gewinnlich,
adj. u. adv. ,
mit viel weiterem bedeutungsumfang als gewinnig
und gewinnhaft,
schon mittelhochd. belegt, vgl. Lexer 1, 991. 11)
auf personen bezogen bringt das adjectiv mehrfach die bedeutung siegreich
zur geltung, meist in attributiver function, während das adverb auf den erfolg im erwerbsleben zielt. 1@aa)
auf kampf und sieg weist schon der älteste beleg: als zwên gewinnlich (
var. gewindl) valken uof einander warten, seht, alsô gebârten von Meinz, von Koln die bêde, dô sich huop diu rede gegen dem phalzgrâven fruot. Ottokar
österr. reimchron. 59146
Seemüller; es seind
auch nicht gewinlich kriegsleut, die al ir datum auf die schlacht sezen und doch darneben kain hinderhuot haben. Aventin (
ursachen d. Türkenkriegs) 1, 225; diejenigen so Marti underworffen sind, werden disz jahr nicht wol siegen, noch gewinlich sein. Paracelsus (
prognost. a. d. 37.
jahr) 2, 649; ich wolt dir ein knebel ins maul legen, du solst mir kein wort mehr zu dieser sachen reden, bisz wir in anderer instantz gewinnlich worden weren. Ayrer
hist. proc. (2, 6) (1597) 546; so ... die urtl erster instantz durch den appellation richter becreftigt were, so soll auf anrüfen des gewinlichen teils ... gepürliche volziehung der urtl geschehen.
Nürnberger ref. 60
a; gewinlich der nach tugent stAelt. der nit inn pAesz gesellschafft fAelt, und sich zuo frummen leten hOelt. Joh. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero 128
b. 1@bb)
der begriff des erwerbs: 1@b@aα)
vereinzelt beim attribut: und ist da ein kundig gewinlich volk, und seind alle burger kaufleut oder gut hantwerker, darmit gewinnent und habent sie grosz reichthumb. S. Meisterlin (
s. d. städtechron. 3) 51. 1@b@bβ)
beim prädicat oder adverb: also schick ich meiner kinder sachen; min kindt kan ich mir gwinlich machen. Murner
narrenbeschwörung 98
Spanier; ihr sollt mir auch ... glauben, dasz ich nit desgleichen mehr ein blatt wollt machen unter fl. 400. und darum, ob mir von euch wird, das ich begehrt hab, so ist bei der langen zeut mein kost und zehrung mehr dabei. ihr mögt ab nehmen, wie gewinnlich ich stehe. Dürer
schriftlicher nachlasz 52;
dazu vgl. auch den gegensatz in den buchungen des vocab. incip. teut. gewinlich,
adverb. lucrose gegenüber von lucrosus, gewinnhaftiger i 6
b. 22)
die beziehung auf unpersönliche träger fördert nur den begriff des erwerbs: gewinnlich, gewinnbringend.
nur aus der bayerischen mundart ist engere anlehnung an eine andere bedeutung zu belegen, an jenes gewinnen,
das ein moment der bewegung entwickelt (
s.heraus gewinnen): gewinnlich holz im gebirg, das an gewinnlichen orten steht, —
d. h. leichter gewonnen, herausgebracht werden kann. Schmeller 2
2, 930.
anders: darumb das si kein win nit trinckt; das schetzt ich für ein gwinlich ding. Murner
narrenbeschwörung 66; alsdan soll darnach volgen weingelt, tuechgelt und anders dergleichen, was auf kaufmanschaft und von wëgen gewindlicher handlung gëben und genumen ist worden.
land- oder ehehaft taiding in der Rauris (1624),
s. österr. weisth. 1, 215; es frewen mich die würffel, wann ichs ansihe, dann ich sehr guoten, glücklichen und gewinlichen fal damit hab, gewinne allweg, dester mehr lusts hab ich zu spilen.
verdeutsch. d. trostbücher des Petrarca 23; wer seglen will mit allem windt und achtet sin als, das er findt, auch macht im gewinlich alles guott, darumb er doch kein arbeit duot. Th. Murner
mühle v. Schwindelsheim 809 (
Straszb. studien 2, 28); das sindt ietzundt der wiber sachen, wie si ir lieb gewinlich machen.
gäuchmatt 57
Uhl; Franckreich wirdt seines reichthumbs verlust tragen, und einen grundtnewen fundt erfinden, mit mancherlei guter und böser beweisung, wirdt jhm alles gewinnlich sein. Paracelsus (
prognosticon auff das 39. jahr) 2, 654;
vgl.: wie wol es mir ungewinnlich und versäumlich ist. A. Dürer
nachlasz 52;
vgl. auch die klage eines Gasteiner wirtes aus 1665 dasz die gastung nicht mehr gewinnlich sei (Münz
beilage zur allgem. zeit. v. 21.
oct. 1896.). 33)
die wörterbücher haben von gewinnlich
nur wenig notiz genommen, einige ältere haben es nur als adverb erfaszt, andere vorübergehend neben gewinnig (
s. d.)
gebucht; dazu vgl. gewinnlich Schottel 367
a.