getändel,
n. ,
junges verbalsubstantiv zu tändeln (
th. 11, 105). 11)
die ältere sprache hatte ein collectiv zu tand, tant, getente
mhd. wb. 3, 13
b. Lexer 1, 944: ez ist ein getänd umb iuwer weltlichez leben.
deutsche predigten des 13.
und 14.
jh. 252
Leyser; daz Gibling unde Gelfe im müsten manheit jehen. man hat ihn auch gesehen gar sicher an getente. Suchenwirt 9, 195; dô wart angevangen zwischen in bêden umb die hîrât ze reden. ez wær ein langez getent sold ich diu perlament sunderlichen schrîben. Ottokar 88044
Seemüller. 22)
in der bedeutung stimmt damit der älteste beleg für unsere form überein: worzu soll das getentele,
quid sedes, expectas Stieler 2255.
seltsam steht dem gegenüber in der mecklenburgisch-vorpommerschen mundart: gezanzel,
geschwätz, zögerei Mi 26,
das sich wie eine nachbildung hochdeutscher formen ausnimmt. 33)
sonst ist unsere form im 18.
jahrh., in dem sie reicher belegt auftritt, in der bedeutung genau so eingeschränkt wie das verbum tänteln
um diese zeit; es scheint, dasz sie also in dieser sprachperiode neu gebildet wurde: Thucydides ist der vater derer witzlinge, die mit ihrem ewigen getändle den leser bis zum bersten zermartern. Weiske
Thucydides (1761)
vorrede; das gekose, das getändel thöriger lîebe neckereien, scherzgeschrei und lustgejauchze wechselnd übertäuben mich. Göthe (
Faust 9600) 41, 228; siehe
dann denk' umher, und überlege mit klugheit, wie du die üppige schaar der freier in deinem palaste tödtest, mit heimlicher list, oder öffentlich! fürder geziemen kinderwerke dir nicht, du bist dem getändel entwachsen. Voss
Odyssee 1, 297,
ebenso Virgil 1, 78,
Hesiod 71; und zur menschlichkeit kehrt ritter und knapp; es flieht eitler Franken getändel und ausonisches gaukelspiel. Voss
der deutsche gesang (
sämtl. ged. 3, 13);
Janthe auch tang und meergras warf aus die see. ei, muscheln, buntes spielzeug! es pflegt der sturm die trümmer seines zorns hieher zu streun ... sieh zu! vielleicht erkennst du'
s. doch ist es feucht, sonst würf' ich dir's als ball.
Hero: lasz das getändel, lasz! Grillparzer (
meeres und der liebe wellen) 7
5, 92; diese weichlichen gesänge, die ich hier zusammenflocht, wenn sie auch die strenge tadelt, hat's die liebe je vermocht? lasz das schelmische getändel schmeicheln sich in eure brust, möge der verstand es schelten, wenn das herz euch nur gepocht. Platen
ghaselen 145; sie sind eine art kunstloretten, welche alle gespenstergeschichten der vergangenheit aus unserer erinnerung fortlächeln, und mit ihr im koketten getändel wie mit pfauenfächern die summenden zukunftgedanken, die unsichtbaren mücken, von uns abwedeln. Heine
Lutetia (
musikal. saison 1844, 2).
die wörterbücher folgen nur langsam dem litterarisch rasch entwickelten gebrauche des wortes: Adelung
verzeichnet es nicht, Campe 2, 362
belegt es aus Voss;
vorher schon war es von Schwan (1782) 1, 738
angemerkt worden: getändel,
l'action de badiner, folâtrerie, mignotise.