Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
genôʒ stm.
1. geselle, genosse. Pharao spricht: die genôʒe, die wil ich varen lâʒen Exod. Diemer 150,16 (vgl. niederd. genôte, gnôte = nhd. geselle). der zu den hörigen desselben herrn gehört. des gutes genoss Gr. w. 1,34. vgl. basl. recht 12,14.
2. mit gen. oder poss. pron. derjenige, der an stand, art, lage einem andern gleicht. collega genôʒ sumerl. 5,1. er ist wol Gunthers genôʒ Nib. Z. 125,14. aller künege ein keiser grôʒ âne gelîchen genôʒ Barl. 50,22. der mensch wart engels genôʒ Maria 48. der engel genôʒ Barl. 83,14. Leys. pred. 12,15. 18. an gebürte künege genôʒ Trist. 247. die sint dort vürsten genôʒ Teichn. 188. eins vürsten genôʒ Leys. pred. 12,21. aller keisere genôʒ das. 40,43. dien ir frouwe niht gan ir ougen blicke, die sint wol koler genôʒ: wan die ruowe sint lære MS. 2,191. b. swie er der marter dort genas, er was doch marterære genôʒ Barl. 11,37. von adel und rittergenoss narrensch. 82,33. vgl. die anm. eins hasen genôʒ arm. G. 1123. eines tôren genôʒ büchl. 2,225. dâ mite der hundes genôʒ Masowen dô vorterbete Jerosch. Pf. 179. b. er ist wol Jûdâs genôʒ, ein heuchler, Teichn. 145. — der grâve und ein sîn genôʒ, einer der auch graf war, Wigal. 8714. ich bin ein künec rîche, sô bistu küneges man: ja enzimt dir niht mit strîte deheinen mînen genôʒ bestân Nib. Z. 18,74. barûne und ir genôʒe Trist. 5959. einen bestaten bî sînen genôʒen, standesgenossen, Ludw. 15,26. — sîn genôʒ, die andern krähen, maulwürfe, schildkröten u. s. w. Boner. 39,32. 3,13. 29,4. 64,30. der nicht von höherem stande war, das. 24,14. die vogele suochen ir minne reht an ir genôʒ leseb. 283,6. — er ist dines kusses wol genôʒ, er ist dîn genôʒ, so dass du ihn, ohne dir etwas zu vergeben, küssen kannst, Ulr. Trist. 1583. vgl. er ist wâpens genôss narrensch. 85,130. ebenso helms genoss, turniers genoss, und übertragen aller wirde genôʒ; näheres hierüber vgl. im commentar zum narrensch. zu 85,130. der schande genôʒ sîn Leys. pred. 2,33. daʒ ist der wârheit wol genôʒ Suchenw. 41, 998. —
3. derjenige oder dasjenige, das einem andern an eigenschaft, beschaffenheit etc. gleicht. sîn genôʒ an milte, an hôhem muote Barl. 6, 28. sô starc ist niemen noch sô grôʒ, er vindet etswâ sîn genôʒ Boner. 83, 48. des hundes triuwe, diu ist grôʒ, an triuwe ist niemen sîn genôʒ das. 93,36. eʒ giengen ûf in slege grôʒ, die wârn wol mangen steins genôʒ, glichen den aus mangen geworfenen steinen, Parz. 212,10. Genelûn was schœne unde grôʒ und was des boumes genôʒ, der ûʒen gevellet wol und beide vûl unde hol und wurmæʒic innen ist Karl 28. b. — in des knopfes genôʒ, in dem was dem knopfe glich, dar in lac ein karfunkel Otnit 799. vgl. die mâlen si in kinds genôʒ Hätzl. 2,68,447. si besamenten ein her vil grôʒ, daʒ dâ vor nie des genôʒ zuo Prûʒin in dem lande erschein an menege Jerosch. Pf. 100. b.
4. derjenige, welcher mit einem andern etwas gemeinschaftlich hat. was er gemeinschaftlich hat, wird durch ein dem worte genôʒ vorgesetztes substantiv ausgedrückt, welches mit genôʒ ein zusammengesetztes wort bildet. s. die zusammensetzungen ausser ebengenôʒ, übergenôʒ, ungenôʒ. vgl. übrigens oben kusses, helmes, wâpens, turniers, aller wirde, der schande genôʒ.