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Gespenster

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gespenster

Bd. 7, Sp. 739
Gespenster (Spectra), ohne Körperlichkeit, als bloße Schemen oder Schattenbilder sichtbar werdende Spukgestalten des Volksaberglaubens. Das Wort stammt von dem althochdeutschen gispanst, d. h. Verlockung, Trugbild, weshalb auch Hamlet seines Vaters Erscheinung prüft, ob es nicht ein teuflisches Trugbild sei. Auf allgemeine psychische Vorgänge, wie die phantastischen Erscheinungen des Traumes, von Gemütsstimmungen (Furcht, Angst) begünstigte subjektive Gesichtstäuschungen, endlich auf krankhafte Gehirnzustände (Visionen und Halluzinationen) zurückführbar, ist der Glaube an G. bei allen Nationen verbreitet und zog seine Nahrung jederzeit aus den herrschenden religiösen Vorstellungen von dem Zustande der Seelen nach dem Tode. Neben dem Unsterblichkeitsglauben für sich kamen ihm überall gewisse Dogmen entgegen, so der im klassischen Altertum wie bei den Juden verbreitete Glaube, daß die Seele Ermordeter ruhelos umherschweifen müsse, bis der Verbrecher bestraft sei, und der Tote ein »ehrliches« Begräbnis erhalten habe. In zahllosen der Wirklichkeit abgelauschten Dichtungen aller Völker und Zeiten spielen diese scheinbar gegenständlich gewordenen Schöpfungen des bösen Gewissens ihre Rolle. Wenn das Christentum die G. auch nicht in dem Umfang anerkannte wie das klassische Altertum, das besondere Gespensterfeste (die Tage der Laren und Lemuren) feierte, so fanden sie doch einen starken Hinterhalt in der Fegfeuerlehre, und wie zahlreiche altgriechische Philosophen, so traten später die Kirchenväter für die Realität der Gespenstererscheinungen ein. Solange ihre irdische Schuld nicht gesühnt ist, sollte die Seele zurückkehren dürfen, um ihre Angehörigen zu mahnen, daß sie durch Seelenmessen und gute Werke zu ihrer Erlösung beitragen möchten; sie ist an das Haus oder den Ort ihrer Missetaten gebannt, »spukt« daselbst oder »geht um« und plagt die Bewohner. Diese Vorstellungen leiten dann zu den Erzählungen von Haus- und Poltergeistern, von Burg- und Klostergespenstern, von den Irrlichtern, die als Seelen ungetaufter Kinder betrachtet werden, und den Feuermännern, nach der Volkssage ungetreue Feldmesser etc., über. Eine Menge andrer Nachtgestalten, wie der Alp und Vampir, die ebenfalls in traumhaften Zuständen ihre Veranlassung finden, schließen sich an. In der neuern Anschauung ist den Wiederkehrenden (franz. revenants) nur noch die Zeit von 12–1 Uhr Mitternacht als Sprechstunde angewiesen, obwohl die Sonntagskinder und Geisterseher auch außer dieser Zeit G. sehen. In der Poesie und leider auch in der Volks- und Erziehungsliteratur einen letzten Rückhalt findend, ist der Gespensterglaube in neuerer Zeit sehr in den Hintergrund getreten, obwohl das Treiben der Spiritisten (s. Spiritismus) ihm wieder neue Nahrung zuführte. Über den Gespensterglauben des Altertums vgl. Scharbe, De geniis, manibus et laribus (Kasan u. Leipz. 1854); über die ethnologische Seite Tylor, Anfänge der Kultur (a. d. Engl., Leipz. 1873, 2 Bde.); über die physiologischen und psychologischen Ursachen Hibbert, Andeutungen zur Philosophie der Geistererscheinungen (Weim. 1825), und Carns Sterne (Ernst Krause), Naturgeschichte der G. (das. 1863); Diederich, Von Gespenstergeschichten, ihrer Technik und ihrer Literatur (Leipz. 1903). Vgl. Geisterseherei.
3273 Zeichen · 34 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gespenster

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gespenster , s. Geistererscheinung .

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gespenster

54 Bildungen · 54 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von gespenster 3 Analysen

ge- + spenster

gespenster leitet sich vom Lemma spenster ab mit Präfix ge-.

Alternativen: ge-+spenst+-er gespenst+-er

Zerlegung von gespenster 2 Komponenten

gespen+ster

gespenster setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gespenster‑ als Erstglied (30 von 54)

gespensterauge

DWB

gespenster·auge

gespensterauge , n. geisterhaftes, grauen erregendes auge: du kamst ja schon verstimmt und mit gespensteraugen in die sitzung. Gutzkow ritte…

gespensterei

DWB

gespenste·rei

gespensterei , f. spukerei: damit dasz hierinn kein zauberei, gespenst und geisterei ( s. d. ) möge erfunden werden. Paracelsus op. (1616) 1…

gespensterente

DWB

gespenste·rente

gespensterente , f. anas albeola, weisz-schwarze ente aus Luisiana, engl. spirit Nemnich 1, 260. 3, 191 . vgl. gespenst II, 5, m.

gespenstergebilde

DWB

gespenster·gebilde

gespenstergebilde , n. : über die beete ohne ähren schweiften blasse gespenstergebilde der vergänglichkeit. J. Paul Siebenkäs 1, 120 .

gespensterglaube

DWB

gespenster·glaube

gespensterglaube , m. glaube an gespenster: dem gespensterglauben möchte ich nun freilich nicht das wort reden. Hebel 3, 230 . dazu das adj.…

gespenstergraus

DWB

gespenster·graus

gespenstergraus , m. grauenhafte gespenstererscheinung: wie kindlein zittern vor gespenstergrause. Rückert ausw. 151 ( ges. ged. 1, 155); es…

gespensterhaft

DWB

gespenst·erhaft

gespensterhaft , adj. und adv. 1 1) das wesen von gespenstern an sich habend, nach art der gespenster: ahnet hier dinge aus einer andern wel…

gespensterhaube

DWB

gespenster·haube

gespensterhaube , f. gespensterhaft aussehende haube: die neue ( pfarrerin ) braucht puder, kälber- und geiszen-, ross- und menschenhaare be…

gespensterhund

DWB

gespenster·hund

gespensterhund , m. gespensterhafter hund: obgleich wieder die wilde jagd der gespensterhunde um das haus tobte. Freytag handschr. 1, 195 .

Gespensteridee

GWB

gespenster·idee

Gespensteridee Bindestrichschr idVbdg ‘Gespenster-, Hexen- und Teufelsideen’ für best, kulturell geprägte Gespenstervorstellung 32,351,26 Üb…

gespensterisch

DWB

gespenste·risch

gespensterisch , adj. und adv. gespensterhaft, vgl. gespenstisch : es wird auch die fledermausz für sich einer gespensterischen art befunden…

gespensterkammer

DWB

gespenster·kammer

gespensterkammer , f. kammer, in der gespenster ihr unheimliches wesen treiben, bildlich: jeder mensch, auch der zum besten strebende, hat, …

gespensterlich

DWB

gespenst·erlich

gespensterlich , adv. gespensterartig: gleichwohl zeigte sie sich nichts weniger als gespensterlich. Wieland 10, 136 ( Gandalin 8, 19).

gespensterlied

DWB

gespenster·lied

gespensterlied , n. lied, in dem ein gespenst oder gespenster auftreten: die alten lieder .. jedes nach seiner eigenen weise, und immer so h…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gespenster". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 18. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gespenster/meyers
MLA
Cotta, Marcel. „gespenster". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gespenster/meyers. Abgerufen 18. May 2026.
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Cotta, Marcel. „gespenster". lautwandel.de. Zugegriffen 18. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gespenster/meyers.
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