Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
geloubic Adj.
1.1 attr.
1.2 präd.
1.2.1 ohne weitere Erg.
1.2.2 mit Dat.
1.2.3 mit Präp.;
1.3 subst.
2 ‘an etw. glaubend’ , im relig. Sinn
2.1 mit Gen.
2.2 mit Präp. an/in
2.3 mit abh. Satz
3 ‘(jmdm.) etw. glaubend, etw. für wahr haltend’ , mit Gen.d.S.
4 ‘auf etw. vertrauend, etw. zuversichtlich erwartend’ , mit Gen.
5 ‘(jmdm.) glaubend, vertrauend, Glauben schenkend’ ;
6 ‘glaubwürdig, vertrauenswürdig’ , von Personen
7 ‘glaubhaft, glaublich’ ;
8 ‘nachgebend, nachgiebig’ (zu gelouben swV. 6 )
1 ‘(an den christl. Gott) glaubend, gläubig’ 1.1 attr.: der glǒbige man nescol irre lere nieht suchen JPhys 22,6; der werde furste rich / wol gloubec unde cristenlich [...] / ein enlender bilgerin / wolde in godes namen sin Elis 4674; dar vmbe so ist der here sunnetage zu eren von allen geloͮbegen menischen Konr 1,19; UrkCorp (WMU) 93,5; BdN 268,8. 431,5; ClosChr 33,21. – swer daz selb hilig bluͦt wirdichlich mit geluͤbigem hertzen enpfæcht PrOberalt 79,13; KvWPant 70; MarlbRh 57,15; dri besunder messe [...] ze hilfe vnd ze trost [...] allen gelaubeigen selen, si sint lebendig oder tot UrkCorp (WMU) 3581,40; PrGeorg 341,12; Spec 147,21; Rol 9090. – in unsers herren ere / wuchs die geloubige zahl [die Zahl der Gläubigen] / zu Ierusalem PassIII 38,2 1.2 präd. 1.2.1 ohne weitere Erg.: swer geloubic ist und getoufet, / umbe den gab Christ sinen lip StrKD 112,22; wolt ich [Konstantin] niht geloubic sîn [...], / son hæte ich niht [...] / die boten mîn nâch dir [Silvester] gesant KvWSilv 1537; daz die lút gelobig wurdent und sich bekertent PrGeorg 9,25; Alkuin 26; Konr 10,69. 13,15. – daz bézêichenet di der neuuedir noh ungeloubige noh rehte geloubige nesint ÄPhys 6,4; si [ ein riche wip ] waz nicht wol geloubic, wan si ginc mit dem dufele umbe HlReg 43,19; Thomaz wol geloubech wart / vnde an die wahrheit bekart / wande er im [Christus] in die wunden greif PassI/II 95,7. – [Barlaam zu Josaphat:] ich weiz, daz dîn lant / von dîner lêre geloubic ist RvEBarl 15435 1.2.2 mit Dat.: dâ mite er [Christus] ein vorbilde lie / allen, die im gloubic sint RvEBarl 2731; daz der patriarche Abraham ime [Gott] also getruͦwe und also geleubeg was NvLand 12,22; RvEGer 6273 1.2.3 mit Präp.; überw. an: si wâren schiere worden / geloubic an den wæren got KvWSilv 851; do wart des ludes in dem zil / an Christum geloubich vil PassI/II 133,36. 80,89; [die von Jesus in seiner Kindheit gewirkten Wunder sind vergessen] wan an in gloubec nieman was / und wan er noch dô nit an in / genomen hâte die junger sîn, / die [...] haeten si sunder wân / der welte offen getân WvRh 6697. 8196; RvEBarl 6935. 14538; RvEWchr 997; vereinzelt auch von Maria: es wurd geschriben alles gar von gottes frúnden, die in den ziten warend und geloͤbig wurdent an got und an sin muͦter WernhMl 1,6. – vereinzelt in: niht vmb dis alein bit ich. svnder für dise di dvrch iriv wort gelaübich sint in mich EvAug 263,13 1.3 subst.: daz ih disi armin giloubigin / irlosi von den heidinin ÄJud 197; wildu auer wizzen wer din naheste sîge? daz ist ain igelich geloubigêr Alkuin 46; alliv dinch sint müglichen dem gelaübigen [ Mc 9,22 ] EvAug 99,13; JPhys 22,5; PrGeorg(Sch) 10,71; StatDtOrd 23,28; Eckh 5:61,5. – mit Gen.: allen gotes geloubigen [...] den wunschet bruder Burchart von Swanden [...] heiles in gote vnsem herren UrkCorp (WMU) 975,9; UrkDOHess 1,378 (a.1289). – vereinzelt mit Präp. in: allen gelouegen in Christum, beide, de nu leuen vnd noch leuedich werden, ewegen heil an vnsem herren godde UrkCorp (WMU) 1091,40 2 ‘an etw. glaubend’, im relig. Sinn 2.1 mit Gen.: tuo dû, herr, [...] / daz si gelouben, daz niht enist / dhein ander got wan dû ein, / und daz ouch niht sô rein / ist, sô dû, herr mîn, / und daz si des geloubic sîn EnikWchr 8362; die helle [diese Hölle, d.h. der helle grunt ] Jhesus nitt zerbrach / noch losst da niemand uss pin: / des soͤllend wir geloͤbig sin KvHelmsd 2476 2.2 mit Präp. an/in: sô tuo daz ich dir hân geseit, / und wirt geloubic an den touf KvWSilv 1531; da von so wil ich vechten / kein den die hie verechten / Jhesu cruce und die man / die geloubic sint daran Daniel 1738; allen den, die in Cristis namen giloͧbig sint UrkCorp (WMU) 173,41 2.3 mit abh. Satz: swaz si da singen oder sagen kunden / in kristenlicher wise, wart er und al di sine geloubik funden JTit 472,4 3 ‘(jmdm.) etw. glaubend, etw. für wahr haltend’, mit Gen.d.S.: [Elisabeth zu Maria:] wan du des engels worte [oder Dat.Sg.?] / bist geloubec worden nû, / dâ von gesegnet sô bist dû WvRh 3014; wie lange wil diz lút nu sin / ungeloubig an dén worten min / und niht geloubig mir, des ih / in han gesagit? RvEWchr 13660 4 ‘auf etw. vertrauend, etw. zuversichtlich erwartend’, mit Gen.: ‘ir vart sô zorniclîchen’ sprach diu frouwe guot, / ‘und bin doch des geloubic daz ir mir niht entuot’ WolfdA 300,2; du solt mir guotes biten, / wan ich dich nie erzurnde: des ich geloubic bin OrtnAW 75,3 5 ‘(jmdm.) glaubend, vertrauend, Glauben schenkend’; attr.: Îsôt diu weinde starke. / der geloubege [leichtgläubige] Marke / ‘schœne’ sprach er ‘saget mir, / waz wirret iu, waz weinet ir?’ Tr 13904. – präd.: welt ir mir niht geloubic sîn EnikWchr 7430; WhvÖst 6951; und dise menschen sint allen menschen geloͤibig [gegenüber allen Menschen vertrauensvoll] und barmherzig Tauler 176,15 6 ‘glaubwürdig, vertrauenswürdig’, von Personen: ist daz iemant eim purger [...] ein maulslack slecht, [...] der schol sich selb drit unschuldigen glaubiger man StRBrünn 366; Pertholt der âmman von Minnebach vnd manger ander gelovbiger man UrkCorp (WMU) 1104B,10 7 ‘glaubhaft, glaublich’; von Aussagen: sine [ des fursten ] spruche sunder var / waren gloubec unde war Elis 3250; geloubic ist daz worden / daz di drî verlougnus [des hl. Petrus] / ergîngen alle in Anne hûs JvFrst 4942. – von Sachen: kainer ward nÿ so weyß / der gar volschreiben möcht / daz wunder noch endöht, / wann ez nit gelaubig ist GrAlex 5693 8 ‘nachgebend, nachgiebig’ (zu → gelouben swV. 6 ): wir furhten dez libes tot / und sin im gelovbic wol Martina 243,77; wo die lúte [...] einen bihther findent der in liht semfte ist und in erloͮbet ire wise und in gloͮbig ist [...], den kiesent die lúthe us und sprechent er si ein bidderman MerswNF 28,27
MWB 2 367,3; Bearbeiter: Bohnert