâr sîðor warð.
Heliand 2077;
ähnl. 2163; wîo manigfalte dir sî diu misselichi dero niumon, wer mag taʒ kezellen? Notker
Mart. Capella s. Hattemer 3, 333
b;
noscere sidera ... gezellen die glîʒenten sternen 315
a;
vgl. auch 297
b; in der welt ist offenbere so menger hande swere die nieman kan gezellen. H. v. Langenstein
Martina 259, 11;
desgl. 70, 30. 259, 45;
vgl. Johann v. Würzburg
Wilhelm v. Oesterreich 13499;
vgl. auch 1597; von unvuor stât gar vil har an, das ich niht gar gezellen kan. Konrad v. Ammenhausen 15896; si hedden sin huis nedergevalt unde sine burge eme afgewunnen, man ensoilde neit gezellen kunnen den schade, die eme were gescheit. Gotfr. Hagen 3020
s. dtsch. städtechron. 12, 108 (
gegen 4586); das haws deins herren und deins gots, do grosz unerverschleich und wunderhaftig dink sind, di nimand gezelen kan (
mirabilia quorum non est numerus) Joh. v. Neumarkt
Augustins soliloquien s. 92
Sattler. 1@c@gγ)
die erzählung unabhängig vom zahlbegriffe bildet schon den schwerpunkt der belege bei Otfrid: 'nemet' quad er 'hartogouma thero worto, thiu ih iu nu gizelle,joh iagilih siu irfulle'. 1, 24, 4;
vgl. 3, 24, 37; 1, 27, 24; 3, 22, 14;
vgl. das einfache zellen
für referre, narrare, dicere Graff 5, 644; taʒ will ih hiar gizellengidriwen sinen allen, so wir nu hiar biginnen,worton frenkisgen. 1, 3, 45;
desgl. 1, 17, 28; 27, 38; 27, 54; 2, 14, 7; 13, 2; 3, 11, 23; 12, 7; 20, 79; 4, 1, 25. 1, 28; 5, 12, 15; 7, 40; 16, 22
u. a.; dazu vgl. replicare, gizellan
Pariser u. Münchener glossen d. 11.
jahrh. zu Prudentius (
P. Hipp. 4) Steinmeyer-Sievers 2, 436; nu vragent genuge der maere, wa er under diu waere, untz an den dritten tac. ich enchan noch enmac in der von nicht gecellen.
anegenge 39, 56; vil ubil siu si trafen siu wellen ald enwellen siu mun doch schier gezellen die ere die siu hant beiagt an sant Martinun der magt. H. v. Langenstein
Martina 56, 112; Paulus wart vleisclichen gevuorit ... in daʒ obriste himmelrich, daʒ er gotis tougin ersach, dei dehein mennische gezellin getar
spec. ecclesiae 95
Kelle; vgl. auch Joh. v. Würzburg
Wilhelm v. Oesterreich 8858, 8600;
Lilie 11, 30;
durch das vordringende irzellen (
vgl. Lexer 1, 704;
fürs althochd. s. oben, vgl. arzeljan Graff 5, 652)
ist dieser gebrauch viel früher unterbunden worden, als beim zahlbegriff.